Wenn die Götter plötzlich Göttinnen sind

17.9.2011, 12:30 Uhr
Da geht’s lang: Uwe Weiherer, hier in einer „Julius Caesar“-Szene vom Sommer 2010 im Hof des Kulturforums, inszeniert in Kürze Heinrich von Kleists „Amphitryon“.

Da geht’s lang: Uwe Weiherer, hier in einer „Julius Caesar“-Szene vom Sommer 2010 im Hof des Kulturforums, inszeniert in Kürze Heinrich von Kleists „Amphitryon“. © hvd

Ein geschultes Auge und reger Betrieb im Hirnkastl können nie schaden. Denn wer weiß, am Ende kriegen sie dich. Jetzt haben sie Uwe Weiherer gekriegt. „Ich habe“, sagt der Schauspieler, „immer meine eigenen Ideen, wenn ich eine Theateraufführung anschaue. Ich überlege beim Zugucken permanent, wie hättest du das gemacht. Aber ich wollte nie unbedingt selber Regie führen.“ Führt er jetzt aber, denn die bessere Hälfte muss mal durchatmen.

Ute Weiherer, Gründerin und Leiterin der Bagaasch, stemmte im vergangenen Jahr Goldoni („Diener zweier Herren“), Shakespeare („Julius Caesar“ im Kufo-Hof) und die traditionelle Dullnraamer-Faschings-„Sidzung“. Nun darf es gern auch mal der Gatte richten, der, wenn er als Regisseur nur halb so agil sein sollte wie als Schauspieler und Dullnraamer-Rampensau, der Fürther Theaterlandschaft guttun dürfte.

Nach langem Suchen und Zementierung des Grundsatzes „Lieber eine Besetzung mit sechs guten als ein Stück mit zwölf Leuten und herbem Qualitätsgefälle“ (Uwe Weiherer) entschieden sich Chef und Chefin für den erotisch knisternden Klassiker Amphitryon. Das Lustspiel nach Molière hat am 13. Oktober um 20 Uhr Premiere, fünf Termine bis 22. Oktober folgen. Der Regisseur bastelt unter der Leitfrage „Was ist eigentlich mein eigenes Ich?“ eine neue, metrosexuell eingenordete Geschlechter-Konstellation; statt vier Herren und zwei Frauen sind nun vier Frauen inklusive Götter (Tatjana Sieber, Maria Theresia Rupp, Yücel Yildirim, Rike Weiherer) sowie zwei Herren (Bert-Peter Wendt, Jörg Scheiring) am tragikomischen Werk, das die Bagaasch zum 200. Todestag Kleists auf die Bühne des Bildungs- und Kulturzentrums Lindenhain (BiKuL, Kapellenstraße 47) hievt. „Wir versuchen“, so Uwe Weiherer, „die Produktion aber auch woanders zu spielen, damit sich der Aufwand lohnt“; ein Auftritt im Kultursaal Schwanstetten ist bereits unter Dach und Fach.

Mit dem BiKuL steht bis auf weiteres der rastlosen Bagaasch eine Spielstätte zur Verfügung. Doch die Miete, deren Höhe aus Sicht der freien Szene eher im Segment „happig“ — so sieht es jedenfalls Weiherer — angesiedelt ist, wird vermutlich 2012 einen erneuten Aufbruch nach sich ziehen. Man suche wieder, sagt Weiherer, nach außergewöhnlichen Orten, wie es im Sommer 2010 der Hof des Kulturforums für den „Caesar“ war.

Den Kleist-Klassiker rahmen zwei Produktionen ein, die Weiherer und Weiherer vor vielen Monden in der Kofferfabrik zeigten. In einer Neubearbeitung gibt es am 24. September Scharf, aber herzlich mit Perlen aus der Frühzeit des deutschsprachigen Kabaretts. Ebenfalls frisch aufgemöbelt wird am 4. November Hippies statt Hip-Hop, eine mit Selbstironie ausgestattete Reise durch sechs Jahrzehnte bundesdeutschen Zeitgeistes — im Rückspiegel scheinen Flower-Power, sexuelle Befreiung, Friedensbewegung und Bioläden auf. Für alle Bagaasch-Abende (jeweils 20 Uhr) läuft der Ticket-Vorverkauf unter Tel. 9232106.
 

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