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Wohnraum kontra Naturschutz: Wäldchen im Fokus

Auf einem Grundstück im Westen Fürths wird gerade um jeden Baum gerungen - 19.05.2020 16:00 Uhr

Prächtige Bäume wachsen auf dem Grundstück an der Ecke von Iltis- und Falkenstraße. Das Areal ist aber seit Jahrzehnten Bauland. © Wolfgang Händel


Es ist ein wirklich beeindruckender Baumbestand. Auf einem Grundstück in Unterfarrnbach, an der Ecke von Iltis- und Falkenstraße, hat sich über Jahrzehnte ein kleiner Wald entwickelt. Die hoch aufragenden Stieleichen sind schon von Weitem sichtbar. Der Haken an der Sache: Dieses gut 100 Meter lange und 50 Meter breite Grundstück ist nicht nur umgeben von Häusern, sondern seit 1971 selbst Bauland.

Die Frage, warum es trotzdem über all die Jahre hinweg brach lag, ist berechtigt, aber hinfällig. Fest steht: Es brechen neue Zeiten an, seit Dezember 2018 liegen der Stadtverwaltung Anträge des Eigentümers vor, auf dem Areal Doppelhäuser hochzuziehen.

 

Eine Klage steht im Raum

 

Dass dies Naturschützer auf den Plan ruft, dürfte nicht verwundern. Zumal ein Gutachten bescheinigt, dass sich unter die gesunden Bäume Totholz mischt, das wertvoll für Insekten, Höhlenbrüter wie Spechte, aber auch Fledermäuse sei. Dem Bund Naturschutz in Fürth wäre es deshalb am liebsten, wenn das Areal unter Schutz gestellt und gar nicht bebaut würde.

Doch die Stadtverwaltung winkt ab. Nach Meinung des Rechtsamts ließe sich das Baurecht nur dann entziehen, wenn das Rathaus den rechtsverbindlichen Bebauungsplan ändert. Und das, so die Meinung der Juristen, sei ein "unverhältnismäßiger Eingriff in das Privateigentum". Die Stadt müsste sich in diesem Fall auf "begründete Schadenersatzansprüche" des Grundstückseigentümers einstellen.

Geplatzt ist inzwischen auch eine Idee, die im städtischen Umweltausschuss entwickelt wurde: ein Grundstückstausch. Nach Angaben des Liegenschaftsamts habe die Stadt schlichtweg keine passenden Flächen in ihrem Besitz.

Daraufhin trat das Stadtplanungsamt in Verhandlungen mit dem Eigentümer. Das Ziel: Ein Kompromiss, der zwar einer Bebauung den Weg ebnet, aber eben auch möglichst viele der alten Bäume erhält. Demnach könnten Einzel- und Doppelhäuser entstehen, aber im Gegensatz zum Vorbescheid, den der Eigentümer beantragt hatte, bliebe ein "durchgehender Gehölzstreifen im hinteren Teil" des Areals erhalten.

Für Fürths Baureferentin Christine Lippert ist klar: Noch größere Einschnitte seien dem Bauherrn nicht zuzumuten. Sie warnt: "Eine Klage steht im Raum."

 

"Das ist ein Armutszeugnis"

 

Beim BN stoßen aber auch die neuen Pläne auf Kritik. Die städtische Prognose, wie viele Bäume erhalten werden könnten, stufen die Naturschützer als "viel zu optimistisch und komplett unrealistisch" ein. Der Entwurf des Stadtplanungsamtes wirke auf den ersten Blick zwar "moderater", aber er berücksichtige viel zu wenig die erheblichen Höhenunterschiede vor Ort.

Direkt an Iltis- und Falkenstraße befinde sich ein steiler, etwa vier bis fünf Meter tiefer Abhang. Um diesen Höhenunterschied auszugleichen, brauche es "beträchtliche Aufschüttungen und/oder massive Stützmauern". Beides würde in das Wurzelwerk der zu erhaltenden Bäume eingreifen und sie dauerhaft schädigen.

Außerdem beinhalteten die Pläne weder Terrassen, Treppen noch Nebengebäude. Der BN fordert daher, sie ein weiteres Mal zu überarbeiten – "mit realistischen Erhaltungsmöglichkeiten für den Baumbestand und reduzierter Bebauung".

Weil die Zeit drängt, setzte Baureferentin Lippert das Thema Ende April auf die Tagesordnung des Ferienausschusses, der als stark reduziertes Gremium in der Corona-Krise den Stadtrat ersetzt. Nach kurzer Diskussion ließ Oberbürgermeister Thomas Jung die zwölf anwesenden Kommunalpolitiker mehrfach über den Entwurf des Stadtplanungsamts abstimmen. Kurioserweise fand sich aber weder eine Mehrheit pro noch kontra und auch nicht dafür, das Thema noch einmal zu vertagen. "Das ist ein Armutszeugnis", meinte schließlich ein sichtlich konsternierter Rathauschef. Und nun?

Nach erneuten Gesprächen mit dem Grundstückseigentümer soll sich an diesem Mittwoch der Bauausschuss mit den Plänen befassen. Lippert zufolge habe der Bauherr beteuert, möglichst viele Bäume erhalten zu wollen. Doch alles habe seine Grenzen. "Der Kompromiss", sagt Lippert, "ist für ihn gesetzt."

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