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Traurige fünfte Jahreszeit: Die meisten Kirchweihen fallen aus

Großveranstaltungen bleiben vorerst verboten - Nun denkt manch ein Organisator ans Aufhören - 17.04.2020 06:00 Uhr

„Natürlich sind wir alle traurig“: Auf die Kärwa und den Festzug müssen nicht nur die Stadelner in diesem Jahr verzichten.

16.04.2020 © Foto: Thomas Scherer


Natürlich hatte Sebastian Schuh gehofft, dass irgendwann alles gut wird. Dass vielleicht sogar möglichst bald wieder Normalität einkehrt. Doch inzwischen weiß er: So schnell wird das nichts, der Ausnahmezustand wird andauern, auch wenn die Einschränkungen in den nächsten Wochen schrittweise zurückgenommen werden sollen. Doch die Lockerungen werden zu spät kommen, zumindest für das Wochenende im Sommer, auf das er sich so gefreut hatte.

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Der Baum steht: Kirchweih-Auftakt in Unterfarrnbach

Endlich ist es wieder soweit! Am Samstag startete die Unterfarrnbacher Kirchweih mit dem Einholen und Aufstellen des Kirchweihbaumes auf dem Festplatz. Mit vereinten Kräften wuchteten die Kirchweihburschen das Symbol der Feier in die Senkrechte.


Schuh ist Vorstand der Unterfarrnbacher Kärwaburschen – und momentan ein trauriger Mensch. Denn am zweiten August-Wochenende wird der Festplatz leer bleiben, werden keine Bratwürste oder Fische gegrillt und wird auch kein Bier ausgeschenkt. Offiziell abgesagt ist die Kärwa noch nicht, "uns hat das am Mittwoch überrascht", sagt Schuh, "der Kärwa-Ausschuss tagt noch".

Finanziell trifft es den Verein nicht so hart, einzig auf die Einnahmen aus dem Barbetrieb im Festzelt müssen sie dieses Jahr wohl verzichten. Die Organisation des Zeltes, den Kontakt mit der Brauerei, die Musik – um all das hat sich Schausteller Denny Morawski von der gleichnamigen Reisegastronomie gekümmert.

Auch ihn trifft die Entscheidung, dass alle Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt sind, natürlich hart. Zumindest auf die Solidarität der Partner kann er aber hoffen. "Die Verträge werden aufgelöst, das ist ja höhere Gewalt", sagt er. Die Bands hat er schon im vergangenen Jahr gebucht, teilweise wären die Musiker aus Österreich gekommen, "aber die haben alle Verständnis, dass es in diesem Jahr anders ist".

Insgesamt 16 Feste hätte er im Sommer in Stadt und Landkreis sowie an weiteren Orten in der Region organisiert, großartig lamentieren will er aber nicht. "Wir müssen alle in den sauren Apfel beißen", sagt er. "Hoffen wir, dass wir zumindest die Fürther Kärwa feiern können."

Auch beim Stadelner Kärwaverein ist die Ernüchterung groß, "wir sind natürlich alle traurig", sagt Vorstand Stefan Leipold, "wir haben aber schon ein bisschen damit gerechnet." Bereits im März, noch vor den Ausgangsbeschränkungen, haben sie gemeinsam mit Festwirt Rainer Mörtel einen Brief an die Bands geschrieben, die im Sommer hätten spielen sollen und ihnen mitgeteilt, dass sie jetzt schon für die Kirchweih im kommenden Jahr gebucht sind. Anfangs, erzählt Leipold, hätte mancher das noch belächelt, "jetzt sind wir froh, dass wir vorgesorgt haben".

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Der Vorstand denkt dieser Tage auch an "den kleinen Getränkelieferanten", mit dem sie schon lange zusammenarbeiten – und der neben der Kirchweih auch auf das Wasserradfest, das für den 23. Mai geplant war, verzichten muss. "Den trifft das natürlich sehr hart, weil gleich zwei große Feste wegfallen", so Leipold.

Ähnlich ist die Situation auch im Landkreis. Im Jahresreigen ist die Tuchenbacher Kirchweih eine der ersten. Heuer hätte sie am Feiertag Christi Himmelfahrt, 21. Mai, begonnen. Doch sie wird "zu 99 Prozent" ausfallen, wie Bürgermeister Leonhard Eder sagt. Damit ist zum ersten Mal die jahrzehntelange Tradition des dörflichen Festes unterbrochen.

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Da im kleinen Tuchenbach kein Festzelt steht, sondern in den Gastwirtschaften gefeiert wird, gibt es immerhin kaum Ausfallkosten. Das Bedauern über die abgesagte Kärwa ist zwar groß, "aber die Gesundheit geht vor", meint der Bürgermeister. Nachgeholt wird das Fest im September nicht – denn sollten Veranstaltungen wieder möglich sein, dann würde man sich mit Terminen in anderen Orten überschneiden.

 

Keine Moonlights mehr?

 

Größer wird in normalen Jahren an Pfingsten in Wilhermsdorf gefeiert. Bürgermeister Uwe Emmert hat sich schon damit abgefunden, dass mit Sicherheit kein Bierzelt aufgestellt wird, in dem er das erste Fass ansticht. Noch überlegt man in der Zenngrundgemeinde, ob eine Veranstaltung in bescheidenerem Rahmen möglich ist. Vielleicht ein kleiner Pfingstmarkt? Doch entschieden ist noch nichts, es wird geprüft, was vor Ende August überhaupt erlaubt ist.

Keine Kirchweihband im Landkreis Fürth und darüber hinaus ist bekannter als die Moonlights. Sie gilt bei zahlreichen Kärwas als feste Größe, die für Stimmung im Zelt sorgt. Roland Bittl, Kopf der Vier-Mann-Combo, ist der einzige unter den Musikern, der sein Einkommen allein durch die Auftritte bestreitet. "Alle Maitermine sind bereits abgesagt", berichtet Bittl.

Und er ist pessimistisch: Er vermutet, auch im Herbst werden größere Veranstaltungen noch nicht erlaubt sein. "Zum Glück habe ich noch einen Beruf gelernt", sagt er. Von seinen Reserven allein kann er nicht leben, die Soforthilfe ist in seinem Fall abgelehnt worden. Bittl bemüht sich daher, wieder als Elektroniker Fuß zu fassen. "Mit der Musik ist es dann aber erstmal vorbei, zweigleisig will ich nicht mehr fahren."

MICHAEL FISCHER UND BEATE DIETZ

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