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1970 wurde der Grundstein fürs Fränkische Seenland gelegt

Region ist heute attraktives Urlaubsgebiet und Wasserspeicher in einem - 13.06.2020 09:52 Uhr

In den Sommermonaten ist an den Stränden des Fränkischen Seenlands viel los, doch meistens findet man noch ein schönes Plätzchen, hier der Blick auf die Ramsberger Badebucht.

© Wolfgang Dressler


Im Hochsommer sind die Badestrände am Großen Brombachsee mitunter besonders breit. Die Badegäste freut es, aber der Wasserspiegel im See wird natürlich nicht gesenkt, damit sie mehr Platz haben: Wenn es lange heiß ist, versorgt der große See das trockene Main-Regnitz-Gebiet mit frischem Wasser. Die Überleitung aus dem wasserreichen Süden in den trockenen Norden Bayerns gab einst den Anstoß für den Bau der Seenlandschaft.

Rund 150 Millionen Kubikmeter Donau- und Altmühlwasser gelangen jedes Jahr über das Fränkische Seenland in Regnitz und Main. Dafür gibt es zwei voneinander unabhängige Systeme: die Überleitung über den Main-Donau-Kanal und den Rothsee sowie die Brombachseeüberleitung mit dem Großen und Kleinen Brombachsee, dem Igelsbachsee sowie dem Altmühlsee und dem Altmühlüberleiter. Beide Systeme überwinden die europäische Hauptwasserscheide. Sie verhindern zu niedrige Wasserpegel im Norden und sorgen gleichzeitig gegen sommerliche Überschwemmungen im mittleren Altmühltal vor.

Wo heute die Wasserfläche des Großen Brombachsees in der Sonne glitzert, lagen in den 1960er-Jahren noch Felder, Hopfengärten und die Mühlen am Brombach. Doch die Landwirtschaft lohnte sich in der Gegend immer weniger, viele junge Menschen zogen weg. Deshalb setzte sich der Landtagsabgeordnete Ernst Lechner aus Gunzenhausen besonders für den Bau der Seen ein: Seine Heimat sollte ein attraktives Freizeit- und Urlaubsziel werden.

Die Entscheidung fiel am 16. Juli 1970 im Landtag, und zwar einstimmig. Später hieß es des Öfteren mit leichter Ironie, die bevorstehende Sommerpause habe an jenem Tag das positive Votum begünstigt. Der Beschluss des Parlaments jedenfalls gab nicht nur grünes Licht für den Bau der Wasserspeicher, sondern legte darüber hinaus fest, dass sie für die Erholung erschlossen und vor allem frei zugänglich sein sollten. Diese Zugänglichkeit zeichnet das Fränkische Seenland heute aus: Statt Privatgrundstücke am See findet man hier Sandstrände und Liegewiesen, Seezentren und Uferwege, die allen offen stehen. Kein Wunder, dass die Touristiker mit diesem Pfund wuchern.

Einweihung der Baustufe 1 am 1. August 1986 am Altmühlsee: Ministerpräsident Franz Josef Strauß, Europaabgeordneter Dr. Ingo Friedrich, MdL Ernst Lechner, Innenminister Karl Hillermeier und der Gunzenhäuser Bürgermeister Willi Hilpert (von rechts).

© Stadt Gunzenhausen


Nach dem Landtagsbeschluss begannen die Planungen und der Ankauf der nötigen Flächen. Die meisten Menschen ließen sich von den Vorteilen des Projekts überzeugen. Landwirte, die ihre Felder verkauften, wurden vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beraten, um sich ein zweites Standbein im Tourismus aufzubauen. Die zahlreichen beliebten Ferienhöfe im Fränkischen Seenland zeugen heute noch von dieser Entwicklung. Die Aufgabe, die Seen als Freizeitziele zu gestalten, fiel den Städten und Gemeinden zu, die sich dafür zu Zweckverbänden und zum Tourismusverband Fränkisches Seenland zusammenschlossen.

Jeder See stellte die Planer vor ganz eigene Herausforderungen. So musste im weiten Altmühltal ein Ringdamm gebaut werden, der heute den mit maximal drei Metern Tiefe recht flachen Altmühlsee umschließt. Dieser ist über den teils unterirdisch verlaufenden Altmühlseeüberleiter mit dem Brombachsee verbunden. 1986 wurde der Altmühlsee zusammen mit dem Igelsbachsee und dem Kleinen Brombachsee eingeweiht. Dazu reiste Ministerpräsident Franz Josef Strauß an. Der Hahnenkammsee und der Dennenloher See, die bereits zuvor fertiggestellt wurden, dienen nicht der Wasserüberleitung.

