Bald vorübergehend geschlossen

Neues Konzept, bundesweite Bedeutung: So verändert sich das Fürther Rundfunkmuseum

9.7.2021, 06:00 Uhr
Schauplatz Kurgartenstraße: Im neuen und gründlich überarbeiteten Rundfunkmuseum soll in Zukunft das Thema Hören den Schwerpunkt der Ausstellung bilden.

Schauplatz Kurgartenstraße: Im neuen und gründlich überarbeiteten Rundfunkmuseum soll in Zukunft das Thema Hören den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. © Foto: Claudia Wunder

Erste Details hat das Team um Museumsleiterin Jana Stadlbauer am Donnerstag verraten – sieben Wochen, bevor die Türen schließen und voraussichtlich Ende 2023 fürs "Deutsche Rundfunkmuseum" wieder aufgehen. Oder Anfang 2024.

Ein "Museum der Sinne" soll es werden, ein "Haus für alle", ein "niedrigschwelliger Begegnungsort": Mit dem in die Jahre gekommenen Rundfunkmuseum in der Uferstadt haben Stadlbauer und Stellvertreter Philipp Knöchel große Pläne – Pläne, für die die Stadt und der Bund 2020 die Geldhähne ohne Knausrigkeit öffneten. Kurz vor Weihnachten ließ sich Berlin den Sprung des Museums von einem regional beachteten zu einem national wichtigen Haus 4,5 Millionen Euro kosten.

Anfassen, Ausprobieren und Experimentieren sollen im runderneuerten Gebäude im Mittelpunkt stehen. Und: Die Besucher bekommen was auf die Ohren. Mehrere Arbeitskreise – einer heißt etwa "Sammlung und Forschung", ein anderer "Bildung und Vermittlung" – tagen seit knapp einem Jahr. Ausgebrütet haben sie die Idee, den Hörmedien Vorfahrt in der völlig neu konzipierten Dauerausstellung zu geben.

"Besondere Herausforderung"

Dazu zählen Themen wie Podcasts, Medienkompetenz in Zeiten von Fake News, Soundgestaltung in Werbung, Film und Fernsehen, aber auch Technik und Unternehmensgeschichte. Wie Töne unser Sehen beeinflussen, und wie es ist, einfach mal gar nichts zu hören – in der Kurgartenstraße soll das erfahrbar werden. "Mit der Neuaufstellung bauen wir vorhandene Stärken aus und schärfen unser Profil", so Stadlbauer über das zukünftige Rundfunkmuseum, das auch mit einer innovativen Soundlandschaft aufwarten und ein "auditives Bewusstsein für Medienkultur" schaffen will.

Neun Millionen Euro sind für das ambitionierte Projekt veranschlagt, federführend ist die Kulturstiftung Fürth, die in der Kleeblattstadt unter anderem das renovierte Kulturforum 2001 und den Anbau des Jüdischen Museums Franken 2018 an den Start brachte. Geschäftsführer Dieter Christoph spricht von einer "besonderen Herausforderung"; der Bau, die alte Grundig-Direktion, benötigt eine neue Haustechnik und eine energetische Modernisierung "auf einem Niveau, das auch ökologisch für die nächsten Jahrzehnte Bestand hat".

Weil es sich – vom Plan für einen neuen, 100 Quadratmeter großen Eingangs- und Kassenbereich abgesehen – vorwiegend um eine baulich-technische Sanierung handelt, gab es keinen Architektenwettbewerb; stattdessen forderte die Kulturstiftung eine Handvoll bundesweit operierender Büros für Museumsgestaltung auf, ihre Gebote abzugeben, Fristende war am Mittwoch. Wer zum Zuge kommt, soll bis August feststehen, bis Ende 2021 der Bauantrag eingereicht sein.

Rollt ein Exponate-Bus?

Die ersten Arbeiten würden Mitte 2022 starten. "Im Baubereich verzögert sich zurzeit sehr viel", so Christoph, weshalb er den zunächst angepeilten Eröffnungstermin Oktober 2023 schon jetzt für "illusorisch" hält. Just dann sei es zwar theoretisch möglich, das fertige Haus zu feiern, mit der Einrichtung und Eröffnung dürfte es aber bis Anfang 2024 dauern.

Und jetzt? Bis 29. August ist das "alte" Rundfunkmuseum noch offen, danach ziehen die Exponate in Depots, das Team in Übergangsbüros. Pläne kursieren, auch in der Schließungsphase im Bewusstsein der Fürther zu bleiben – etwa mit einem Exponate-Bus, mit einer Experimentierwerkstatt auf Rädern oder mit einem Schaudepot jenseits der Uferstadt. Entschieden ist noch nichts.

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