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Wer gilt eigentlich als vollständig geimpft?

Debatte um Privilegien und Drive-In-Impfungen werfen Fragen auf - 29.04.2021 16:00 Uhr

Im Fürther Impfzentrum ist seit Dienstag auch die Prioritätengruppe drei am Start. Sie umfasst in der Stadt und im Landkreis rund 25 000 Personen.

28.04.2021 © Foto: Birgit Heidingsfelder


Rund 74 000 Impfdosen wurden in Stadt und Landkreis verabreicht, 57 000 erste und 17 000 zweite Dosen. 23,4 Prozent der Gesamtbevölkerung sind somit einmal geimpft; 6,9 Prozent zweimal.

Die Zahlen liegen geringfügig unter dem bayerischen Schnitt. Der Ärztliche Leiter des Zentrums, Dr. Michael Hubmann, erklärt das mit der Intensivierung der Impfkampagne des Freistaats in Grenzgebieten.

Ein Hotspot ist das oberfränkische Hof – die Sieben-Tage-Inzidenz der Stadt lag zuletzt bei 305,5. Um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen, erhielt die Region vom Freistaat ein Impfstoff-Sonderkontingent, Ärzte der Bundeswehr sind im Einsatz.

Auch Fürth gilt als Hotspot

Auch Fürth gilt als Hotspot. Weil sich die Inzidenz an der 300er-Marke bewegt (Mittwoch: 280,9), gelten hier ab heute schärfere Regelungen. So wird der Zugang zur Notbetreuung beschränkt oder die Maskenpflicht am Arbeitsplatz ausgeweitet.

Mit Vakzinlieferungen außer der Reihe rechnet Hubmann vor diesem Hintergrund nicht. Doch hat Fürth kürzlich einmalig 1500 Dosen Vaxzevria zusätzlich geordert und erhalten.

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Laut Sebastian Habicht von der AGNF, die das Zentrum betreibt, wurden 800 der 1500 Dosen schon genutzt, von heute an werden weitere 400 Senioren damit geimpft – in der Rosenstraße und den dezentralen Stationen Zirndorf, Oberasbach, Veitsbronn.

Zwar werde im Vergleich zum Jahresbeginn mehr Impfstoff geliefert, sagt Habicht, doch schwankten die Liefermengen stark.

Prioritätengruppe drei eröffnet

Seit Dienstag ist in Fürth offiziell die Prioritätengruppe drei am Start. Sie umfasst rund 25 000 Personen, darunter Leute ab 60, Asthmakranke, Beschäftigte aus dem Lebensmitteleinzelhandel, Lehrkräfte an weiterführenden Schulen. In Stadt und Landkreis, so Habicht, seien das tausend Lehrerinnen und Lehrer.

Weil das Offenhalten der Schulen politisch erwünscht ist und kein Impfstoff verworfen werden soll, wurden 500 bereits geimpft – mit Restmengen aus Ampullen von Biontech/Pfizer, der siebten Dosis. Grundschullehrer und Kita-Personal gehören zur Gruppe zwei und sollten schon immunisiert sein.

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Ministerpräsident Markus Söder will die Priorisierung im Mai ganz aufheben. Der Wirkstoff von Astrazeneca ist bereits für alle Altersgruppen freigegeben. Habicht rechnet damit, "dass bei manchen Leuten, die lange warten mussten, Frust entsteht". Und vielleicht auch bei jenen, die glauben, nun rasch dranzukommen und dann doch warten müssen.

Vorteil von Drive-In-Impfungen?

Was Söder, der auch für Impfungen in Supermärkten plädiert, mit der Umsetzung eines Drive-In-Prinzips gemeint haben mag, wissen die Verantwortlichen in Fürth nicht. Denkbar sei so etwas auf dem Areal des Testzentrums in Atzenhof, so Habicht. "Aber wir sehen den Vorteil gegenüber einem Gebäude nicht."


Söder: Genesene Corona-Patienten werden mit Geimpften gleichgestellt


Und mit Blick auf Privilegien für zweifach Geimpfte weist Hubmann darauf hin, dass es sich formal um "keine abgeschlossene Impfserie" handelt, wenn jemand mit Astrazeneca erst- und mit einem mRNA-Serum zweitgeimpft wird. "Medizinisch ist kein Problem zu erwarten."

Erst Astra, dann Moderna: Folgen für die Reisefreiheit?

Aber die wissenschaftlichen Daten zu so genannten Kreuzimpfungen (heterologen Impfungen) fehlten noch und damit der Nachweis einer vollständigen Impfung. Das könne Konsequenzen für die Reisefreiheit oder den Friseurbesuch haben.

Offenbar müssen sich die Betroffenen keine Sorgen machen. Am Tag 15 nach ihrer Zweitimpfung, hieß es zumindest auf Nachfrage aus dem bayerischen Gesundheitsministerium, gelte auch diese Gruppe als vollständig geimpft. Wenn es ums Reisen geht, ist allerdings wichtig, dass Test- oder eben Impfnachweise international anerkannt werden.


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