1993 war auch der Rothsee gefüllt, der als Zwischenspeicher bei der Wasserüberleitung über den Main-Donau-Kanal dient. Als letzter wurde der Große Brombachsee geflutet. Mit einer Wasserfläche von rund neun Quadratkilometern und einer Tiefe von über 30 Metern ist er der größte der sieben Seen. Ein 1,7 Kilometer langer und 36 Meter hoher Damm schließt dafür das Brombachtal bei Allmannsdorf ab. Über zwei Stahlrohrleitungen unter dem Damm wird Wasser entnommen und in den Norden geleitet. Dabei nutzt man die Wasserkraft auch zur Stromerzeugung. Auf diese Weise wird auch am Rothsee umweltfreundliche Energie erzeugt.

Wer mehr über die Entstehung des Fränkischen Seenlands und die Technik hinter dem Freizeitparadies erfahren möchte, ist in der Mandlesmühle am Großen Brombachsee richtig: Sie ist Sitz der Seemeisterstelle des Wasserwirtschaftsamts Ansbach und beherbergt das Infozentrum "Seenland – Wasser für Franken", das in der historischen Scheune untergebracht ist. Auf 300 Quadratmetern zeigt es anschaulich, wie aus der bäuerlichen Landschaft innerhalb weniger Jahrzehnte das attraktive Seenland entstand.

Doch nicht nur für die Menschen, auch für die Natur im Altmühltal bei Gunzenhausen sowie in den Tälern des Brombachs und der Kleinen Roth brachte der Bau der Seen große Veränderungen mit sich. Immerhin bedeckten die insgesamt fast 21 Quadratkilometer großen Wasserflächen zahlreiche Felder, Wälder und Wiesen. Tiere und Pflanzen verloren dadurch ihren Lebensraum. Im Gegenzug entstanden jedoch an den Seen neue Naturräume und Rückzugsgebiete für teils seltene Arten. Naturschutzbehörden und -verbände wurden frühzeitig in die Planung miteinbezogen, um ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur zu erreichen.

Besonders spektakulär war die riesige und lange dauernde Baustelle für den entstehenden Großen Brombachsee. Mehrere Mühlen mussten weichen, bis schließlich das Gesamtprojekt im Jahr 2000 vollendet war.

© Tourismusverband Fränkisches Seenland


Wie gut dieser Plan gelang, zeigt zum Beispiel die Vogelinsel im Altmühlsee: Das Naturschutzgebiet nimmt fast die Hälfte der Seefläche ein. Mehr als 300 Vogelarten lassen sich hier beobachten, darunter seltene Wat- und Wasservögel und auch zahlreiche Zugvögel, die am Altmühlsee Station machen.

Im Jahr 2000 war das Fränkische Seenland schließlich komplett, Ministerpräsident Edmund Stoiber nahm die Einweihung vor. Heute bemerken Besucher kaum etwas von der Entstehung und dem wasserwirtschaftlichen Auftrag der Seen. Ganz natürlich fügen sie sich in das Hügelland der Umgebung ein.

Rund eine Million Gäste genießen jährlich die Sandstrände und Badebuchten, die abwechslungsreichen Wassersportangebote, die ebenen Fuß- und Radwege am Seeufer und die beiden Schifffahrtslinien. Mit seinen vielfältigen Erlebnissen für Familien und seinen barrierefreien Angeboten ist das Fränkische Seenland ein Freizeitparadies für alle Generationen. Aber auch Trendsportarten wie Wakeboarden, Kitesurfen und Stand-up-Paddeln sind hier zu Hause. Außerdem bereichern innovative Ideen, wie die schwimmenden Ferienhäuser im Brombachsee, das Angebot.

Auch abseits der Seen hat sich in den vergangenen 50 Jahren viel getan. Neue Strecken für Radler und Wanderer sind entstanden, historische Gebäude wurden liebevoll saniert, spannende Museen mit interaktiven Ausstellungen wurden eröffnet. Trotzdem hat sich die Region ihren echt fränkischen Charakter bewahrt, und genau das wird von den Gästen geschätzt, so die Bilanz des Seenland-Tourismusverbands.

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