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SPD feiert 150 Jahre Sozialdemokratie in Fürth

Das Ringen um Gerechtigkeit soll im Fokus bleiben - 12.11.2019 06:00 Uhr

Im „Grünen Baum“ in der Gustavstraße, wo einst alles begann, trafen sich die Genossen zum „Tag der Besinnung“. © Peter Budig


Gefeiert wurde dort, wo alles begonnen hat: Im Gasthaus "Grüner Baum" in der Gustavstraße sprach am 9. November 1869 ein prominenter Gast zu den Anwesenden – der Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel, war nach Fürth gekommen.

Damals, vor 150 Jahren, hatte die Kleeblattstadt etwa 25.000 Einwohner, sie besaß einen Bahnhof (wegen der Bahnlinie nach Würzburg), und langsam wurden die ersten Häuser südlich der Gleise gebaut – die neue Südstadt entstand. Mitten in der Industrialisierung arbeitete man am Ruf als "Stadt der 1000 Schlöte".

Fürths prächtiges Rathaus im florentinischen Stil feierte seinen 20. Geburtstag, und das stattliche Lokal, in dem August Bebel (1840 bis 1913) seinen Vortrag über "Streben und Ziele der sozial-demokratischen Arbeiterpartei" hielt, hatte schon einige hundert Jahre auf dem Buckel.

Beginn der Arbeiterbewegung

150 Jahre später feiern die Sozialdemokraten den Tag dieser Rede als Beginn ihrer Bewegung in Fürth. Man verstehe das heute aber eher als einen Tag "der Besinnung", sagte der aktuelle SPD-Kreisvorsitzende Matthias Dornhuber in seiner Festrede.

Nicht etwa wegen des nahenden Weihnachtsfestes, auch nicht wegen der in ganz Deutschland massiv sinkenden Wählerzustimmung, die die Sozialdemokratie in den Grundfesten erschüttert. Vielmehr markiere der November 1869 den Beginn der organisierten Arbeiterbewegung. Das Jahr, dass sich besser für ein rauschendes Fest eignet, sei 1872, denn da wurde in Fürth die SAP, eine Vorläuferin der SPD gegründet. In den Jahren zuvor stritten sich auch in der Kleeblattstadt Anhänger von August Bebel und Ferdinand Lasalle (1825-1864) über den besten Weg der jungen Arbeiterbewegung.

Erinnern wollte Dornhuber an das, was die Sozialdemokratie ihm und anderen bedeutet, und was sie an Bedeutendem geleistet hat – vom allgemeinen freien Wahlrecht über die Frauenemanzipation und den Achtstunden-Tag bis zur Verweigerung der Zustimmung zum Gleichschaltungsgesetz der Nazis im Jahr 1933. "Und immer, wenn etwas erreicht war, etwas besser geworden ist, dann stand einer von uns auf und sagte: ‚Das ist nicht genug. Wir müssen weiterkämpfen‘." Das nie aufhörende Ringen um mehr Gerechtigkeit liege in den Genen der Partei.

Helga Pavlicek, geboren 1938, trägt an diesem Festtag erstmals öffentlich die goldene Ehrenadel, die ihr für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Partei verliehen wurde. Sie habe als junge Frau eine Rede des ehemals letzten SPD-Reichsparteitagsmitglieds, des Augsburgers Josef Felder (1900-2000), in Fürth gehört und sei kurz darauf 1966 in die Partei eingetreten, erinnert sich die langjährige Bezirksrätin. 90 SPD-Reichsparteitagsmitglieder haben sich der diktatorischen Machtübernahme der Nazis einst widersetzt. 90 von 120, die anderen waren, ebenso wie die Kommunisten, bereits verhaftet oder umgebracht worden – auch davon spricht Dornhuber.

Der Parteivorsitzende, Jahrgang 1983, zuletzt Kandidat der SPD für das EU-Parlament, gehört zu den Jüngeren, die Zukunft gestalten wollen. Auch seine Stellvertreter im Parteivorsitz, die Stadträtin Sarah Jonescu (Jahrgang 1985) und ihr Kollege Maurice Guglietta (Jahrgang 1991), glauben an die Zukunft dieser zuletzt arg gebeutelten Partei.

"Man sieht doch an der Mitgliederentwicklung in Fürth, dass gute Arbeit weiterhin zählt", bleibt Guglietta optimistisch. 130 Mitglieder zählen derzeit die Jungsozialisten (Jusos) in Fürth, wie sich der SPD-Nachwuchs nennt. "Eine unserer großen Stärken ist die Verwurzelung unserer Mandatsträger in ihren Stadtteilen. Man kennt seinen SPDler in Fürth", betont Vorstandsmitglied Jonescu, eine Krankenschwester aus Stadeln.

Schwierige Zeiten

Bei den Kommunalwahlen im März kann die SPD in Fürth erneut auf die Zugkraft ihrer Galionsfigur, Mitgliedsnummer 51188255, zählen. Thomas Jung, Jahrgang 1961, ist als Schüler am 13. Januar 1979 zu den Sozialdemokraten gestoßen. "Der Grund war für mich, dass sich diese Partei am meisten für Gerechtigkeit einsetzt. Das war und ist mir heute noch immer wichtig", sagte er.

Warum es die Volkspartei gerade so schwer hat, von sich und ihren Anliegen zu überzeugen? Die Menschen, findet das Stadtoberhaupt, setzten sich heute, da es ihnen gut geht, "eher für Partikularinteressen" ein. Das große Ganze sei aus dem Blick geraten. "Eine Partei, die Vernunft und Mäßigung will, hat es schwerer als jene, die einfache und radikale Lösungen propagieren."

Auf lokaler Ebene bleibt Jung dennoch Optimist: Um die SPD in Fürth sei ihm "nicht bange".

Peter Budig

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