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Wallenstein-Weg: Wandern längs der Weltgeschichte

Über eine App können Smartphone-Nutzer die virtuelle Realität erleben - 14.11.2019 06:00 Uhr

Der Feldherr Albrecht von Wallenstein. © imago


Die Hohenzollern auf der Cadolzburg, das Pressecamp im Steiner Schloss während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und die Schlacht an der Alten Veste im Dreißigjährigen Krieg: "Dreimal war der Landkreis Schauplatz welthistorischer Ereignisse", sagte Landrat Matthias Dießl, als jüngst im Kulturhaus des Bezirks in Stein-Unterweihersbuch, die Pläne für den Wallenstein-Weg präsentiert wurden.

(Sollten Sie die Grafik nicht sehen, dann klicken Sie bitte hier)

Ekkehard Eisenhut (3. v. r.) überbrachte den Förderbescheid für das Wallenstein-Projekt. Darüber freuen sich Bürgermeister und Landrat. © Thomas Scherer


Während die Burg wieder erstrahlt und das dortige Museum tausende Besucher anlockt, das Pressecamp im Schloss für Interessierte dokumentiert ist, ist das dritte Ereignis kaum öffentlich sichtbar. Seit 2017 wird daran gearbeitet, das zu ändern: Der "Erlebnisweg Wallensteins Lager" nimmt konkrete Formen an, die die Konzeptgeber Gerd Aufmkolk und Steins Bürgermeister Kurt Krömer nun vorstellten.

Drei Kommunen

Der Wanderweg wird 16 Kilometer lang sein und auf dem Gebiet der drei Kommunen Stein, Oberasbach und Zirndorf verlaufen. An 27 Stationen können sich historisch Interessierte über die kriegerischen Ereignisse im Jahr 1632 vor den Toren Nürnbergs informieren, als sich das kaiserliche Heer Wallensteins und die Schwedentreuen um König Gustav-Adolf gegenüberlagen.

Dabei ist nicht an schlichte Info-Tafeln gedacht, sondern es sind Hörstationen geplant. Über eine App können Smartphone-Nutzer die virtuelle Realität erleben, wenn ein Kriegsherr, ein Söldner, eine Marketenderin oder Bauern vor ihnen auftauchen.

Das alles ist nicht billig. Da kommt den drei beteiligten Kommunen das europäische Leaderprogramm gerade recht. Von den mit 525.000 Euro projektierten Gesamtkosten — das Maximum an Zuschuss. Allerdings ist die Förderung an die Bedingung geknüpft, dass das Projekt dauerhaft erhalten bleibt. Den Rest der Kosten müssen die drei Städte über drei Jahre verteilt gemeinsam aufbringen. Nun wird eine Firma gesucht, die das Projekt umsetzt. Sie muss dafür sorgen, dass die App programmiert wird, Hörbeiträge einspielen lassen und schließlich die ersten Stationen, vermutlich im Spätsommer 2020, aufstellen.

Wie eine solche Landmarke aussehen könnte, zeigt Katrin Weber. Sie arbeitet als Trachtenexpertin bei der Trachtenforschungs- und Beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken im Steiner Kulturhaus und wird die Informationen zum Thema Kleidung erarbeiten.

Vor einer Pappfigur, die einer Darstellung des Feldherren Albrecht von Wallenstein nachempfunden ist, erläuterte sie jetzt schon, was man im 17. Jahrhundert als Feldherr trug: eine lange dicke Lederjacke, die Schwerthieben standhalten konnte, eine kurze Pluderhose, an die lederne Beinlinge geknüpft wurden. Eine Schärpe, für den katholischen General in Rot, die Wallenstein als Heerführer auswies.

70 Tage existierte das größte Heerlager des 30-jährigen Krieges. Rund 70.000 Menschen kampierten dort: Söldner aus allen Regionen Europas, teils mit ihrer ganzen Familie, Handwerker, Marketender, Feldscher, die Verwundete notdürftig zusammenflickten, Pferdeknechte und viele mehr. Seuchen brachen im Lager aus, die umliegenden Gehöfte und Felder wurden geplündert und zerstört. Das Heer hinterließ eine verwüstete Region, jeder zweite Bewohner war tot. Ganze Dörfer waren menschenleer.

"Ein Meilenstein"

Es soll 70 Jahre gedauert haben, bis sich die Region von den Kriegsgräueln wieder erholt hatte. Auch diese Schrecken sollen dokumentiert werden.

In den heutigen friedlichen Zeiten leiste man sich einen "Meilenstein interkommunaler Zusammenarbeit", wie Zirndorfs Bürgermeister Thomas Zwingel sagte. Dem pflichteten seine Kollegen Birgit Huber (Oberasbach) und Kurt Krömer bei. Krömer setzt zudem auf die "Belebung des Tourismus", den man dank des Weges erwarte.

Zum Schluss der Präsentation kam der Mann, der die Förderzusage überbrachte, zu Wort: Leader-Koordinator Ekkehard Eisenhut. "Wir erhalten ein besonderes kulturelles Erbe," lobte er.

Beate Dietz

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