Wolfsgruber-Areal: "Das ist ein kleiner Urwald hier"

Johannes Alles
Johannes Alles

Fürther Nachrichten

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29.7.2019, 11:00 Uhr

© Foto: Wolfgang Händel

Wie berichtet, hat die Stadtspitze im Sinn, auf der Brache einen Neubau für das Heinrich-Schliemann-Gymnasium hochzuziehen. Schlicht lehnt das ab, ebenso der Rest seiner Partei. Warum das so ist, machte er unlängst rund 40 Teilnehmern einer "naturkundlichen Führung" zur Fläche an der Wolfsgrubermühle deutlich.

Eingerahmt wird das Gelände im Osten von der Pegnitz, im Süden und Südwesten von Sozialrathaus, Wohnhäusern und den alten Mühlengebäuden sowie im Westen und Nordwesten von der vierspurigen Henri-Dunant-Straße. Vom Straßenlärm ist auf dem Areal aber erstaunlich wenig zu hören. Etliche Bäume wachsen dort, der mit Abstand mächtigste steht vergleichsweise zentral, eine Stieleiche. Ihre Baumkrone reicht beinahe bis zum Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr hinter dem Sozialrathaus.

"Wir haben hier viel Totholz", sagt Schlicht. Gerade für Tiere sei dieses abgestorbene Holz ein wichtiger Lebensraum. Käfer, Vögel und Fledermäuse finden hier ein Zuhause.

Nicht nur der pensionierte Polizeibeamte hält die Fläche für schützenswert: Die Stadt Fürth selbst hat weite Teile des Areals an Wolfsgrubermühle und Pegnitz als Biotop erfasst. Schlicht verweist auf das Bundesnaturschutzgesetz, darin heißt es: "Teile von Natur und Landschaft, die eine besondere Bedeutung als Biotope haben, werden gesetzlich geschützt." Darunter fallen beispielsweise Auwälder, Moore und Höhlen, aber auch "natürliche oder naturnahe Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer".

Eine Bebauung, die ein Biotop zerstört oder erheblich beeinträchtigt, ist in Ausnahmen möglich, nämlich dann, wenn ein "überwiegendes öffentliches Interesse" besteht. Die Schäden müssten allerdings ausgeglichen werden. Für Schlicht ist es aber keine Alternative, eine Fläche zu zerstören und danach zu versuchen, den Eingriff in die Natur – zum Beispiel mit Neupflanzungen – andernorts auszugleichen. "Tausend neue Bäumchen bringen doch gar nicht den gleichen Effekt wie ein großer alter Baum", sagt der Naturschutzwächter.

Bleibt noch das Thema Landschaftsschutzgebiet: Es beginnt im Norden, wo sich das Mühlengelände zur Ludwigbrücke hin öffnet, und zwar kurz bevor die Henri-Dunant-Straße einen Bogen nach links beschreibt. Im Mai gingen im Rathaus die Wogen hoch: Mit SPD-Mehrheit erlaubte der Stadtrat den planenden Architekten, im Rahmen des laufenden Wettbewerbs den Schultrakt – anders als zuvor vorgesehen – ein Stück weit über die Grenzen ins Landschaftsschutzgebiet auszudehnen.

Im Gegenzug, so das Natur-Tauschgeschäft, das Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun anbot, müsste dann die mächtige Stieleiche erhalten werden. Schlicht nennt das einen unzulässigen "Kuhhandel". Inzwischen ist nach Informationen der FN immerhin die Ausdehnung ins Landschaftsschutzgebiet keine wirkliche Option mehr; zu heftig war wohl der öffentliche Widerstand und zu negativ das Echo.

Schlicht indes ist weiterhin strikt gegen jede Bebauung und schwärmt vom Wolfsgruber-Areal: "Das ist ein kleiner Urwald hier. So sollte Natur sein."

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