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Gunzenhäuser Luftraum fest in Adebars Hand

In der Altmühlstadt leben so viele Störche wie schon lange nicht mehr - 23.06.2020 06:07 Uhr

Eine gute Sicht auf ihre Nahrungsflächen bevorzugen Störche bei der Wahl ihres Domizils. Deshalb sind die Dächer rund um den Marktplatz bei Meister Adebar auch so beliebt. Aktuell sind sechs Paare in Gunzenhausen beheimatet. © Marianne Natalis


Tatsächlich tummeln sich gerade sechs Storchenpaare in der Innenstadt, allerdings haben nur vier von ihnen ein festes Domizil. In den althergebrachten Nestern beim Storchenfischer und auf dem Lehner-Kamin werden jeweils drei Junge versorgt, sie sind laut Bernhard Langenegger bereits kurz davor flügge zu werden, in zwei weiteren Nestern an der Promenade (2) und auf dem Steingass-Dach (3) werden die Altvögel ihre Nachkommen wohl noch etwas länger versorgen müssen. Denn dort mussten die Störche das Nest erst bauen, bevor es ans Eierlegen ging.

Ein weiteres Pärchen hatte sich die Stadtkirche als Domizil ausgesucht und dort eifrig am Horst gebaut. Auch hier schlüpften drei Jungvögel aus den Eiern, allerdings fegte eine heftige Boe den Horst vom Dach (wir berichteten). Storchenexperte Langenegger vom Bund Naturschutz, der auch ehrenamtlich als Beringer für die Vogelwarte Radolfzell tätig ist, konnte damals wenigstens ein Jungtier bergen und in die Auffangstation des Nürnberger Tiergartens bringen. Das Tier hat mittlerweile gut zugenommen, weiß Langenegger im Gespräch mit dem Altmühl-Boten zu berichten. Wenn es groß genug ist, wird es rund um Gunzenhausen ausgewildert.

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Luftraum fest in Meister Adebars Hand

In Gunzenhausen gibt es derzeit so viele Störche wie schon lange nicht mehr. Sechs Paare tummeln sich in der Kernstadt, vier von ihnen ziehen Nachwuchs groß. Entsprechend viel Flugverkehr herrscht über Marktplatz, denn Meister Adebar ist schwer damit beschäftigt, Futter für die Jungen heranzuschaffen.


Herr und Frau Storch hielten nach dem tragischen Vorfall stundenlang Wache auf dem Kirchendach und auch heute noch kommen die beiden großen Vögel immer wieder an den Sims zurück (siehe weiterer Bericht auf dieser Seite). Ein so plötzlicher Verlust ihres Horsts samt ihrer Brut wirft auch Störche durchaus aus der Bahn, erzählt Langenegger. Ihnen fehlt von jetzt auf gleich ihre Aufgabe.

Das letzte Storchenpaar wollte sich auf einem Gebäude am Hafnermarkt niederlassen. Bis das richtig aufgefallen ist, war das Nest schon weit gediehen. Allerdings ist der Schornstein, den sich Meister und Meisterin Adebar als Basis ausgesucht haben, noch in Betrieb. Die Eigentümergemeinschaft erwirkte deshalb bei der höheren Naturschutzbehörde die Erlaubnis, das Nest zu entfernen. Die zwei Störche sind aber hartnäckig und starten laut Langenegger immer wieder neue Versuche, dort einen Fuß auf den Boden, beziehungsweise ein Nest aufs Dach zu bekommen.

Freie Sicht auf Altmühlwiesen

Die Dächer rund um den Marktplatz sind deshalb so beliebt bei den Störchen, weil sie ihnen freie Sicht von und auf ihre Nahrungsflächen – die Altmühlwiesen – bieten. Wenn Störche brüten beziehungsweise Junge versorgen, wollen sie sich nicht zu weit von ihrem Nest entfernen, erläutert Inhaber des Gunzenhäuser Bioladens "Mundart". Denn immer wieder kommt es vor, dass fremde Storchenmännchen versuchen, das gemachte Nest zu erorbern. Da muss man im Zweifel der Gattin schnell zu Hilfe eilen können.

Heute kann man es kaum glauben, aber tatsächlich stand es in den 1980er Jahren sehr schlecht um die Störchen in Bayern. Nur noch 50 Paare brüteten damals im Freistaat, mittlerweile sind es weit über 500. Die Art erhält sich wieder selber, der LBV hat deshalb sein Schutzprogramm für Meister Adebar eingestellt.

Um diese Jahreszeit verbringt Bernhard Langenegger viel freie Zeit in luftigen Höhen und beringt die Jungstörche. Unterstützt wird er dabei in der Regel von den Feuerwehren, die über eine Drehleiter verfügen. In Weißenburg und Treuchtlingen ist dies bereits geschehen, in Gunzenhausen allerdings fällt die Aktion heuer aus. Das Ordnungsamt hat mit einem entsprechenden Beschluss auf ein Schreiben der Vogelwarte Radolfzell reagiert, wonach man auf das Beringen durchaus ein Jahr verzichten könne, um in Coronazeiten die öffentlichen Träger nicht zusätzlich zu belasten. In und um Gunzenhausen sind die Rothelme normalerweise auch ganz schön beschäftigt: Von Haundorf bis Meinheim wird in rund 20 Nestern Storchennachwuchs aufgezogen. Wesentlich mehr als in Weißenburg (6) und Treuchtlingen (4).

Wenn man Meister Adebar aus einer Notlage retten muss, dann stehen die Floriansjünger aber auch heuer Gewehr bei Fuß. Wie jüngst in Ehlheim. Dort hatte ein Pärchen in Eigenbau einen Horst auf einem landwirtschaftlichen Dunstabzugskamin gebaut, nun war ein Teil der Unterlage abgebrochen. Mit Hilfe der Drehleiter der Gunzenhäuser Wehr fand Langenegger drei Junge in dem beschädigten Nest vor. Auch sie wurden in die Aufnahmestation des Tiergartens gebracht.

"Brutplatztreue" Vögel

Haben Störche übrigens erst einmal einen Bruterfolg verbucht, so kehren sie immer wieder an den Ort des Geschehens zurück. "Brutplatztreu" nennt das der Experte. Langenegger geht deshalb davon aus, dass die Kirchenstörche weiterhin versuchen werden, dort ein Nest zur errichten.

Von Oettinger Zuständen ist die Altmühlstadt aber noch weit entfernt und wird diese nach Einschätzung von Langenegger wohl auch so schnell nicht bekommen. In der Stadt am Rande des Ries haben sich mittlerweile sage und schreibe 20 Storchenpaare häuslich eingerichtet. Den ungewöhnlich großen Andrang führt der Strochenexperte auf das große Nahrungsangebot zurück, das Meister Adebar rund um Oettingen findet. Dort sei es doch etwas ländlicher als in Gunzenhausen.

Die Jungstörche beim Storchenfischer und auf dem Kamin der ehemaligen Mälzerei Lehner sind vermutlich bereits zu groß, um sie noch zu beringen. Bei den anderen beiden Nestern würde sich diese Aktion aber noch lohnen, denkt Langenegger. Rund 120 Euro wären für der Einsatz fällig, sagt Langenegger. Bisher hat sich nach seinen Worten aber noch niemand gefunden, der für die Kosten aufkommen möchte.

 

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