Montag, 18.11.2019

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Südstadt: Plastiken und Reliefs verschwinden

Fassaden-Zierden aus den 50er Jahren sind durch Sanierungsarbeiten akut bedroht - 02.07.2009

Schauplatz Herrnstraße: Der Bauverein kümmert sich Schritt für Schritt um eine neue Wärmeisolierung seiner Häuser. Den Verschalungen weicht Fassadenkunst aus den ersten Nachkriegsjahren. © Mark Johnston


Bernd Kaag ist besorgt: «Hoffentlich werden alle Plastiken aus Bandstahl wieder angebracht.» Die Arbeiten im typischen Nachkriegs-Stil zieren Genossenschaftshäuser unter anderem von der Ecke Herrnstraße/Ludwigstraße bis zur Simonstraße. Handwerker mit Spaten und Eimern sind darauf zu sehen, Mütter mit Kindern, Menschen, die hoffnungsvoll miteinander ihre Zukunft anpacken. Allerdings werden die Bauten in diesen Tagen auf den Stand unserer Zeit gebracht. «Die notwendige Wärmeisolierung», befürchtet Kaag, «könnte dazu führen, dass die Kunstwerke einfach verschwinden.»

Speziell an den Häusern in der Herrnstraße zwischen Simonstraße und Stresemannplatz, so Kaag, sei schon einiges unwiderruflich zerstört: «Dort sind über den Eingangstüren Halbreliefs angebracht worden, einige davon wurden bereits abgeschlagen.» Jede Tür war mit einem anderen Symbol geschmückt, Eichhörnchen hüpften dort zum Beispiel herum oder freundliche Haustiere.

Was den Beobachter zudem stört, ist, dass auch das Erscheinungsbild dieser Häuser gravierend verändert wurde: «Die Türstöcke waren halbrund, die neuen sind alle begradigt.»

Gemeinsam mit Gerhard Ritter (60) und Wilfried Höfler hat der 66-Jährige liebevoll dokumentiert, was die Südstadt in Sachen Kunst am Bau zu bieten hat. Die Unterlagen haben sie an die verantwortlichen Denkmalschützer weitergeleitet (wir berichteten). Doch die 50er-Jahre-Kunst ist bislang nicht geschützt.

«Große Schäden», fürchtet Kaag, wurden vor allem in punkto Reliefs bereits angerichtet. Doch er hofft: «Es ist nicht ganz zu spät.» Ein ansehnliches Stück Fürther Geschichte, das die Südtstadt prägte und vielen lieb und vertraut ist, kann noch gerettet werden. Auch etwas anderes macht dem aufmerksamen Fürther Sorgen: «Die große Uhr, die die Fassade der Eckart-Werke prägte, ist seit einiger Zeit verschwunden – hoffentlich nicht für immer.» SABINE REMPE

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