Arbeiten an ehemaliger Brauerei

Vier-Millionen-Euro-Projekt: Vorhang auf für Langenzenns Kulturhof

13.5.2021, 16:00 Uhr
Im Außenbereich stapeln sich die Steine der Abbrucharbeiten, hier wollen die Hans-Sachser noch kräftig anpacken. 

Im Außenbereich stapeln sich die Steine der Abbrucharbeiten, hier wollen die Hans-Sachser noch kräftig anpacken.  © Foto: Hans-Joachim Winckler

"Jetzt fehlt wirklich nicht mehr viel." Klaus Roscher, Vorstand der Hans-Sachs-Spiele, ist eine gewisse Erleichterung anzuhören. Vor mehr als zehn Jahren begann sein Engagement für eine Idee, die zunächst ziemlich kühn erschien.


Langenzenn: Kultur rund um die Baustellen


Doch 2012 erwies sich der Kulturhof, zwischen Hindenburg- und Alter Zennstraße gelegen, zum ersten Mal für die Spielgruppe als stimmungsvolle Open-Air-Bühne, Kneipe und Café wurden eingerichtet. Ende 2018 wurde der symbolische erste Spatenstich für die umfassende Sanierung des Millionenprojekts gesetzt, das zu 80 Prozent aus diversen Fördertöpfen finanziert wird.

Nun startete endlich auch die Arbeit an einem Detail, auf das gut vier Wochen sehnsüchtig gewartet wurde: "Die Fußbodenleisten konnten inzwischen geliefert werden, wir haben da die Auswirkungen des Lieferengpasses auf dem Holzmarkt zu spüren bekommen", sagt Roscher. In dieser Woche sind die Möbelbauer zudem mit Arbeiten an der Inneneinrichtung beschäftigt, unter anderem werden "Theken für Vorverkauf und Abendkasse erstellt sowie Garderobenschränke".

Im Inneren der Kulturscheune ist das Projekt weit gediehen. Klaus Roscher steht schon auf der Bühne.

Im Inneren der Kulturscheune ist das Projekt weit gediehen. Klaus Roscher steht schon auf der Bühne. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Die komplette Innenausstattung ist Sache der Hans-Sachser. Das schlägt mit rund 230.000 Euro zu Buche, rund 50.000 Euro kommen dafür vom europäischen Leader-Programm. Dazu addieren sich bislang schon mehr als 4000 Stunden schweißtreibender Arbeit der Aktiven. "Das Budget wurde gut eingehalten, das liegt auch daran, dass wir vieles selbst abdecken." Roscher kann mittlerweile hinter viele Einzelpunkte einen Haken machen: "Die Kneipe ist fertig, die Küche auch, die meisten Möbel sind drin, Bilder hängen." Er ist sich sicher, "dass das alles jetzt für die nächsten Jahrzehnte passt".

Während für die Bildungs- und Kulturscheune ein Fertigstellungstermin "etwa Mitte Mai" realistisch ist, müssen die Hans-Sachser bei der Instandsetzung des Hofes als inspirierendem Freiluft-Spielort noch einmal Gas geben. Der Boden musste für die Verlegung von Wasser, Strom, Telefon komplett aufgegraben werden.

Spannende Momente bescherte dabei etwa die Suche nach dem Verlauf gut 100 Jahre alter Kanäle, denen man mit Hilfe von gefärbtem Wasser auf die Spur kam. Aber auch im Hof, sagt Klaus Roscher, haben die Hans-Sachser bereits gut ein Viertel der geplanten Arbeiten erledigt. Dazu zählt unter anderem die dauerhafte Einrichtung der offenen Bühne, die am 17. Juni 2022 mit "Der Brandner Kaspar und das ewige Leben" ihre Premiere erleben soll.

Ludwig Thoma im Mai 2022

Bereits in diesem Jahr, und zwar im Oktober, steht die festliche Eröffnung der Bildungs- und Kulturscheune auf dem Programm. 2022 haben die Hans-Sachser übrigens neben dem "Brandner Kaspar" einen weiteren Spiel-Einsatz. Roscher: "Zum 150. Jubiläum der Vizinalbahn wurden wir von der Stadt und dem Heimatverein eingeladen, nächstes Jahr im Mai das Stück ,Erster Klasse‘ von Ludwig Thoma im Kulturhof aufzuführen." Die erste bayerische Vizinalbahn – der Name leitet sich vom lateinischen Wort für "benachbart" ab – fuhr ab 1872 auf der Strecke von Siegelsdorf nach Langenzenn.

Nur unwesentlich jünger sind die Gemäuer, die nun fit gemacht wurden als Bildungs- und Kulturscheune. Überraschungen bei der Sanierung waren da eigentlich zu erwarten. Klaus Roscher verrät eine besonders geheimnisvolle: "Bei den Arbeiten wurde ein gefangenes Zimmer entdeckt." Sprich, der geschätzt acht Quadratmeter große Raum hat keinen Zugang. Was nach dem gruseligen Märchen vom Ritter Blaubart klingt, entpuppte sich bei der Untersuchung mit einer Art Endoskop aber als harmlos: "Das Zimmer ist komplett mit Erdreich aufgefüllt. Das hat man wohl bei früheren Umbauarbeiten so gemacht."

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