Autostopp geht dank Mitfahrbank nun auch ohne Daumen

12.4.2018, 17:30 Uhr
Anita Ermer (sitzend rechts) hat es schon ausprobiert: Das Mitfahrerbänkchen in der Oettinger Straße. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (3. von rechts) und der Vorsitzende des Seniorenbeirats Werner Seifert (links) stellten das Projekt vor. Gut zu erkennen ist Schild, das anzeigt, wohin man fahren möchte.

Anita Ermer (sitzend rechts) hat es schon ausprobiert: Das Mitfahrerbänkchen in der Oettinger Straße. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (3. von rechts) und der Vorsitzende des Seniorenbeirats Werner Seifert (links) stellten das Projekt vor. Gut zu erkennen ist Schild, das anzeigt, wohin man fahren möchte. © Foto: Marianne Natalis

Erst vor kurzem aufgestellt, wurden die Mitfahrerbänke nun ganz offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz ist es nach eigenen Worten "ein Anliegen, nicht nur den Individualverkehr zu fördern". Es gelte auch die Alternativen zum eigenen Auto zu stärken, sei es den Radverkehr, Car-Sharing, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder eben auch die Mitfahrerbänke, die nun zunächst an "zwei Achsen" in Gunzenhausen aufgestellt wurden.

So kann man an der Bushaltestelle am Parkplatz Oettinger Straße per umklappbarem Schild anzeigen, ob man nach Unterwurmbach oder Cronheim (wo selbstverständlich auch jeweils Bänke für die Fahrt in die Stadt stehen) möchte. In der Bahnhofstraße steht das grüne Mitfahrerbänkchen an der Bushaltestelle beim Expert, von dort kann man sich nach Schlungenhof, Laubenzedel oder Büchelberg mitnehmen lassen. Zunächst wurden insgesamt acht Bänke in Gunzenhausen und den genannten Stadtteilen aufgestellt, wenn es gut läuft, steht einer Erweiterung nichts im Weg, machte Fitz deutlich. Ideengeber war dabei der Seniorenbeirat, der auch die nötigen Finanzmittel in Höhe von 5.500 Euro via Sponsoren aufgetrieben hat. Bestellt und aufgestellt wurden die Bänke vom städtischen Bauamt.

Die Eifel stand Pate

Schon Anfang 2017 wurde das Beispiel aus der Eifel im Seniorenbeirat diskutiert. Schnell waren sich die Mitglieder einig, so deren Vorsitzender Werner Seifert, dass die Initiative des dortigen "Netzwerks Mobilität in der Verbandsgemeinde Speicher" auch in und um Gunzenhausen praktikabel sein müsste. Zumal es zu einigen Stadtteilen nur sehr sporadische Busverbindungen gibt, wie Seifert nun bei der Vorstellung des Projekts in der Oettinger Straße erläuterte. Für Jugendliche und Senioren, aber auch für Familien, die sich keines oder nur ein Auto leisten können, werde selbst ein Einkauf im Nachbardorf zur logistischen Herausforderung. Angesichts des nicht vorhandenen öffentlichen Nahverkehrs sei man auf Nachbarn, Freunde und Verwandte angewiesen.

Die Mitfahrerbank, ist sich Seifert sicher, kann hier Erleichterung verschaffen, denn es fahre ständig jemand von Büchelberg nach Gunzenhausen oder von dort nach Cronheim. Ohne App und Fahrplan funktioniert sie ganz "analog" und baut auf den zwischenmenschlichen Kontakt. In der Regel kenne man sich auf den Dörfern, aber Autofahrer könnten ja auch Fremden einen Gefallen tun. Das Projekt stehe deshalb über die reine Fortbewegung hinaus auch für "Mitmenschlichkeit, Kooperation, Kommunikation".

Offene Ohren und Türen bei Sponsoren 

Nachdem der Vorschlag des Seniorenbeirats bei den Ortssprechern und der Stadtverwaltung auf offene Ohren gestoßen war, machten sich die Seniorenbeiräte Otto Unfried und Hanfried Reinhard auf die Suche nach Sponsoren. Und rannten auch hier offene Türen ein, denn die notwendige Summe kam sehr schnell zusammen. Unter anderem spendete der Inhaber des Edeka-Markts in der Weißenburger Straße, Günter Höfler, 2000 Euro, die Raiffeisenbank und Jochen Loos gaben je 1000 Euro in den Topf. Dazu summierten sich noch viele kleinere Einzelspenden.

Bereits recht erfolgreich und aus ähnlichen Gründen wie in Gunzenhausen eingeführt wurde eine solche Mitfahrbank im Langensendelbacher Ortsteil Bräuningshof im Landkreis Forchheim. Auch hier kann, wer in Richtung Bubenreuth möchte, sein gewünschtes Ziel mit Hilfe von umklappbaren Schildern angeben. Die beiden Bänke (die zweite steht in Bubenreuth) werden, wie die Nordbayerischen Nachrichten berichten, gut angenommen, die Wartezeit dauert in der Regel nicht länger als drei Minuten. In Cadolzburg wurden im vergangenen Spätherbst ebenfalls drei Exemplare in den Stadtfarben grün-gelb aufgestellt. Sie sollen den Bürgern den Gang zum im Tal gelegenen Einkaufszentrum und wieder zurück erleichtern.

Paten gesucht

Für die nun seit kurzem aufgestellten acht Mitfahrerbänke in und um Gunzenhausen sucht der Seniorenbeirat nun noch Paten. Sie sollten lediglich ab und an "ihre" Bank besuchen und mögliche Beschädigungen der Stadtverwaltung melden.

Wer Platz im Auto hat und sich vorstellen kann, jemanden mitzunehmen, sollte also künftig in der Oettinger Straße (und natürlich auch an den anderen Standorten) die Augen offenhalten. Vielleicht sitzt dort ja auch wieder Anita Ermisch, die von den Mitfahrerbänken so begeistert ist, dass sie sich spontan entschlossen hat, die Patenschaft für "ihre" Bank in Unterwurmbach zu übernehmen.

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