Ferienkonzern akzeptiert den Bürgerentscheid

Aus für Center Parcs am Brombachsee: Ferienkonzern wirft das Handtuch

Jürgen Eisenbrand
Jürgen Eisenbrand

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18.6.2021, 15:58 Uhr

© Foto: Limes-Luftbild.de

Denn da verschickte der französisch-holländische Ferienkonzern eine Mail, mit der er sich aus dem Fränkischen Seenland – so scheint es – endgültig zurückzieht.

Zusage im August 2020

Im August 2020 wurde Center Parcs von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Bestbieter in der Ausschreibung für das Muna-Militärgelände am Brombachsee identifiziert und erhielt eine Zusage zum Erwerb des Geländes, teilen die Center Parcs-Verantwortlichen in einer Presseerklärung mit. Im Rahmen der Entwicklung eines Center Parcs-Parks sollte das ehemalige Militärgelände demnach renaturiert und die militärischen Altlasten beseitigt werden – "mit dem Ziel, einen Park zu schaffen, der ein neues ökologisch nachhaltiges Urlaubserlebnis in der Region bietet".

Trotz eines sehr knappen Votums gegen die Einleitung des Planungsverfahrens und nach sorgfältiger Abwägung mit der BImA als Eigentümerin des Geländes, heißt es weiter, "wurde einvernehmlich entschieden, das Projekt nicht weiter zu verfolgen".

Damit kehrt Center Parcs auf jenen Kurs zurück, den das Unternehmen vor dem Bürgerentscheid ausgegeben hatte: Bei einem Nein der Pfofelder zum Projekt werde man das akzeptieren und sich aus der Region zurückziehen. Unmittelbar nach dem 30. Mai wiederum hatte es so ausgesehen, als wolle sich der Anbieter von Ferienwohnungen eine Hintertür für ein Comeback offenhalten.

"Mit diesem Projekt hätte die Region Fränkisches Seenland von einer gesteigerten Attraktivität, vielen neuen Arbeitsplätzen für die lokale Bevölkerung und einem dekontaminierten und renaturierten Muna-Gelände profitiert", bedauerte CP-Deutschlandchef Frank Daemen in seiner gestrigen Erklärung. "Der Erhalt der natürlichen Umwelt hatte für Center Parcs schon immer höchste Priorität, weshalb wir der ideale Partner für eine zukunftsweisende Zusammenarbeit mit der Region gewesen wären."


Gegen das Projekt regte sich viel Protest


Es habe viele Gründe gegeben, einen neuen Ferienpark zu bauen, denn ökologische Aspekte seien mehr denn je ein fester Bestandteil bei der Wahl des Urlaubsziels. "Die schwierigen Zeiten der letzten Monate führen dazu, dass heimische Urlaubsziele bevorzugt werden", so Daemen.

Die letztlich beim Bürgerentscheid knapp erfolgreichen Gegner des 360-Millionen-Euro-Projekts hatten jedoch stets die damit verbundenen Eingriffe in den ihrer Ansicht nach ökologisch sehr wertvollen Wald auf dem Muna-Gelände kritisiert. Zumal dieser Wald eine ganze Reihe besonders schützenswerter Tiere beherberge. Und sie hatten moniert, dass eine Feriensiedlung mit 800 Häusern und einer Million Übernachtungen pro Jahr nicht zum Profil des im Seenland propagierten "sanften Tourismus" passe.


Bürger entschieden sich mit knapper Mehrheit gegen den Ferienpark


"Wir hätten uns sehr gefreut, das Projekt am Brombachsee umzusetzen, respektieren aber das demokratische Ergebnis des Bürgerentscheids", fügte der Projektbeauftragte des Investors, Jan Janssen, hinzu. "Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Kampagnenteams und Unterstützern für ihr Engagement bedanken. Wir wünschen dieser schönen Region alles Gute."

Deutscher Markt hat Priorität

Dennoch bleibe der deutsche Markt mehr denn je eine Priorität für das Wachstum von Center Parcs, heißt es von Seiten des Konzerns weiter. Deutschland sei ein sehr beliebtes Reiseland, in dem die Urlauber großen Wert auf Gesundheitsmaßnahmen, Privatsphäre und Ökologie legten: "Urlaub im eigenen Land und nicht weit weg von zu Hause ist in den letzten Jahren zur bevorzugten Wahl geworden."

So wird Center Parcs nach eigenen Worten "auch weiterhin nach neuen Möglichkeiten suchen, um gemeinsam mit seinen Partnern weltweit einzigartige touristische Ziele zu entwickeln, die der gesamten Region neue Impulse geben – immer mit dem Fokus auf ein vielfältiges und ökologisch nachhaltiges Angebot für die Urlauber."

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