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Schau in der Foerstermühle: Das Leuchten der Menschen

Marion Förster zeigt ihre kitschlosen "Kryptoportraits" - 27.02.2020 14:30 Uhr

Ein Kunst-Doktor würde sagen: "Es wird jetzt gleich ein bisschen kompliziert." Ein Satz, der allerdings keine Eins-zu-eins-Übersetzung der Standardfloskel "Es piekst jetzt gleich ein bisschen" sein soll, nicht hier. Weh tut an Marion Försters schillernd-schöner Kunst nichts. Es tut eher gut zu sehen, dass da jemand auch jenseits der streng akademischen Kunst-Ausbildungswege sein ureigenes Ding macht – und das Ergebnis so gar nicht laien-, geschweige denn epigonenhaft daherkommt.

Seit drei Jahren tüftelt, grübelt, verzieht sich Marion Förster in ihr Atelier in Nürnberg. Drei Jahrzehnte lang war die gebürtige Pegnitzerin Chefin einer Firma für visuelles Marketing, und man tritt ihr gewiss nicht zu nahe mit der Bemerkung, dass sie das nur schwer verbergen kann – die "Da geht’s lang"-Power, die "Ich will es besser machen"-Energie, das "Erzählt mir nicht, wie es geht"- Selbstbewusstsein, alles da. Portraits in Öl und Acryl, das waren lange Zeit die Ergebnisse, die die Künstlerin Marion Förster – an der Steiner Akademie Faber-Castell holte sie sich ihr Know-how – zutage förderte. Zum Beispiel auch 1990 bei einer Schau im City-Center. Bebte die Kunstszene? Nein.

"Menschen", sagt sie, "haben mich immer schon interessiert." Doch bald kam der Wendepunkt. "Ich wollte tiefer gehen anstatt immer nur zu hören, ,Das hast du aber schön gemacht‘." Ein Satz, den Förster, wenn nicht alles täuscht, oft hören durfte, zu oft. Eine Komplimente-Einsammlerin ist Marion Förster nicht, eher eine Berserkerin. Befreit von sämtlichen Job-Fesseln, entstanden knapp 1000 Exponate einer völlig neuen Werkgruppe, mit der sie die mimetische Abbildhaftigkeit des herkömmlichen Portraits hinter sich lässt.

Zu Thomas Förster – übrigens weder verwandt noch verschwägert – führte der Weg mit Arbeiten, die zwischen 2017 und 2019 eigens für die Schau in der Foerstermühle entstanden.

 

Ein Code für eine Person

 

Und nun geht es los: Menschen, ja, darum geht es. Das Verfahren aber hat es in sich. Es wird jetzt gleich ein bisschen kompliziert. Stets beginnt Förster mit einem kalligrafisch verfremdeten Buchstabencode, den sie einer ihr nahestehenden Person, der porträtierten Person nämlich, zuordnet. Aus diesem Code vergrößert sie Ausschnitte und projiziert sie auf Röhrenradiatoren. Ablichtungen dieser Bilder sind schließlich der Ausgangspunkt für Farbstiftzeichnungen – und jede dunkle Fläche dieser Zeichnungen steht für einen Gemütszustand der porträtierten Person, für ein Gefühl.

Die Farbwahl "passiert einfach", sagt Marion Förster, die zuletzt im Quartier an der Dresdner Frauenkirche und im Tiroler Museum St. Johann ausstellte. Diese "Kryptoportraits", so der Titel der Schau, unterziehen den traditionellen Portraitbegriff mit stark reduzierten Mitteln einer harten, im Ergebnis aber verblüffend sinnlichen Prüfung.

Und dann gibt es noch jene Farbstiftzeichnungen, die die Künstlerin in Fotografien überführt – und die in Leuchtkästen zu Wandobjekten mit einer Ausstrahlung mutieren, die den Betrachter an längst erlebte Diaabende im Familienkreis erinnern; eine Begegnung mit Privatem und Privatsphären. Die Einzigartigkeit einer Person, hier wird sie zum Leuchten gebracht, mit Linien und Rastern. Ist nicht kitschig, tut gar nicht weh. Respekt.

"Kryptoportraits": Galerie in der Foerstermühle (Würzburger Straße 3). Montags bis donnerstags 9-17 Uhr, freitags 9-14 Uhr. Bis 9. April.

 

Matthias Boll

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