Donnerstag, 24.10.2019

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Normalflugzeughalle wird zum Wohnquartier

Das letzte Baudenkmal dieser Art in Deutschland - Umbau für knapp sechs Millionen Euro bis Ende 2010 - 20.08.2009

Der historische Flugzeughangar aus dem Jahre 1916 wurde bereits entkernt. 19 loftartige Wohnungen sollen hier entstehen. © Hans-Joachim Winckler


Knapp sechs Millionen Euro investiert die auf Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude spezialisierte P&P Wohnbau Franken GmbH in den Ausbau von 19 Lofts mit insgesamt 2100 Quadratmaler Wohnfläche. In zwei Wochen startet die Vermarktung. Ende nächsten Jahres schon soll Einzug gehalten werden können.

Für Stadtheimatpfleger Alexander Mayer und Flugplatz-Archivar Winfried Roschmann kein Grund zum Feiern. Sie beanstanden Eingriffe in das Stahlskelett der Dachkonstruktion. «Die ursprüngliche Gestalt wird nicht verändert», hält Verkaufsleiter Jürgen Eschbach dagegen. Und OB Thomas Jung argumentiert: bisher habe sich nie jemand sonderlich für die Halle interessiert. Zudem habe P&P nur saubere Arbeit abgeliefert.

Als Industriedenkmal ersten Ranges stuft Mayer den bereits entkernten Hangar ein. Dies verlange nach einem besonders sensiblen Umgang mit der Bausubstanz und schließe Veränderungen der Konstruktion aus.

Rund zehn der vom königlichen Bauausschuss normierten, und von der Hilgers AG Rheinbrohl in Neuwied gelieferten Hallen prägten einst das Bild des Atzenhofer Fliegerhorsts. Nach dem Ersten Weltkrieg zwang der Versailler Vertrag 1920 jedoch zur Demontage. Nur zwei Normalflugzeughallen überlebten. Eine ist nach Roschmanns Informationen nach Oberfranken verlegt worden, wo sie zuletzt eine Baumwollspinnerei beherbergte. Letztes Jahr wurde sie abgebrochen. Zu spät für das Deutsche Museum, das sich für die Hallentür interessiert hätte.

Sauer ist Mayer auf die Stadt, weil sie sich mit ihrer Baugenehmigung über die Bedenken der Denkmalpfleger hinweggesetzt hat. Denkmalschutz, so der Stadtheimatpfleger, werde in Fürth nur dann ernst genommen, wenn keine Investitionen dagegen stünden. Die Einrichtung von Wohnungen in der ehemaligen Flugzeug-Reparaturhalle hält Mayer für widersinnig. Es gebe genug positive Beispiele der Nutzung alter Flugzeughangars durch Firmen.

Eschbach hingegen gibt zu bedenken, dass die Nachfrage nach Wohnraum auf den Fürther Konversionsflächen nicht nachlasse. Die unter der Bezeichnung «Carré Verde» umgebauten Mannschaftsunterkünfte an der Vacher Straße seien nahezu ausverkauft, nur zwei der 160 Wohneinheiten noch zu haben.

Als «Ju Living Lofts» werden die Wohnungen in der Normalflugzeughalle in Anspielung auf die Abkürzung für die hier einst einquartierten Junkers-Flugzeuge vermarktet. Eisenträger und Glas – auch im Dach – sollen in den bis zu 3,50 Meter hohen Räumen die Ära von «Tante Ju» beschwören. Es gibt Dachterrassen, Loggien und Vorgärten.

Nur eine Reihenhausanlage kann jedoch der Stadtheimatpfleger in den Plänen erkennen. Und: «Eine gewerbemäßige Nutzung wäre in jedem Fall besser für das Baudenkmal gewesen.» Der zuletzt bis 1993 von der US-Army genutzte alte Flugplatz am Fürther Solarberg wird großteils von einem Golfplatz belegt. Zur besseren Vermarktung hat ihn die Stadt «Golfpark» getauft. Neben Wohnungen, Unternehmen und einem Reitzentrum hat auch die Forschung hier Fuß gefasst. Das Frauhofer-Institut baut ein großes Materialprüfzentrum.

Volker Dittmar

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