Sea-Watch: Fürth soll Geflüchteten helfen

Johannes Alles
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2.7.2019, 11:00 Uhr
Die «Sea-Watch 3» hatte vor zwei Wochen insgesamt 53 Migranten vor Libyen gerettet, bekam aber keine Anlegeerlaubnis in einem europäischen Hafen.

© Sea Watch e.V. (dpa) Die «Sea-Watch 3» hatte vor zwei Wochen insgesamt 53 Migranten vor Libyen gerettet, bekam aber keine Anlegeerlaubnis in einem europäischen Hafen.

"Sicherer Hafen" nennen sich Städte und Gemeinden, die Geflüchtete aus der Seenotrettung aufnehmen wollen. In Deutschland sind es inzwischen über 60 Kommunen. Der Fürther Stadtrat beschloss Ende Februar, die Kleeblattstadt zum "Sicheren Hafen" zu erklären – einstimmig, auf Antrag der Grünen und der Linkspartei.

Ein neues Bündnis, die Seebrücke Fürth, fordert nun, diesen Worten Taten folgen zu lassen. "Das Verhalten der EU-Politik ist unmenschlich, da wollen wir nicht länger zuschauen", schreibt die Gruppe in einem offenen Brief an Fürths Oberbürgermeister und den Stadtrat. Im Blick hat sie dabei ganz aktuell den Fall des Rettungsschiffs "Sea Watch 3", das sich fast drei Wochen lang mit über 40 Geflüchteten an Bord auf See befand. Als das Schiff unerlaubt im italienischen Lampedusa anlegte, um die Menschen an Land zu bringen, wurde die Kapitänin Carola Rackete verhaftet. Der 31-Jährigen werden unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen.

Die Seebrücke verweist darauf, dass die Bundesregierung einige der Geflüchteten in Deutschland aufnehmen will, und fordert: "Es ist das Gebot der Stunde, dass jetzt auch die Stadt Fürth ihr Versprechen einlöst. Wir wollen wirklich zum sicheren Hafen werden." Das Thema sei zu ernst, um lediglich unverbindliche Absichtserklärungen abzugeben. Gleichzeitig fordert das Bündnis das Rathaus auf, sich "deutlich gegen die Verhaftung der Kapitänin" auszusprechen. "Die Rettung von Leben", heißt es, "darf nicht bestraft werden."

Andere Städte wie Berlin, Freiburg, Greifswald, oder Rostock hätten bereits signalisiert, Geflüchtete aus dem Mittelmeer aufzunehmen, und leiteten dazu erste Schritte ein. Der Brief an die Stadträte schließt mit den Worten: "Fürth muss endlich auch aktiv werden, warten Sie nicht länger."

An diesem Freitag will die Seebrücke ab 17 Uhr mit den Fürthern ins Gespräch kommen, Treffpunkt ist der Paradiesbrunnen. Für den 26. Juli ist zudem eine Demonstration geplant. Die Fürther Gruppe ist Teil der internationalen Bewegung "Seebrücke", die von verschiedenen Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft getragen wird.

Erst vor wenigen Tagen hatten sich Fürther Pfarrerinnen und Pfarrer hinter den von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) publizierten Palermo-Appell zur Seenotrettung gestellt. Sie forderten die Stadt Fürth auf, konkrete Zahlen zum Beschluss "Sicherer Hafen" zu benennen. Die EKD unterstützt die deutsche zivile Seenotrettungsorganisation Sea-Watch, zu der das Boot "Sea Watch 3" gehört.

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