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Zank um Schmalau

Nürnberger SPD fordert Konzept für Gewerbeansiedelung - 24.03.2011 22:00 Uhr

Über freies Feld soll die S-Bahn nach der von Fürth energisch bekämpften Planung in einem großen Bogen am bestehenden Bahnhof in Stadeln vorbei zum Industriegebiet Schmalau geführt werden, © Hans-Joachim Winckler


Eine unendliche Geschichte: Die Absicht, das Gewerbegebiet Schmalau Ost zu entwickeln, geht weit in die 90er Jahre zurück — und birgt Probleme, wie die Vergangenheit gezeigt hat: „Das Gelände liegt an den Schnittstellen der drei Großstädte Nürnberg, Fürth und Erlangen“, so Nürnbergs Wirtschaftsreferent Roland Fleck (CSU). Die Konkurrenz der Städte sei hier deutlich zu spüren.

Nun zeichnen sich weitere Schwierigkeiten ab: Die bereits ansässigen Unternehmen in Schmalau West etwa klagen über eine zu schwache Internetleistung, die Computer übertragen Daten in quälend langsamer Geschwindigkeit. Zudem schwelt lange schon ein Streit um die geplante S-Bahn-Haltestelle „Steinach“ mit der Stadt Fürth. Die will den Haltepunkt in jedem Fall verhindern und pocht auf den Verlauf der Bahn auf der bereits bestehenden Trasse, die an Fürth-Vach vorbeiführt.

Fürth lässt nicht locker

Die Fürther Kommunalpolitiker zweifeln die Kosten-Nutzen-Analyse im Auftrag des Wirtschaftsministeriums an — denn die spricht für den Verschwenk. Fürth gab ein neues Gutachten beim Tüv in Auftrag, von dem nun erste Tendenzen vorliegen. Die Kritiker fühlen sich bestätigt, weil es grundlegende Widersprüche in der Kosten-Nutzen-Analyse aufdecke.

Da jedoch der vorgesehene Haltepunkt „Steinach“ für Nürnberg ein wichtiger Standortfaktor für das neu zu bebauende Gewerbegebiet Schmalau Ost darstellt, plädierte Fleck im Rechts- und Wirtschaftsausschuss dafür, nichts zu überstürzen: „Wir sollten eineinhalb Jahre abwarten, ehe wir in die ernste Phase übergehen.“ Jetzt sei es noch zu früh, der vorgesehene S-Bahnhof sei derzeit kein Verkaufsargument: „Wie wollen wir einem Unternehmer die künftige S-Bahn schmackhaft machen, wenn Fürth möglicherweise dagegen klagt?“

Doch in Nürnberg geben sich die SPD-Stadtratsmitglieder Katja Strohhacker und Thorsten Brehm damit nicht zufrieden. Sie kritisieren das schwache Engagement beim Gewerbegebiet Schmalau Ost und vermissen eine „Strategie“. „Wir brauchen ein ordentliches Profil, eine Vision für diesen Bereich. Davon kann ich seitens des Wirtschaftsreferates aber nichts erkennen. Ich bitte, das nachzujustieren“, sagte Strohhacker.

Firmen stehen nicht gerade Schlange

Stadtrat Brehm legte nach: Er wolle vermeiden, dass das gesamte Gewerbegebiet zu einem „Hinterhof“ verkomme. „Wir müssen verhindern, dass sich in Schmalau Ost ein Wildwuchs an Gewerbe bildet, wie es bereits im westlichen Teil geschehen ist.“ Das sähen die betroffenen Unternehmen ähnlich, erwiderte er auf Flecks Einwurf, er (Brehm) möge doch die Schmalau bitte „nicht schlecht reden“.

Nach diesem kleinen Schlagabtausch geriet die Debatte wieder in ruhigeres Fahrwasser. Dass die Firmen nicht gerade Schlange stehen für eine Ansiedelung in Schmalau, ist das eine. Fleck: „Wir sind nicht in der Luxussituation, dass wir unter den Bewerbern auswählen können.“

Das andere aber sei, dass nicht jedes Unternehmen dafür infrage komme, so Fleck. „Wir sehen Gewerbeflächen in den Größen zwischen zwei und fünf Hektar vor.“ Doch weder Bürohäuser sollen dort entstehen, wie etwa im Süd-West-Park, noch seien hier Logistik-Firmen vorgesehen. Laut Fleck werden sich auch keine IT-Firmen niederlassen. „Ich könnte mir dort vor allem Handwerksbetriebe vorstellen.“

  

Alexander Brock

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