Mobilität der Zukunft

Premiere in Metropolregion: Cadolzburg testet fahrerlosen Bus

Gwendolyn Kuhn
Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

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10.7.2021, 16:00 Uhr
Ein Bus ohne Fahrer, ähnlich wie dieses Modell in Mannheim, kann ein Wochenende lang in Cadolzburg ausprobiert werden. Vier Personen dürfen dann einsteigen.

Ein Bus ohne Fahrer, ähnlich wie dieses Modell in Mannheim, kann ein Wochenende lang in Cadolzburg ausprobiert werden. Vier Personen dürfen dann einsteigen. © Foto: Uwe Anspach/dpa

Es ist ein altes Problem, das in Cadolzburg für neue Ansätze sorgt: Der Verkehr, der sich über die Staatsstraße durch den Ort wälzt. Seit per Bürgerentscheid 2016 eine Umgehung für die rund 18.000 Fahrzeuge, die dort täglich unterwegs sind, abgelehnt wurde, sucht man nach innovativen Lösungen, die für Entspannung sorgen.

Deshalb beteiligt sich die Marktgemeinde an der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern und schafft bis September zehn Lastenräder zum Ausleihen an. Außerdem lief das Pilotprojekt Tempo 30 auf der Durchgangsstraße; Mitfahrbänke im Ort sollen die Möglichkeit bieten, nicht zu Fuß den Berg hinauf zu müssen, sondern vielleicht aufgesammelt zu werden.

Nun kommt ein neuer Baustein zu den bereits bestehenden hinzu: ein autonom fahrender Bus. Er könnte, so der Blick in die Zukunft, eines Tages die Strecke vom Kreisverkehr am Ortseingang, wo die Cadolzburger Einkaufsmöglichkeiten liegen, den Berg hinauf bis zum Marktplatz bedienen. An einem Zwischenstopp am Bahnhof könnten Pendler zusteigen.

Auf die Idee gekommen ist die Marktgemeinde durch die Teilnahme am Projekt "New Mobs", das Ideen für Mobilitätsinnovationen im ländlichen Raum entwickelt und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird. Als eine von drei Kommunen wurde Cadolzburg – neben Garmisch-Partenkirchen und Passau – ausgewählt.

Seit September gab es mehrere Termine, an denen sich auch rund 40 Cadolzburger beteiligt haben. Konkret ging es darum, Ideen für das Verkehrsproblem zu sammeln und geeignete Konzepte zu entwickeln. Viele, teils abwegige Gedanken seien dabei gesponnen worden, sagt Bürgermeister Bernd Obst.

Im Gespräch war etwa eine Seilbahn, die Entlastung auf der Straße bringen könnte. Irgendwann kam der autonome Busverkehr auf.

Es lohne sich, ihn zu testen, so der Beschluss. Könnte er doch in Zukunft möglicherweise dafür sorgen, dass die 14 Ortsteile der Gemeinde besser miteinander verknüpft werden – und weniger Autos unterwegs sind.

Bis es so weit ist, wird es noch dauern, denn bislang dürfen fahrerlose Verkehrsmittel nur in bestimmten Bereichen oder als Pilotversuch auf gesperrten Straßen unterwegs sein. Einen solchen Test soll es nun in Cadolzburg geben. "Wir würden den Bürgern gern die Berührungsängste mit der Technik nehmen", sagt Silvia Dießl, die im Rathaus für das Mobilitätsprojekt zuständig ist.

Deshalb dürfen Interessierte am Wochenende 17./18. Juli in den autonomen Bus einsteigen und eine 400 Meter lange Strecke auf der Gonnersdorfer Straße vom Wanderparkplatz Buchspitz bis zum Weiher unterhalb der Burg mitfahren. Ganz billig ist diese Testphase nicht. 12.500 Euro sind dafür veranschlagt, vor allem die Kosten für die Sperrung und Präparierung der befahren Strecke schlagen zu Buche. 4000 Euro immerhin schießt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu, den Rest muss die Kommune stemmen.

Wenn sich der Probelauf bewährt und gut angenommen wird, könnte sich die Gemeinde vorstellen, im Herbst in die nächste Testphase überzugehen. Dafür könnte es dann auch europäische Fördermittel geben.

Der erste autonom fahrende E-Bus der Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen ist am Wochenende 17./18. Juli von 10 bis 17 Uhr am Parkplatz Buchspitz in Cadolzburg unterwegs. Bereits ab Mittwoch, 14. Juli, bis Sonntag, 18. Juli, wird die Gonnersdorfer Straße deswegen gesperrt sein. Neben den Fahrten gibt es am Wochenende ein buntes Programm für Groß und Klein zum Thema Mobilität.

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