Größter illegaler Tiertransport: Retter sind verzweifelt

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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16.10.2017, 16:37 Uhr
Unter den mindestens 7000 Tieren waren besonders viele Ratten und Mäuse - eingepfercht in kleine Boxen.

© NEWS5 / Fricke Unter den mindestens 7000 Tieren waren besonders viele Ratten und Mäuse - eingepfercht in kleine Boxen.

"Das sprengt alle Dimensionen", sagt Thomas Schröder, einer, der permanent mit dem Leid von Tieren konfrontiert ist. Einer, der weiß, wie grausaum es bei illegalen Tiertransporten auf Deutschlands Autobahnen zugeht. Der Landesvorsitzende des Tierschutzbundes in Bayern wird deutlich: "7000 Tiere! Das muss ein Weckruf für die bayerische Landesregierung, aber auch für den Tierschutz zuständigen Bundesminister sein." Man müsse dringend Konsequenzen ziehen.

Nachdem der illegale Transport - der Tierschutzbund spricht vom bisher größten in Deutschland - auf einem Autobahnparkplatz bei Amberg von der Polizei beendet wurde, kommt auch auf Frankens Tierheime eine gewaltige Belastungsprobe zu. Etwa 7000 Tiere - Mäuse, Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen und einige geschützte Exoten wie vier Chamäleons - sollen jetzt in ganz Bayern verteilt werden. "Die Einrichtungen sind schon mit den vielen Hundewelpen aus illegalen Transporten extrem beansprucht", sagt Schröder vom Tierschutzbund. Der gewaltige Fund an der A6 verschärfe die Probleme jetzt zusätzlich.

"Da kommt man an seine Kapazitätsgrenze"

Etwa in Feucht. Unter anderem knapp 50 Mäuse, 20 Meerschweinchen, sowie einige Ratten, Kaninchen und Goldhamster werden nun in eines der größten Tierheime der Region gebracht. Um insgesamt 91 Neuzugänge muss man sich hier kümmern.

"Bei solchen Vorkommnissen stößt man an seine Kapazitätsgrenze", sagt Sonja Klement vom Vorstand des Tierheims. Die Tiere wurden bereits untersucht, gefüttert und angemessen untergebracht. "So ein Transport ist für die Tiere absoluter Stress. Sie brauchen jetzt Ruhe."

"Der Wagen war bis unter das Dach voll"

Der Deutsche Tierschutzbund, der sich um die Vermittlung kümmert, sucht weitere Heime, die helfen können. Viele Einrichtungen in der Region müssen ablehnen - sie sind bereits jetzt an der absoluten Kapazitätsgrenze. "Wir sind brechend voll", sagt etwa Annette Volkamer vom Windsheimer Tierheim. Auch das Fürther Tierschutzhaus, das um Unterstützung bei der Unterbringung von Mäuse- und Rattenkindern gebeten wurde, musste passen. Es fehle einfach der Platz, erklärt Leiterin Michaela Pfaff, die die Nachricht vom Transport "eine ziemliche Horrormeldung" nennt. In der Einrichtung sind vor allem Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen untergebracht. Die Gitter der Kaninchenkäfige wären zu groß für die kleinen Mäuse. "Sie würden durchpassen." Alle Käfige mit schmalerem Gitter sind belegt.

Hersbruck habe noch am Sonntag erste Tiere aufgenommen - mittlerweile sind es 69. "Bei einigen besteht auch der Verdacht der Trächtigkeit", teilen die Verantwortlichen via Facebook mit. Das mache es noch komplizierter.

Die Heime in Oberndorf bei Pommersfelden, aus Unternesselbach und Weißenburg sind zu klein, um aktiv werden zu können. Sie haben schlichtweg keine Räumlichkeiten, denn beispielsweise die Ratten müssen laut Gesetz streng von anderen Tieren getrennt werden. Das Erlanger Tierheim hingegen sei bereit aufzunehmen, wurde von den Verantwortlichen des Tierschutzbundes aber noch nicht gefragt. Auch in Roth hat sich noch niemand gemeldet.

Experten: "So kann es nicht weitergehen"

Derzeit gehen Experten und die Polizei davon aus, dass die Tiere als Lebendfutter in belgischen Zoos verkauft werden sollten. Auch die Polizei, die bei einer Routinekontrolle auf den Transporter aufmerksam wurde, spricht von schrecklichen Szenen innerhalb des tschechischen Kastenwagens. "Der Wagen war bis unter das Dach geladen mit Kartons und Gestellen, in denen sich Tiere befunden haben", sagt Friedrich Böhm, Leiter der Amberger Verkehrspolizei. Eingepfercht in zu kleine Boxen und ohne Zugang zu Futter und Wasser habe man die vermeintliche Ware auf die Tausende Kilometer lange Reise geschickt. Viele starben dabei.

Welche Konsequenzen das für den Fahrer des Wagens hat, ist unklar. Die Amberger Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Der Fernfahrer habe bislang eine Sicherheitsleistung von 500 Euro zahlen müssen - dann ging die Reise ohne die Tiere für ihn weiter. Der Deutsche Tierschutzbund hofft jetzt auf eine lückenlose Aufklärung.

"So kann es nicht weitergehen", sagt der Landesvorsitzende Schröder. "Die Versorgung von geschwächten und kranken Tieren aus illegalem Handel stellt unsere Tierheime immer wieder vor große Herausforderungen." Die Kosten seien enorm, das Leid der Tiere ebenso. Spätestens jetzt, so Schröder, muss gehandelt werden.

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