"Protestgarten": Jugendliche kämpfen für Freiräume in Fürth

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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22.6.2018, 14:30 Uhr

© Foto: Hans Winckler

Ende Mai hat die "Aktion Protestgarten" erstmals auf sich aufmerksam gemacht: mit einem Transparent in der Gustavstraße, auf dem eine Protestwoche angekündigt wurde. Wer dabei sofort an den Fürther Lärmstreit dachte, sollte falsch liegen. Um ihn geht es den jungen Menschen, die sich hier zusammengeschlossen haben, ausdrücklich nicht.

Das haben die vergangenen Tage gezeigt: Bei einer Protestwoche samt einer Demo mit 250 Teilnehmern und einer beeindruckenden Podiumsdiskussion hat die "Aktion Protestgarten" deutlich gemacht, was Jugendliche und junge Erwachsene vermissen. Und das ist nicht wenig.

"Wir leben gerne in Fürth", betonen die jungen Aktivisten. Aber sie wollen mehr, als nur hier zu wohnen. Viele von ihnen gehören der alternativen, kreativen Szene an, einige sind Musiker wie Jens Schmidt. Der 28-Jährige ist zu einem der Sprecher der Bewegung geworden, von der sich die Stadtspitze bereits tief beeindruckt zeigt. Ungewöhnlich schnell hat das Rathaus auch zugesichert, die Forderungen ernst zu nehmen und zu handeln.

Selbst Konzerte organisieren

Die jungen Menschen wollen vor allem Jugend- und Subkultur mitgestalten, wollen selbst Konzerte, Partys oder Lesungen auf die Beine stellen. Sie fordern Proberäume und Auftrittsorte für Musiker und Bands, mehr Beachtung und weniger Hürden für jugend- und subkulturelle Angebote, mehr legale Graffitiwände, den abendlichen Zugang zu Sporthallen und ein selbstverwaltetes Zentrum.

Und sie wollen, dass Fürth ihnen auch nachts Freiräume bietet. Abends und am Wochenende bleibe vielen jungen Fürthern nichts anderes übrig, als nach Nürnberg oder Erlangen zu fahren oder den Absacker um 2 Uhr nachts mit dem Kumpel zu Hause auf der Couch zu trinken, kritisierten Jens Schmidt und Paul Reichenbecher (22) bei der Demo.

Es fehlen Clubs und Diskotheken in Fürth, aber im Sommer auch Treffpunkte im Freien, von denen sie der neue umstrittene Ordnungsdienst nicht vertreibt. Die Konflikte mit dem Ordnungsdienst haben den Unmut der Jugend verstärkt.

Ärger mit dem Ordnungsdienst

Seit August 2017 ist das fünfköpfige Team im Einsatz, es soll die Einhaltung der städtischen Grünanlagensatzung kontrollieren – insbesondere an Fürths einzigem Grillplatz nahe der Siebenbogenbrücke. Dort haben sich Anwohner jahrelang über nächtliche Ruhestörungen beschwert.

Die Siebenbogenbrücke sei als Treffpunkt "kaputt gemacht worden", klagen die Jugendlichen jetzt. Einige empfinden den Ordnungsdienst als zu hart und unfreundlich. Statt deeskalierend aufzutreten, verhänge das Team schnell Verwarngelder.

Ordnungsreferent Mathias Kreitinger hat seine Mitarbeiter wiederholt verteidigt. Seinem Eindruck nach agieren sie mit Augenmaß. Es sei aber höchste Zeit, dass man sich austauscht, sagte er bei der Diskussion, bei der er den Jugendlichen ebenso wie OB Thomas Jung, Bürgermeister Markus Braun und Vertreter des Jugendamts Rede und Antwort stand. Kreitingers Überzeugung: Nicht der Ordnungsdienst sei zu streng – sondern einige der Regeln, deren Einhaltung er kontrollieren soll, seien veraltet.

Ihm sei selbst nicht bewusst gewesen, dass man sich am Grillplatz nach 20 Uhr nicht mehr aufhalten darf und dort Alkohol verboten ist, sagte Jung. Beides sei lebensfremd. Die Stadtspitze kündigte erste Verbesserungen an: Die Grünanlagensatzung wird überarbeitet, künftig sollen Grillplatz, Skatepark und Basketballplätze bis 21.30 Uhr genutzt werden können. Man wolle außerdem einen neuen Treffpunkt im Grünen anbieten, fern von Anwohnern, auf dem sie sich noch länger aufhalten können. Auch Probenräume und ein neues Stück Graffitiwand stellte Jung in Aussicht.

"Beeindruckend" nannten die Vertreter aus dem Rathaus die Initiative der jungen Menschen. Die freuen sich vorsichtig über die ersten Erfolge – und wollen rasch Taten sehen.

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