Befürworter des Center Parcs bedauern Entscheidung - "vielleicht letzte" Chance vertan?

31.5.2021, 11:53 Uhr
Bei den Befürwortern der Ferienanlage von Center Parcs am Brombachsee bei Langlau macht sich nach dem

Bei den Befürwortern der Ferienanlage von Center Parcs am Brombachsee bei Langlau macht sich nach dem "Nein" für das Projekt Enttäuschung breit. Sie alle betonten aber, das Ergebnis des Bürgerentscheids nun zu akzeptieren.   © Jürgen Eisenbrand, NN

Ein Ergebnis, das nach Worten von Landrat Manuel Westphal "so zu akzeptieren ist". "Das ist Basisdemokratie", sagte er gegenüber dem Altmühl-Boten, die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Pfofeld, die am unmittelbarsten von der Center Parcs-Ansiedlung betroffen gewesen wären, "haben entschieden". Center Parcs werde sich jetzt vom Erwerb des Muna-Geländes zurückziehen und das Ansiedlungsvorhaben beenden.

Entscheidung ist "sehr bedauerlich"

Aus Westphals Sicht wäre die Ferienanlage "natürliches eine große Chance für eine positive Weiterentwicklung unserer Region und für das gesamte Fränkische Seenland gewesen". Dass der ergebnisoffene Planungsprozess nicht erfolgen wird, hält Westphal für "sehr bedauerlich", sowohl aus seiner persönlichen Sicht als auch in seiner Eigenschaft als Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Vorsitzender des Zweckverbands Brombachsee sowie des Tourismusverbands Fränkisches Seenland.

Wie es nun mit dem Muna-Wald weitergeht, darüber habe nun die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin des Areals zu befinden. "Der Ball liegt bei der BImA", meinte Westphal am Sonntagabend direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses, sie müsse entscheiden, ob es ein neues Vergabeverfahren geben wird. Das Gelände bleibe weiterhin eingezäunt. Aus der Sicht des Landkreises sei es derzeit schwierig, sich eine Nutzung vorzustellen, es habe bisher auch keinen Antrag in dieser Richtung aus dem Kreistag gegeben.

Mit der knappen Entscheidung der Bürger von Pfofeld gegen den Ferienpark bleibt, kommentiert Dr. Simon Amesöder den Ausgang des Bürgerentscheids, "im Fränkische Seenland erneut ein Chance – vielleicht die letzte – zu einer strategischen Weiterentwicklung des Tourismus und der gesamten Region ungenutzt". Insbesondere die ökologisch-nachhaltige und ganzjährige Ausrichtung des Center Parcs "hätte dem Fränkischen Seenland als Ausgleich zum bestehenden Tagestourismus und als sichtbares Leitprojekt mehr als gut getan", ist der Vorsitzender des IHK-Gremium Weißenburg-Gunzenhausen, nach wie vor überzeugt.

Der Park werde nun an anderer Stelle realisiert, die hiesige Region müsse sich dann "wieder einmal – wie das Beispiel Leutkirch zeigt – vorführen lassen, dass es doch möglich ist, Urlaubsvergnügen und Umweltverträglichkeit zu vereinen". Leider bleibe es dem Fränkischen Seenland nun verwehrt, eine Vorzeigeregion in dieser Richtung zu werden. Es bleibe abzuwarten, wer mit welchen Ansätzen die zukünftigen Herausforderungen zur Stärkung des Seenlandtourismus und der Regionalentwicklung angehe. Das IHK-Gremiums sei – trotz dieses Rückschlags – weiterhin gesprächsbereit.

Verkehrslage bleibt wohl unverändert

Enttäuscht zeigte sich auch Oliver Röhrl, Leiter des Strandhotel Seehof in Langlau. Es sei schade, dass die Gemeinde Pfofeld nicht die Chance genutzt habe, zuerst ins Verfahren zu gehen und erst wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, den Weg des Bürgerentscheids zu suchen. Nun aber "müssen wir das Ergebnis respektieren, das haben wir immer gesagt".


Kommentar: Bürger stimmen für sanften Tourismus im Seenland


Röhrl befürchtet, dass im Seenland nun weiterhin der Schwerpunkt auf dem Tagestourismus liege. Auch an der Verkehrssituation werde sich jetzt nichts ändern, eine Umgehungsstraße werde wohl nicht gebaut. Entsprechend belastet werden die vorhanden Straßen seiner Meinung nach bleiben, zumal mit Blick auf die Erweiterung des Campingplatzes in Langlau. Nun bleibe abzuwarten, welche konkreten Vorschläge die Bürgerinitiative (BI) "Seenland in Bürgerhand" nun bringe, was aus dem Muna-Gelände werden solle.

Werner Falk, FDP-Kreisrat aus Gunzenhausen, hat da bereits eine Idee. Das Gelände könnte teilweise als "Wald-Feriensiedlung", wie es sie am Schwielowsee bei Potsdamm gibt, genutzt werden. Aber auch dafür sei ein privater Investor notwendig. Eine unabdingbare Voraussetzung sei auch, dass die BImA die militärischen Altlasten restlos beseitige. Falk verhehlt dabei nicht, dass sich die Kreistagsfraktion der Liberalen "ein anderes Votum gewünscht hätte". Selbstverständlich aber akzeptiere die FDP die Entscheidung der Pfofelder Bürger.


Kommentar: Eine vertane Chance fürs Seenland


Hans-Dieter Niederprüm, Geschäftsführer des Tourismusverbands Fränkisches Seenland, zeigte sich vom Ausgang des Bürgerentscheids "sehr überrascht". Aus touristischer Sicht bedauere er das Abstimmungsergebnis, hier sei eine Chance nicht erkannt worden. Niederprüm befürchtet nun, dass es schwerer werde, sich im deutschlandweiten Wettbewerb zu behaupten. Und Investoren werden ihn Zukunft "vielleicht einen großen Bogen um das Fränkische Seenland machen".

"Anker Center Parcs" gibt es nicht mehr

Dieser Meinung ist auch Dr. Nicole Maaß aus Thannhausen, Sprecherin der Interessensgemeinschaft "Bürger Pro Center Parcs". "Wenn ich ein Investor wäre, würde ich nicht mehr herkommen wollen." Sie sieht nun die BI "auf jeden Fall" in der Bringschuld. Die Gegner des Projekts seien nun in der Verantwortung eine Alternative aufzuzeigen oder sich zumindest zu beteiligen. "Sie dürfen sich jetzt nicht zurückziehen, nur, weil sie ihr Ziel erreicht haben."

Maaß und ihre Mitstreiter wären bereit, sich bei dem Prozess zu beteiligen: "Es geht ja nicht um uns persönlich, sondern darum, das Beste für die Region zu erzielen." Die Interessengemeinschaft werde laut der Thannhäuserin weiter bestehen, auch wenn vermutlich mit einer geringeren Personenzahl. "Wir haben uns jetzt viel mit Materie Tourismus beschäftigt", sagt sie.

Sie möchten allen, die in der Tourismusbranche tätig sind, eine Zukunftsperspektive geben. Denn der "Anker Center Parcs" sei ihnen nun genommen werden. Jedoch müsse der hiesige Abwärtstrend gestoppt beziehungsweise umgekehrt werden.

Auch wenn die Befürworter "nach wie vor wahnsinnig enttäuscht" sind, wollen sie jetzt nach vorne blicken und schauen, wie das Fränkische Seenland künftig attraktiver werden kann.

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