Sonntag, 25.10.2020

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Oscar, Ufa und das Pfeif-Solo

24.02.2009

Gespannt auf "Der Vorleser" und Oscar-Preisträgerin Kate Winslet: Chansonsängerin und Kinogängerin Alexandra Völkl

© privat


Ihre Bilanz der Oscar-Nacht?

Völkl: Schade, dass «Der Baader-Meinhof-Komplex« leer ausging. Ich bin Jahrgang 1974 und finde, dieser Film ist großartig gemacht und wichtig für alle, die diese Zeit nicht bewusst miterlebt haben. Vielleicht ist er aber auch zu deutsch für einen Oscar.

Als beste Schauspielerin wurde Kate Winslet in «Der Vorleser« ausgezeichnet, als bester Schauspieler Sean Penn. Geht beides in Ordnung?

Völkl: Auf den «Vorleser« bin ich sehr gespannt, da ich das Buch zwei Mal mit Begeisterung gelesen habe. Winslet fand ich vor kurzem unglaublich beeindruckend in «Zeiten des Aufruhrs«. Dieser Film hätte auf jeden Fall auch einen Oscar verdient gehabt. Wie Winslet sich seit «Titanic« entwickelt und gewandelt hat, ist großartig. Von Penn weiß ich, ehrlich gesagt, nur, dass er mal mit Madonna verheiratet war.

Beeinflusst die Oscar-Vergabe Ihren Filmgeschmack?

Völkl: Nein. Mich würde eher eine lange Nacht mit alten Filmen ins Kino locken. Ich bin eine Nostalgikerin und mag deshalb schöne alte Kinosäle wie zum Beispiel das «Rio« in Nürnberg.

Für welchen Schauspieler lassen Sie alles stehen und liegen und rennen ins Kino?

Völkl: Aus diesem Alter bin ich raus. Ich gebe aber zu, dass ich längere Zeit verfolgt habe, was Adrian Brody macht, der den Oscar für seine Rolle in «Der Pianist« bekam. Dieser Film hat mich sehr gerührt, und ich fand Brody, als er den Oscar entgegennahm, hinreißend. Doch seine Karriere hat gezeigt, dass «Der Pianist« bislang nicht zu toppen war. Ich habe aber diese Hysterie um gut aussehende Schauspieler noch nie ganz verstanden. Ich achte lieber auf die Leistungen. Und ich möchte auch nicht wissen, wie mancher Superstar ungeschminkt ausschaut.

Wann zuletzt im Kino so richtig geweint?

Völkl: Bei «Kirschblüten«. Ich bin danach sofort heim, wollte nichts mehr hören und sehen.

Ihr Chansonabend taucht ein in die Ufa-Jahre. Ein heikles Unterfangen, wenn man Kitsch und Verklärung vermeiden will, oder?

Völkl: Ich habe ein Programm, in dem es konkret um Künstler im Nationalsozialismus geht. Im Vordergrund des Programms, das ich im Bistro präsentiere, stehen aber die Lieder und die Geschichten dahinter. Wer weiß, dass Zarah Leanders schwuler Textdichter Bruno Balz immer wieder Anspielungen untergebracht hat, zum Beispiel mit Titeln wie «Er heißt Waldemar«? Oder Evelyn Künnekes «Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst?«: Goebbels hat getobt, weil das Lied auf das Verdunkelungsgebot anspielte. Und wer weiß, dass Ilse Werner das Pfeif-Solo für «Wind of Change« von den Scorpions gemacht hat?

Die Filmstars von heute, die Ufa-größen von damals - wer ist interessanter?

Völkl: Ich glaube, früher war es nicht so leicht, ein Star zu werden. Weil es weniger Berühmte gab als heute, waren sie etwas ganz Besonderes. Ein 30-Jähriger kann heute noch etwas mit dem Namen Marlene Dietrich anfangen. Außerdem war es damals ein Erlebnis, ins Kino zu gehen, natürlich auch wegen des bedrückenden Alltags. Heute ist es leider oft nur des Konsums wegen. Ob damals allerdings die Qualität der Filme besser war, wage ich schwer zu bezweifeln.Interview: MATTHIAS BOLL

«Wie einst Lili Marleen...«: 2. März, Bistro Galerie (Gustavstraße 14), 19.30 Uhr, 5 Euro.

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