Von Bett zu Bett

20.5.2006, 00:00 Uhr
Uwe Weiherer hat das Stück mit ausgewählt und spielt mit. Foto: Winckler

Uwe Weiherer hat das Stück mit ausgewählt und spielt mit. Foto: Winckler

Auf Vorschlag des britischen Regisseurs Sam Mendes («American Beauty“) hat der englische Drehbuchautor und Dramatiker Arthur Schnitzlers Theaterstück «Der Reigen“ bearbeitet und in der heutigen Großstadt angesiedelt. Während Schnitzler in seinem Jahrhundertwendestück sehr viel Wert auf die Sozialisation seiner Rollen legte, hat Hare seine Figuren neuzeitlicher angelegt, Standesunterschiede sind nicht mehr so wichtig, es geht um Sex und Triebe.

1998 wurde «The Blue Room“ mit Nicole Kidman in der weiblichen Hauptrolle in London uraufgeführt. Seitdem verfolgt Uwe Weiherer in der Presse den Werdegang des Klamaukstücks, auch weil er Hare «generell sehr gerne mag“. Was lag für den Bagaasch-Betreiber und Schauspieler also näher, als das Werk in Fürth aufzuführen. Zumal er mit seiner Frau Ute als Regisseurin ein eingespieltes Team bildet.

Zehn verschiedene Rollen

Für die weibliche Hauptrolle holte sich Weiherer die 23-jährige Sandra Bauer an seine Seite. «Wir proben hier in einer guten Atmosphäre und ich fühle mich bei Ute Weiherer sehr gut aufgehoben“, lobt Bauer die Zusammenarbeit. «In 90 Minuten in zehn völlig unterschiedliche Charaktere einzutauchen - das ist der große Reiz des Stückes für einen Schauspieler“, sagt Uwe Weiherer. «Ja, denn oft wird man nur in einem bestimmten Rollenfach besetzt. Bei mir wäre das ganz klassisch das Au-pair-Mädchen“, bestätigt Sandra Bauer. Aber nun habe sie die Gelegenheit, einmal ein Model und eine Politiker-Ehefrau zu spielen.

Viele Änderungen zu Hares Vorlage mussten für die Inszenierung nicht vorgenommen werden. «Das Bühnenbild haben wir minimalisiert, weil David Hare das in fast schon filmischen Ausmaßen beschrieben hatte. Diese Möglichkeiten haben wir in der Bagaasch einfach nicht“, sagt Ute Weiherer. Manche Szenen seien ein wenig verändert, «an uns angepasst“ worden.

Die Videosequenzen mit den Beischlafszenen wurden weggelassen. «Diese finden bei uns auf der Bühne statt - auf teilweise recht absurde und witzige Weise“, verrät Uwe Weiherer. Da am kommenden Mittwoch, 24. Mai, Premiere ist, gehen die Proben nun in die heiße Phase.

Die grüne Bettwäsche liegt auf dem falschen Sofa, die Decke auf dem anderen muss noch zusammengefaltet werden. «Du liegst hinter dem Sofa auf dem Boden“, gibt Ute Weiherer ihrem Mann Anweisung. Mitten in der Szene plötzlich Schweigen. «Wenn du sie nicht wegstößt, kann Sandra auch nicht weiterspielen“, ruft die Regisseurin. «Jetzt hab ich was vergessen“, langt sich Sandra Bauer wenig später an den Kopf. «Is wurscht“, grinst ihr Spielpartner. Einmal noch ist Unterstützung nötig, dann wird die Begegnung zwischen der Politiker-Ehefrau und dem Studenten in einem Rutsch durchgespielt.

«Männer und Frauen - das geht einfach nicht. Sowohl verbal als auch körperlich“, fasst Uwe Weiherer den Haupttenor von «Blue Room“ zusammen. Man darf gespannt sein, wie das Bagaasch-Ensemble die Strategien zur Triebbefriedigung rund um das «Davor“ und «Danach“ umsetzt. CLAUDIA BIDNER-WUNDER

Vorstellungen: 24., 26., 28., 31. Mai., 2. und 4. Juni, Karten unter www.kofferfabrik-fuerth.de oder Telefon: 70 85 83