Ermittlungen laufen

Geräte beschlagnahmt: Fränkischer Youtuber Drachenlord soll Gewaltpornografie verbreitet haben

Julia Ruhnau

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Stefan Blank

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1.8.2022, 17:32 Uhr
Der Youtuber Rainer Winkler, besser bekannt als Drachenlord, ist bereits mehrfach vorbestraft. Bis Anfang des Jahres lebte er im fränkischen Altschauerberg.

© Daniel Karmann (dpa) / Julia Ruhnau Der Youtuber Rainer Winkler, besser bekannt als Drachenlord, ist bereits mehrfach vorbestraft. Bis Anfang des Jahres lebte er im fränkischen Altschauerberg.

Im März hatte das Landgericht Nürnberg-Fürth Rainer Winkler, besser bekannt als Drachenlord, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Nun ist der Youtuber offenbar erneut in Konflikt mit dem Gesetz geraten. Die Polizei hat vor zwei Wochen sämtliche Geräte des 33-Jährigen beschlagnahmt.

Gewaltpornografische Inhalte

Ihm wird die "Verbreitung gewalt- oder tierpornografischer Inhalte" vorgeworfen. Das bestätigt Aniello Ambrosio, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, auf Nachfrage. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Das Polizeipräsidium Mittelfranken hatte für Auskünfte zu dem Fall an die Stuttgarter Staatsanwaltschaft verwiesen.

Ob es sich bei dem Beschuldigten um Winkler handelt, wollte der Sprecher nicht konkretisieren - der Drachenlord selbst bestätigt die Vorwürfe aber. Man habe Handy, PC und Tablets mitgenommen und untersucht, die Ermittlungen liefen momentan noch, sagt er auf Nachfrage. Das könne noch sechs Wochen dauern. Trotzdem veröffentlichte Winkler in der Zwischenzeit Videos auf Youtube, mit Leihgeräten, wie er sagt.

Vorwürfe "aus der Luft gegriffen"

In einem der Clips spricht er unter anderem auch über den Vorwurf der Kinderpornografie. Bereits seit Tagen kursieren entsprechende Gerüchte im Netz. "Aber das war nicht der Grund, da hab ich selbst was durcheinander gebracht", stellt er nun in Bezug auf die Beschlagnahmung seiner Geräte klar - Grund für die Verwirrung seien entsprechende Vorwürfe seiner Hater gewesen, sagt er. In einem weiteren Video stellt er inzwischen klar, was passiert sei. Die Vorwürfe zu Gewalt- und Tierpornografie weist er von sich. Sie seien "aus der Luft gegriffen".

Winkler hatte in den vergangenen Jahren auf mehreren Erotikplattformen Videos von sich veröffentlicht. Zuletzt war er mit einem Porno-Blog in die Kritik geraten. Dort hatte er unter anderem Vergewaltigungsfantasien verbreitet. Kritiker des Youtubers hatten die Inhalte an mehrere Stellen gemeldet. Die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen informierte daraufhin die Staatsanwaltschaft über das Angebot. Google löschte den Blog kurz darauf wegen Verstößen gegen die Richtlinien. Dies belegen unter anderem Screenshots von E-Mails, die ein Kritiker der Redaktion zur Verfügung gestellt hat. Die Porno-Posts waren offenbar auch für Minderjährige frei zugänglich.

Winkler selbst wittert eine Kampagne gegen ihn. Er habe mit der Vergewaltigungsgeschichte lediglich einen "Fetisch aus der BDSM-Szene" bedienen wollen, sagt er. Ein User habe ihn danach gefragt. Zudem habe er dem Text mehrere Warnungen vorangestellt, so der Youtuber zur Verteidigung.

Drachenlord ist mehrfach vorbestraft

Es ist nicht das erste Mal, dass Winkler strafrechtlich belangt wird. Er ist mehrfach vorbestraft, zuletzt hatte das Amtsgericht Neustadt-Aisch ihn wegen Beleidigung und Körperverletzung zu zwei Jahren Haft verurteilt. In zweiter Instanz wurde das Urteil auf ein Jahr verkürzt und zur Bewährung ausgesetzt.

Der Youtuber liefert sich seit Jahren Gefechte mit einer wachsenden Hater-Gemeinde, die seine Videos verurteilt und will, dass er sich aus dem Internet "löscht". Seine Kritiker gingen dabei so weit, dass sie ihn nicht nur im Netz angriffen, sondern auch über Jahre hinweg vor seinem ehemaligen Haus im fränkischen Altschauerberg auftauchten. Wortgefechte und immer wieder auch körperliche Auseinandersetzungen waren an der Tagesordnung.

Der Ort kam erst zur Ruhe, als Winkler sein Grundstück verkaufte. Das Haus ist inzwischen abgerissen. Trotzdem tauchen im Netz immer wieder Videos von "Besuchern" auf, die das ehemalige Drachenlord-Grundstück filmen.

Seit dem Hausverkauf versucht der Youtuber, sich vor seinen Hatern zu verstecken, nachdem er von ihnen mehrmals in Hotels aufgesucht oder mit dem Auto verfolgt worden war. Videos, immer wieder mit zweifelhaftem Inhalt, veröffentlicht er weiterhin. Zuletzt hat er eine Petition gestartet, für bessere Gesetze gegen Hate und Mobbing. Bisher haben 350 Menschen unterschrieben.

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