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Dittenheim: Verbotenes Gift tötet geschützten Rotmilan

Der hochtoxische Köder hätte auch Kinder oder Hunde gefährden können - 05.07.2019 14:04 Uhr

Zwar steht der Rotmilan nicht mehr auf der Roten Liste, streng geschützt ist er dennoch wie alle heimischen Greifvögel. © privat


Dittenheim. "Das Zeug ist total gnadenlos", sagt der Landesfachbeauftragte vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), Andreas von Lindeiner. Damit meint er das Kontaktgift Carbofuran an dem ein Rotmilan Mitte Mai zwischen Dittenheim und Windsfeld verendet ist. Das ergab nun die Untersuchung eines Münchner Universitätslabors. Die Kosten von 120 Euro hat der Verein "Komitee gegen den Vogelmord" aus Bonn übernommen. Seit zwölf Jahren ist das Gift schon in der EU verboten. Allerdings ist es noch immer im Internet, zum Beispiel aus China erhältlich, weiß der Experte.

Ein Passant hat den streng geschützten Greifvogel gefunden und ihn der LBV-Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen gemeldet. Das vergiftete Fleisch klemmte noch in seinem Schnabel. "Das hätte auch ein anderes Tier treffen können, zum Beispiel einen Hund", warnt von Lindeiner. Schließlich wisse man nicht, welches den Köder letztlich frisst. Auch für Kinder stelle das Insektizid eine echte Gefahr dar.

Wer legt Gift im Vogelschutzgebiet aus?

Deshalb warnt der LBV zusammen mit der Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) alle Eltern im Gebiet um Dittenheim "ihre Kinder nichts Verdächtiges anfassen zu lassen". Zudem sollen alle Hunde angeleint werden. "Denn das hochtoxische Gift Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und führt selbst in geringen Dosen zu Krämpfen", heißt es weiter in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Das Perfide daran: Der Rotmilan wurde in einem Vogelschutzgebiet gefunden. "Wir können uns nicht vorstellen, wer im Altmühltal daran Interesse hat, Tiere zu vergiften", sagt von Lindeiner. Es hätte schon Fälle von Geflügelhaltern gegeben, die ihre Tiere schützen wollten, oder unter Jägern gebe es ganz vereinzelt schwarze Schafe, die den Greifvögeln Böses wollten, erklärt der Fachmann, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Martina Widuch, Leiterin der LBV-Umweltstation Altmühlsee in Muhr, berichtet ebenfalls von einem toten Rotmilan mit Verdacht auf Vergiftung, der ihnen im selben Zeitraum gebracht wurde. Das Untersuchungsergebnis liegt allerdings noch nicht vor.

Im Falle Dittenheim/Windsfeld hat die Kreisgruppe die Untere Naturschutzbehörde in Weißenburg informiert, die Anzeige erstattet hat. Denn es handelt sich hier um eine echte Straftat. Es sei jedoch meist schwer, die Verantwortlichen zu finden. So hofft von Lindeiner die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren. Zusammen mit der GLUS baut der LBV gerade ein Projekt auf. "Naturschutzkriminalität dokumentieren und stoppen!" heißt es. Mittels einer bayernweite Datenbank sollen alle (Verdachts-)Fälle von Naturschutzkriminalität erfasst werden. Ab sofort kann jeder entsprechende Fälle online durchgeben.

So wollen die Initiatoren Täter und Vergehen besser verfolgen können. Außerdem soll es eine erste Anlaufstelle und Informationsplattform für Betroffene sein. Behörden nähmen mittlerweile illegale Tiertötungen größtenteils ernst, meint von Lindeiner. Früher hätten die Polizisten so ein Vergehen oft als Bagatelle abgetan, "doch heute rücken manche sogar mit Blaulicht aus". Die Tierliebe sei auch in Behördenkreisen tief verankert und solche Fälle mit Emotionen verbunden.

Von Lindeiner vermutet eine hohe Dunkelziffer illegaler Tiertötungen, sei doch jeder Einzelfall ein Zufallsfund. Fest steht, dass es sich um ein landesweites Problem handelt. Bei Cham (Oberpfalz) wurden seit 2017 über 60 illegal getötete Vögel gefunden, die entweder vergiftet oder unerlaubt abgeschossen wurden. Im April waren unter anderem 35 Stare darunter. "Ein Star tut niemandem etwas", sagt von Lindeiner fassungslos. Bisher wurden im Freistaat 48 Vögel entdeckt, die illegal getötet wurden.

Das sollten Finder beachten

Wer selbst ein Tier findet, das Hinweise auf einen unnatürlichen Tod aufweist, sollte nichts anrühren, um Spuren nicht zu verwischen. Besser ist es, Fotos zu machen und sich den Fundort zu notieren. GPS-Daten sind dabei sehr hilfreich. Ein Anruf beim LBV oder der Polizei sollte ebenfalls erfolgen – auch im Zweifelsfall. Es darf sogar die 110 gewählt werden. "Das ist kein Missbrauch des Notrufs und durch das Innenministerium genehmigt", klärt der LBV-Landesfachbeauftragte auf.

Aber wie erkennt man, ob der tote Vogel vor einem an Gift gestorben ist? Zum einen liegt ein toter Greifvogel nicht einfach auf einem Acker oder einer Wiese, sagt von Lindeiner. Verkrampfte Krallen, tote Fliegen auf dem Kadaver oder Fleischreste im Schnabel wie beim Rotmilan von Dittenheim/Windsfeld sind ebenfalls ein Indiz dafür.

Mehr Infos zu Naturschutzkriminalität und eine Checkliste zum richtigen Verhalten bei einem verdächtigen Totfund gibt’s auf der Internetseite der GLUS

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