Technik soll modernisiert werden

Hitzige Debatte: Der Bahnübergang bei Laubenzedel soll bleiben

24.6.2021, 06:01 Uhr

© Wolfgang Dressler, NN

Die Bahn will den Bahnübergang auflösen und stattdessen die Kreisstraße WUG 22 mit einer monströsen Brücke über die Gleise hieven. Der Landkreis hatte bislang einen Grundsatzbeschluss, dass in einem solchen Fall die Straße unter den Schienen hindurch zu führen ist. Das Problem: Das wäre baulich sehr aufwendig, und den Aufpreis von rund 25 Millionen Euro müsste der Landkreis tragen.

Dann gibt es noch die Idee, den Bahnübergang zu belassen und lediglich technisch aufzurüsten – was aber die Bahn nicht will. Außerdem wabert noch der Vorschlag von Dr. Werner Winter (Freie Wähler) durch den Raum, die WUG 22 auf eine andere Trasse zu legen. Statt nach Schlungenhof sollte sie Richtung Süden nach Gunzenhausen entlang der Bahngleise führen. Für Fußgänger und Radfahrer sollte eine Überquerung der Bahnlinie aber möglich bleiben, damit Touristen wie Einheimische eine schnelle Verbindung zum Altmühlsee behalten.

Winters Idee vom Tisch

Winters Idee ist allerdings mehr oder weniger vom Tisch. Der Kreisausschuss erteilte ihr gegen die Stimmen der beiden Freien Wähler im Gremium (Josef Miehling und Alfred Maderer) eine klare Absage. Auch der Antrag der ÖDP, der gleich den Klageweg vorsah, sollte die Bahn am Bau der Straßenbrücke festhalten, und außerdem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zum Vor-Ort-Termin einladen wollte, wurde klar abgelehnt.


Keine höhengleichen Bahnübergänge mehr zwischen Gunzenhausen und Laubenzedel?


Einstimmig beschloss der Kreisausschuss, den alten Grundsatzbeschluss von 2018 aufzuheben, dass man auf einen Tunnel für die Straße bestehe. Damit sind auch die 25 Millionen Euro an Kosten für den Landkreis vom Tisch.

Stattdessen soll die Lösung nun ein Erhalt des Bahnübergangs mit einer Modernisierung der Technik sein. Dagegen stimmten Josef Miehling, Alfred Maderer und Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (CSU). Es handelt sich um Empfehlungsbeschlüsse, letztendlich entscheidet der Kreistag.

Rückendeckung aus Ansbach

Ein bisschen Rückendeckung für diese Variante gab es von der Regierung von Mittelfranken, wie Kreisbaumeister Markus Gläser ausführte. Bislang hatte die Bahn gesagt, die Kreuzungen müssten aufgelöst werden, die Regierung hat dies nun relativiert. Die Vorgabe, dass die Schließzeiten nicht länger als vier Minuten zu sein haben, sei nur eine Soll-Bestimmung, zitierte Gläser. Außerdem sei für die von der Bahn gewünschte Brücke ein Raumordnungsverfahren erforderlich, und in diesem müsste die Bahn darlegen, warum es aus ihrer Sicht keine andere Lösung für das Problem gibt.

Die Debatte im Kreisausschuss wurde mitunter hitzig geführt. Vor allem Reinhard Ebert (ÖDP) und Dr. Werner Winter (Freie Wähler), der als Zuhörer an der Sitzung teilnahm, gingen sich heftig an und beschuldigten sich gegenseitig der Falschaussage.

Ebert war es auch, der gleich zu Beginn eine Sitzungsunterbrechung beantragte, um einen gemeinsamen Antrag zu formulieren. Das wäre aus seiner Sicht ein klares Signal an die Bahn. Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel (SPD) konnte dem zwar etwas abgewinnen. