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Partner für Fürths SPD? Die Grünen werben um Vertrauen

Partei will Verantwortung übernehmen - OB Jung reagiert zurückhaltend - 09.04.2020 06:00 Uhr

Noch in seiner alten Besetzung fand sich der Stadtrat kürzlich – wegen der Corona-Gefahr in stark reduzierter Besetzung als sogenannter Ferienausschuss – in der Fürther Stadthalle zusammen. Wie die Kooperation der Fraktionen künftig aussieht, muss sich jetzt zeigen. © Foto: Wolfgang Händel


Die Ansage des Oberbürgermeisters war deutlich, und sie kam auch in dieser Klarheit nicht unerwartet: Im Interview mit unserer Zeitung ließ der souveräne Wahlsieger Thomas Jung kaum Zweifel daran, mit wem er in den kommenden Jahren bevorzugt zusammenarbeiten will, wem er zudem ein in Rede stehendes zweites Bürgermeisteramt zubilligen möchte – der CSU nämlich.

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Die ist zwar noch einmal deutlich gerupft aus dem Urnengang hervorgegangen, sie kann aber für sich verbuchen, in den vergangenen Jahren die wegweisenden kommunalpolitischen Weichenstellungen in der Kleeblattstadt mitgetragen zu haben. Oder, wie böse Zungen formulieren, sie hat sich im Jung’schen Sinne weitgehend wohlfeil benommen.

Die Grünen hingegen hielten immer wieder teils giftig dagegen, sei es bei der Bibliothek mit Café in der Neuen Mitte, sei es beim Wochenmarkt, sei es beim Ludwig-Erhard-Zentrum. Aus Prinzip, behaupten Jung und die Sozialdemokraten, mit gutem Grund, sagen die Grünen selbst. Und tatsächlich lässt sich ganz objektiv festhalten: Ihre Argumente musste man nicht zwingend nachvollziehen können – aus der Luft gegriffen aber waren sie in der Regel nicht.

Pech nur für sie: Die oben genannten Projekte kamen die Stadt zwar, wie von ihnen kritisiert, viel teurer als geplant – aber sie wurden auch zu Erfolgen und von großen Teilen der Bevölkerung positiv aufgenommen.

Schwarzer Peter

Schnell hat man da den Schwarzen Peter, und Jung darf sich durch sein hervorragendes persönliches Wahlergebnis bestätigt sehen. Dass ihm sein grüner Gegenkandidat sowie der grüne Fraktionschef im Stadtrat dann kurz vor dem Urnengang auch noch demokratische Defizite vorhielten und ihn als "Marktradikalen" schmähten – das trug ebenfalls nicht gerade zur Befriedung bei. Ja, räumt Jung auf Nachfrage unserer Zeitung ein, das habe ihn "persönlich getroffen". Aber er wolle auch "nicht nachtragend" sein.

Was noch zu beweisen wäre, denn in seinem Kurs bleibt er unerschütterlich. Die Grünen hätten zuletzt eben "sehr große Unterschiede rausgearbeitet" zu seiner eigenen Politik. Es sei "in den vergangenen sechs Jahren kein vertrauensvolles Verhältnis entstanden", dieses müsse nun "erst gebildet werden".

Dass auch sie durchaus am Versuch interessiert sind, haben nach Veröffentlichung des FN-Interviews die Grünen erkennen lassen. "Bereit für Kompromisse – Zuspitzungen hinter sich lassen", ist die Pressemitteilung überschrieben, die sie herausgaben – und in der sie neben neuer Anschmiegsamkeit auch ein dank 20 Prozent Stimmenanteil gewachsenes Selbstbewusstsein erkennen lassen: "Die Fürther*innen wollen, dass wir nicht in der Opposition verharren, sondern dass wir Verantwortung übernehmen", glaubt die Kreisvorsitzende Gabriele Zapf herauslesen zu dürfen.

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Der klar unterlegene OB-Kandidat Kamran Salimi bekennt: "Es stimmt: In der zurückliegenden Ratsperiode ist man bei bestimmten Themen auch mal übers Ziel hinausgeschossen, was den Ton der Auseinandersetzung angeht" – aber "auf beiden Seiten, auch wir haben uns über manche Äußerung geärgert".

"Gute Perspektiven"

Salimi greift wie Jung auf die Vokabel der Stunde zurück: "Vertrauen" könne man nun aufbauen, "wenn alle Beteiligten diese Zuspitzungen hinter sich lassen". Gelinge dies, glaubt Salimi, ließen sich "gemeinsam gute Perspektiven zum Wohl der Stadt und deren Bevölkerung eröffnen". Inhaltliche Schnittmengen zwischen dem Programm der Grünen und dem der SPD, die seien schließlich "ohne Zweifel da" . . .

Das Friedensangebot vernimmt man bei Jung und den Seinen wohl, allein das Entgegenkommen hält sich in engen Grenzen. "Die Grünen sollen sich nicht ausgeschlossen fühlen", sagt Thomas Jung zwar, aber er konstatiert auch: "Ein neuer natürlicher Partner sind sie beim besten Willen nicht."

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