Späte Ehre für Unsere Liebe Frau

8.8.2007, 00:00 Uhr
1824 erbaut, konnte die Kirche Unsere Liebe Frau nun zweifelsfrei als Werk des berühmten Leo von Klenze eingeordnet werden.

© Horst Linke 1824 erbaut, konnte die Kirche Unsere Liebe Frau nun zweifelsfrei als Werk des berühmten Leo von Klenze eingeordnet werden.

Zur Einstimmung gab es eine Kirchenführung mit Robert Leyh, der dem etwa hundertköpfigen Publikum die architektonischen Feinheiten des 1824 errichteten Sakralbaus näher brachte. Der Kunsthistoriker ist im Schatten von «Ulf», wie die Kirche von den Fürthern kurz und bündig genannt wird, geboren und hat deshalb einen besonderen Bezug zu dem Bauwerk. Diesen entdeckte für sich auch Innenminister Günther Beckstein in seiner Festrede: Als junger Anwalt hatte er oft am Fürther Amtsgericht zu tun - keine 20 Meter von der Kirche entfernt. «Von ihrer kunsthistorischen Bedeutung hatte ich aber keine Ahnung», bekannte der CSU-Politiker freimütig.

Der künftige bayerische Ministerpräsident braucht sich deshalb nicht gleich als Kulturbanause zu fühlen: Erst vor kurzem nämlich konnte die Wissenschaft die Entwürfe für den Kirchenbau eindeutig Leo von Klenze (1784-1864) zuordnen. Dieser gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der klassizistischen Architektur: «Ein Architekt von europäischem Rang», urteilte Professor Winfried Nerdinger, Leiter des Architekturmuseums der Technischen Universität München.

Von Klenze erhielt als Hofarchitekt von König Ludwig I. den Auftrag, dem noch jungen bayerischen Königreich den rechten architektonischen Glanz zu verleihen. Unter anderem schuf der Baumeister daraufhin die Alte Pinakothek in München, die Walhalla bei Regensburg und die Befreiungshalle in Kelheim.

Das königliche Bauprogramm riss allerdings bald gewaltige Löcher in den bayerischen Staatshaushalt: «Überall Glanz, nichts als Glanz - diese Glänze erdrücken noch das Volk», spöttelte ein Abgeordneter in Anspielung auf den Nachnamen des Architekten. Der russische Zar dagegen war nach einem Münchenbesuch so beeindruckt, dass er von Klenze später die Neue Eremitage in Sankt Petersburg bauen ließ.

Unterschrift als Beweis

In diese illustre Reihe darf sich nun auch die Fürther Kirche «Unsere Liebe Frau» einordnen. Bislang hatten einschlägige Experten angenommen, andere Architekten hätten ihre Pläne anhand von Musterzeichnungen entworfen, die von Klenze als Chef der von ihm gegründeten Obersten Baubehörde ausgearbeitet hatte. Doch eine 2001 in Bamberger Archiven aufgefundene Planzeichnung beweist die Urheberschaft von Klenzes zweifelsfrei: Sie trägt die Unterschrift des Meisters.

Von Klenzes Baubehörde war beim Fürther Kirchenbau aktiv geworden, weil der Stadtrat beim König um Hilfe gebeten hatte, berichtete Baureferent Joachim Krauße: Der Rat hatte bereits mehrere Architekten verschlissen, die an der Aufgabenstellung gescheitert waren, ein zeitgemäßes Gotteshaus für die wachsende Zahl katholischer Christen in der Kleeblattstadt zu schaffen.

Übrigens: Die finanziellen Lasten stemmten die Fürther über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg gemeinsam. Eine der Glocken wurde beispielsweise von einem evangelischen Bürger gestiftet - «aus Respekt vor der Religion ohne Ansehen des Glaubensbekenntnisses».