Entscheidung

Söders Weihnachtsmarkt-Absage: Fürther Stadtspitze verdutzt, Schausteller am Boden zerstört

Wolfgang Händel
Wolfgang Händel

Leiter Lokalredaktion Fürth

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19.11.2021, 15:10 Uhr
Schon seit dem vergangenen Wochenende leuchtete die mächtige Glühwein-Pyramide auf der Fürther Freiheit. Nun müssen die Betreiber sie unverrichteter Dinge wieder abbauen. 

Schon seit dem vergangenen Wochenende leuchtete die mächtige Glühwein-Pyramide auf der Fürther Freiheit. Nun müssen die Betreiber sie unverrichteter Dinge wieder abbauen.  © Foto: Wolfgang Händel

Es war für den städtischen Wirtschaftsreferenten und für die Schausteller ein Schlag ins Kontor: Als Ministerpräsident Markus Söder am frühen Freitagnachmittag unmissverständlich verkündete, dass sämtliche Weihnachtsmärkte in Bayern abgesagt werden, wollten es manche, die ihre Buden schon auf der Freiheit stehen haben, zunächst gar nicht wahrhaben.

Und auch Wirtschaftsreferent Horst Müller bekennt auf Nachfrage der Fürther Nachrichten: „Ich war überrascht von der kompletten Absage.“ Denn er hatte zwar mit erheblich strikteren Auflagen gerechnet – aber eben auch damit, dass der Markt auf der Freiheit am Montag trotz der widrigen Umstände noch beginnen kann.

Die klare Weisung aus München, sagt Müller, hätte er sich schon zwei Wochen vorher gewünscht, denn dann hätte man sich in Fürth alle weiteren Bemühungen und Diskussionen sparen können. Und diese Bemühungen, davon war Müller überzeugt, hätten die Veranstaltung möglich werden lassen: 2G, Maskenpflicht, Zäune ums Areal, strikte Einlasskontrollen. Wahrscheinlich wäre auch noch ein Alkoholverbot dazu gekommen.

Nun aber geht gar nichts, die Schausteller begannen noch am Nachmittag damit, wieder abzubauen. Müller hatte kurz zuvor mit ihnen konferiert, Menschen, die „am Boden zerstört sind“, habe er erlebt, manche hätten auf die Politik geschimpft, andere geweint.

Sie fragen sich ebenso wie der Wirtschaftsreferent: Wer zahlt nun die Zeche, wer entschädigt sie für die entstandenen Verluste? Im Gespräch seien erneute Überbrückungshilfen durch den Bund, weiß Müller, das aber werde nicht reichen.

Er sieht deshalb auch den Freistaat in der Pflicht, „schnell und unbürokratisch" zu handeln. „Wenn Bayern finanziell nicht einspringt, geht die ganze Branche den Bach runter“, die ja schon „fast zwei Jahre Berufsverbot“ wegstecken musste.

Und was kann die Stadt Fürth tun? München beispielsweise will den Schaustellern sämtliche Waren abkaufen, auf denen diese nach der Absage des Markts in der Landeshauptstadt sitzen bleiben. Gute Sache, sagt Müller, doch das könne sich vielleicht das reiche München leisten – die vergleichsweise arme Kleeblattstadt definitiv nicht.

Kein Trost, sagt Müller, ist es angesichts dieses Debakels für ihn, dass die neuen Regelungen wenigstens den Einzelhandel einigermaßen ungeschoren lassen: nur noch ein Kunde auf zehn Quadratmetern, aber kein 2G. Dennoch, so der Mann aus der Fürther Stadtspitze, fürchtet er „erhebliche Einbußen“ für das Weihnachtsgeschäft. Schließlich seien „die Signale eindeutig, und das macht ja was mit der Psyche der Menschen, die werden vorsichtiger“.