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Wirbel um Kündigung: Ist die Kofferfabrik gerettet?

Auf das Kulturzentrum kommen schwierige Wochen zu - 03.03.2021 17:50 Uhr

Zwar hat die Kofferfabrik wohl eine Schonfrist bekommen, doch nun wollen jede Menge Entscheidungen getroffen werden.

03.03.2021 © Hans-Joachim Winckler


Bevor nun also im schönen Hof der Kofferfabrik Freudenfeuer in den Ölfässern flackern, alles nochmal der Reihe nach: Ein mit größtmöglicher Humorlosigkeit verfasstes Anwaltsschreiben erreicht den nichts ahnenden "Koffer"-Chef Udo Martin.


Kuriose Wende im Fall Kofferfabrik: Kündigung vom Tisch - und alles nur ein Versehen?


Das Wort "Kündigung" ist so fett gedruckt, dass auch ältere Fans des Kulturzentrums nicht zur Brille greifen müssten – und dann soll alles nur ein "Missverständnis" gewesen sein, ein "menschliches Fehlverhalten", eine "Kommunikationspanne"?

Kann passieren, keine Frage, auch und gerade in Zeiten des Homeoffice. Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein, aber bitte nicht in eines der Fenster der "Koffer", denn die ist schon marode genug.

Kann man das glauben?

Dass jedoch ein Erstligist unter den Immobilien-Firmen im Großraum, ein derart manövriersicherer Tanker wie die Lauer Immobilien-Service GmbH, eben mal eine Kündigung verwechselt – kann man das glauben? Zweitens: Um zur Erkenntnis zu gelangen, dass hier "menschliches Fehlverhalten" waltete und das Schreiben eigentlich einen ganz anderen Adressaten hatte, benötigte Lauer vier Tage.

Am Samstag nämlich wurde die Nachricht von der Kündigung des Mietvertrags zum 30. September publik. Was daraufhin abging in den Kommentarspalten dieser Zeitung und in den sozialen Netzwerken, sucht seinesgleichen. Sagen wir es vorsichtig: Übergroß scheint seit der Hiobs-Nachricht die Bereitschaft sehr vieler Mitmenschen nicht zu sein, den nächsten Loft-Ausbau und die übernächste Altbausanierung mit der Firma Lauer anzugehen. Diese Wutwelle scheint einer unterschätzt zu haben, und zwar gründlich: Lauer.

Bilderstrecke zum Thema

Blühende (Sub)Kultur: So bunt ist die Kofferfabrik

Nach der Kündigung durch den Vermieter droht der Fürther Kofferfabrik das Aus. Es wäre ein schmerzlicher Verlust für die örtliche Kulturszene - wie diese Bilder aus den vergangenen beiden Jahren illustrieren.


Düpiert steht auch die Kulturreferentin da. Elisabeth Reichert brachte vom Wochenende, als sie mit Lauer Kontakt aufnahm, die Erkenntnis mit: Vielleicht wird die Kündigung aufgehoben, mal sehen. Vielleicht kriegen wir zwei Jahre Zeitgewinn, mal sehen. Die gute Nachricht vom großen Missverständnis brachte sie indessen nicht mit.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Das Leben geht weiter in der Kofferfabrik, diesem einzigartigen und einzigartig kuriosen Gewächshaus für Kulturtriebe aller Art. Spielt Corona mit, geht die Saison 21/22, für die Martin bereits 80 Verträge mit Bands eingetütet hat, über die Club-Bühne.

Es wird um Haftungsfragen gehen

Doch Vorsicht, es ist viel zu früh für den Ekstase-Pogo. Denn erst jetzt geht es ans Eingemachte. Wenn OB Jung, Kultur- und Baureferentin in Kürze per Videoschalte auf Lauer treffen, wird es, wie Lauer-Adlatus Fredrik Holmberg ankündigte, um "Haftungsfragen" gehen.

Das heißt nichts anderes als: Liebe Stadt Fürth, wenn du die Kofferfabrik liebst, dann übernehme doch bitte du die Kosten für die zugigste Bude im Großraum, also fürs Sanieren von Dach, Fenster, Heizungen. Wer kann denn wollen, dass der nächste Dachziegel einen unbedarften "Koffer"-Gast niederstreckt?

Und dann ist da noch die Sache mit Lauers Plänen für Seniorenwohnungen in "drei, vier Jahren". Da kommt was zu auf die "Koffer". Es wird ungemütlich.

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