Gunzenhausen: Pressmetall-Sanierung in Eigenverantwortung

4.3.2020, 06:41 Uhr
Die Firma Pressmetall Gunzenhausen wird in eigener Verantwortung saniert.

Die Firma Pressmetall Gunzenhausen wird in eigener Verantwortung saniert. © Tina Ellinger

"Das ist ein weiterer wichtiger Schritt auf unserem Weg zu einem modernen und zukunftsfest aufgestellten Unternehmen, auf dem wir uns seit mittlerweile zwei Jahren befinden", sagt dazu Geschäftsführer Lars Szymanski. Mit der Entscheidung, dass Pressmetall seine Sanierung weiter selbst in Eigenverwaltung vorantreiben könne, habe das Gericht die bisherige Arbeit des Unternehmens bestätigt und schenke ihm weiterhin das Vertrauen. "Das ist für uns ein tolles Signal und motiviert uns zusätzlich", so Szymanski.

Der Geschäftsbetrieb läuft in den beiden Werken in Gunzenhausen (Bayern) und Hoym (Sachsen-Anhalt) ohne Einschränkungen. "Die Mitarbeiter ziehen alle mit", lobt Szymanski die rund 750-köpfige Belegschaft. Ihr Einsatz für das Unternehmen verdiene allerhöchsten Respekt und trage wesentlich zu den Sanierungserfolgen bei.

Schon heute sei das Unternehmen deutlich schlanker aufgestellt und die internen Prozesse effizienter gestaltet. Mit neuen Produkten und auskömmlichen Preisen habe man die Situation der Gruppe deutlich verbessern können. Das honorierten auch die Lieferanten und Kunden, "die uns ebenfalls sehr gut in unserem Transformationsprozess unterstützen", berichtet Szymanski. So habe ein wichtiger Automobilzulieferer noch während des Sanierungsverfahrens einen größeren und lukrativen Auftrag für das kommende Jahr bei Pressmetall platziert.

Auch Sanierungsberater Detlef Specovius von Schultze & Braun ist zuversichtlich, dass die Restrukturierung in wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen werden könnte. "Wir haben schon kurz nach Beginn des Sanierungsverfahrens eine gezielte Suche nach potentiellen Investoren begonnen und darauf sehr erfreuliche Rückmeldungen erhalten." Aktuell hätten mehrere Interessenten, sowohl strategische als auch Finanzinvestoren, ihr Interesse bekundet. Die Gespräche sollen nun intensiv vorangetrieben und möglichst zeitnah abgeschlossen werden.

Für die Gläubiger überwacht Sachwalter Dr. Stefan Debus von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen (Nürnberg) den Sanierungsprozess. Sein Eindruck vom Fortschritt der Sanierung: "Geschäftsführung, Sanierungsberater und Sachwalter arbeiten sehr gut und zielgerichtet bei der Restrukturierung der Gruppe zusammen. Wir sehen hier eine hohe Schlagzahl, mit der das Unternehmen neu ausgerichtet wird, um für die heutigen und künftigen Herausforderungen des Marktes gewappnet zu sein." Er sei zuversichtlich, dass es mit den ergriffenen Maßnahmen gelingen könne, die Pressmetall-Gruppe als einen etablierten Teil der Automobil-Zuliefererkette dauerhaft zu erhalten. Besonders erfreulich sei, dass man keine größeren Personalmaßnahmen habe ergreifen müssen.

Lediglich einzelne Arbeitsplätze fallen in nächster Zeit in Gunzenhausen weg. "Diese Maßnahme ist unabhängig vom derzeit laufenden Sanierungsverfahren und wurde von mir bereits im Sommer vergangenen Jahres mit der IG Metall einvernehmlich abgestimmt", betont Pressmetall-Geschäftsführer Lars Szymanski. Es sei ihm wichtig, "unseren Arbeitnehmern einen zukunftssicheren Arbeitsplatz bieten zu können. Diesem Ziel sind wir im Laufe der vergangenen Monate ein beträchtliches Stück nähergekommen. Ein weiterer Wegfall von Stellen ist daher nicht geplant."

Die Pressmetall-Gruppe ist ein führender Hersteller von Aluminium-Druckgusskomponenten in Deutschland. Mit der über 50-jährigen Unternehmensgeschichte und dem hohen Anspruch an die Qualität hat sie sich über Jahrzehnte hinweg als leistungsstarker Partner der Automobilindustrie etablieren können. Am Standort Gunzenhausen beschäftigt die Gruppe rund 550 Mitarbeiter, in Hoym rund 200.