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Samstag, 19.10.2019

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Zitterfreier Kollege: OP-Roboter hilft am Fürther Klinikum

Positive Bilanz nach sechs Monaten: "da Vinci" hat sich bewährt - 01.03.2019 16:00 Uhr

Professor Andreas Blana, Chefarzt der Urologie, hat seine Helfer im Blick: Die vier Arme von „da Vinci“ sind mit einer Kamera und verschiedenen, auswechselbaren Spezialwerkzeugen ausgestattet. © Foto: Armin Leberzammer


Vorneweg: Operiert wird am Fürther Klinikum noch immer von menschlichen Ärzten. "da Vinci" unterstützt sie lediglich, verbessert dabei die Stärken und minimiert die Schwächen der zweibeinigen Mediziner. Absolut zitterfreies Operieren mit hochauflösenden Bildschirmen und gleichzeitig eine deutlich höhere Beweglichkeit als es das menschliche Handgelenk leisten könnte, so beschreibt Andreas Blana sein "perfektes Werkzeug."

Joysticks und Pedale: An der Konsole steuern die Ärzte die Robotikeinheit. © Armin Leberzammer


Minimal-invasive Eingriffe sind laut dem Chefarzt schon länger Standard in Fürth. Mit dem Roboter für assistiertes Operieren können nun komplexere Behandlungen schneller und genauer durchgeführt werden – bislang vor allem zur Entfernung von Tumoren an Prostata und Nieren. "Es gibt weniger Blutungen oder Verletzungen der Nerven. Das beschleunigt die Genesung", sagt er. Seine Ursprünge hat der in den USA entwickelte Apparat in der Militärtechnik. "Theoretisch könnten Arzt und Patient bei der Operation tausende Kilometer voneinander entfernt sein", erklärt Blana.

In Fürth befinden sich beide aber immer noch in einem Raum. Das sei auch besser, so der Mediziner, weil es die Empathie füreinander fördere. Direkt am Patienten arbeiten Blana und seine Kollegen aus der Urologie aber trotzdem nicht mehr. Die Ärzte steuern an einer Konsole über Joysticks und Pedale die Robotikeinheit mit vier Armen. Einer ist mit einer Kamera für dreidimensionale Aufnahmen ausgestattet, die drei anderen können mit auswechselbaren Spezialinstrumenten für das Operieren bestückt werden "Für uns ist das ein deutlich angenehmeres Arbeiten, weil es den Rücken schont und man nicht so schnell ermüdet", berichtet Blana. Außerdem würden statt wie früher neben dem Operateur nur noch ein und nicht mehr zwei Assistenten benötigt. Das schaffe Freiräume und helfe Kosten zu sparen. "da Vinci" hat das Klinikum übrigens geleast, mit der Option zum Kauf.

Mit der Ausweitung des Einsatzgebietes – nach den Urologen steigen auch die Gynäkologen ein – dürfte das laut Andreas Blana zuverlässig arbeitende Gerät künftig noch häufiger verwendet werden. "In diesem Jahr werden wir deutlich über 200 Operationen damit durchführen", schätzt der Chefarzt. Das will selbstverständlich gelernt sein. Wie vor einem halben Jahr die Mediziner der Urologie trainieren nun die Kollegen aus der gynäkologischen Abteilung. Das reicht von einfachen Fingerübungen wie das Einfädeln in kleinste Ösen über das Üben an Kunststoffmodellen bis hin zu Eingriffen an lebenden Schweinen.

Künftig könnte "da Vinci" theoretisch bei allen minimal-invasiven Eingriffen im Bauchraum zum Einsatz kommen. Damit bewege man sich dann auf der Höhe des medizintechnischen Fortschritts. "In Skandinavien werden zum Beispiel bereits 100 Prozent aller Prostata-Krebs-Operationen mit Roboter-Assistenz durchgeführt", betont Andreas Blana.

 

Armin Leberzammer

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