Samstag, 18.01.2020

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Gunzenhausen: Sicherheitswacht zieht positive Bilanz

Gunzenhausens Polizeichef Harald Eckert ist vom Einsatz der Helfer überzeugt - 05.01.2020 09:25 Uhr

Der doppelte Eckert: der Gunzenhäuser Polizeichef Harald Eckert (rechts) und Ralf Eckert, einer von zwei Mitarbeitern der Sicherheitswacht, die seit einem halben Jahr auf den Straßen der Altmühlstadt unterwegs ist. © Jürgen Eisenbrand


Seit nunmehr gut einem halben Jahr geht der 46-Jährige aus Gunzenhausen in seiner Heimatstadt auf Streife, zusammen mit seinem Partner Harald Hampl aus Merkendorf und bevorzugt dort, wo es "brennt"; sprich: wo sich Anwohner verstärkt über Lärm beklagen. Also rund um die Stephani-Schule, an der Grundschule Süd, am Bahnhof, am Spielplatz in der Waldstraße und an der Skater-Anlage. Oder auch bei Großveranstaltungen in der Stadt beziehungsweise am Altmühlsee.

"Hat sich bewährt"

Sein Namensvetter und quasi oberster Chef, Harald Eckert (57), der Leiter der Polizei-Inspektion Gunzenhausen, ist von dem Einsatz seiner beiden ehrenamtlichen Helfer überzeugt: "Das hat sich bewährt", sagt der Erste Polizeihauptkommissar bei einem Pressegespräch der beiden Eckerts mit dem Altmühl-Boten. Die "personelle Verstärkung" sei "ein Zusatzangebot für die Stadt, das gut tut und sie nichts kostet". Mit der Entscheidung, die Sicherheitswacht einzuführen, sei für die Kommune "die Arbeit erledigt gewesen".

Dieser Beschluss fiel nach jahrelangen Diskussionen vor gut einem Jahr im Stadtrat, nachdem Bürgermeister Karl-Heinz Fitz eine Abstimmung darüber erzwungen hatte (wir berichteten). Nur die beiden Grünen Helga Betz und Peter Schnell sowie Monika Wopperer (SPD) votierten gegen die Sicherheitswacht, die es in Bayern schon seit 25 Jahren gibt; ebenfalls nach langen, erbitterten Diskussionen hatte Nürnberg damals den Vorreiter gemacht.

Erste-Hilfe-Material, Taschenlampe, Funkgerät, Stifte und Block sowie Reizgas zur Eigensicherung: So ausgestattet geht die Gunzenhäuser Sicherheitswacht auf Streife. © Michael Matejka


Nach relativ zähem Beginn und anfänglich viel Skepsis wuchsen Bedarf und Akzeptanz zuletzt kräftig: Waren es vor zehn Jahren erst 59 Städte und Gemeinden, die Sicherheitswachten gegründet hatten, so haben sich mittlerweile in mehr als 160 Kommunen rund 130 Sicherheitswachten gebildet. Die Zahl der Angehörigen hat sich in dieser Zeit von gut 500 auf über 1100 (darunter 360 Frauen) mehr als verdoppelt. Und erst vor wenigen Wochen beschloss der Treuchtlinger Stadtrat, ehrenamtliche Streifen auf Patrouille gehen zu lassen – als zweite Kommune in Altmühlfranken.

Gerne mehr Leute

Eigentlich sollte die Sicherheitswacht auch in Gunzenhausen keine rein männliche Angelegenheit sein, und nach der ersten Bewerbungsrunde war tatsächlich auch eine Frau mit von der Partie. Doch die musste nach kurzer Zeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, bedauert Polizeichef Eckert, der die Riege seiner Ehrenamtlichen gerne verstärken würde: "Sechs Leute wären eine gute Anzahl."

Dem allerdings standen bislang die beträchtlichen Anforderungen an die Mitglieder der Sicherheitswacht entgegen: "Wir suchen immer noch Verstärkung", sagt Harald Eckert, "und wir haben auch immer noch Bewerber. Aber die Messlatte liegt hoch, und so haben wir bislang lieber verzichtet." Er sei froh, dass er "zwei sehr fleißige und zuverlässige Leute" habe, aber man könne für eine solch anspruchsvolle Aufgabe schließlich "nicht jeden nehmen".

Monatlich gibt er seinen Sicherheitswachtlern zehn bis zwölf Termine vor, aus denen sie diejenigen aussuchen, die sich in ihren Alltag einbauen lassen. So kommen Ralf Eckert und Harald Hampl auf jeweils "rund drei bis sechs Stunden pro Woche", sagt Ralf Eckert. Ums Geld kann es den beiden dabei nicht gehen: Acht Euro Entschädigung erhalten sie für ihren Dienst pro Kopf und Stunde, bezahlt werden die vom Freistaat.

Brenzlige Situationen haben sie in den ersten sechs Monaten ihres Dienstes, in denen sie, neben 40 Stunden Ausbildung, jeweils etwa 120 Stunden Dienst absolvierten, noch nicht. Einmal mussten sie am Bahnhof einen Platzverweis aussprechen, einmal konnten sie einem hilflosen Betrunkenen am Marktplatz erste Hilfe leisten. Wobei Ralf Eckert dabei sein Hauptberuf besonders zugute kam: Er ist seit 27 Jahren als Rettungsassistent beim BRK in Gunzenhausen tätig.

Vor allem präventiv tätig

Die Kriminalitäts-Zahlen in Gunzenhausen seien heuer "deutlich rückläufig", sagt Harald Eckert. Und er glaube, dass die Sicherheitswacht "dazu ein bisschen beiträgt", formuliert er vorsichtig weiter. Die beiden Ehrenamtlichen seien ja vor allem präventiv tätig und wirkten durch ihre Präsenz: "Und das funktioniert."

"Wenn die uns sehen, gehen sie stiften", formuliert es Ralf Eckert etwas burschikoser. "Und so kommt es erst gar nicht zu einer Straftat." Bislang hätten sein Partner und er noch keine Probleme im Dienst gehabt, seien also beispielsweise noch nie angepöbelt worden. Sein Eindruck: "Die Leute sind froh, dass wir in der Stadt unterwegs sind."

Rückmeldungen dieser Art erreichen auch das Gunzenhäuser Rathaus. Rathaus-Chef Fitz jedenfalls ist nach wie vor ein Fan der Sicherheitswacht, zumal er aus der Bevölkerung "keinerlei negative Stimmen" vernommen habe, wie er sagt. Im Gegenteil: "Wir bekommen ein sehr, sehr positives Feedback." Aus den genannten "Brennpunkten" jedenfalls seien "keine Beschwerden mehr gekommen".

Für Harald und Ralf Eckert eine schöne Bestätigung ihres Engagements. Der Mann von der Sicherheitswacht will übrigens ausdrücklich "kein Hobby-Polizist" sein, sondern bezeichnet seine Tätigkeit schlicht und einfach als "schönes Ehrenamt". Er habe in seinem Brotberuf als Rettungsassistent mit Menschen zu tun und habe "vielleicht ein Helfersyndrom", sagt er schmunzelnd. "Man möchte was Gutes tun", bringt er seine Motivation auf den Punkt. "Jedenfalls versucht man es."

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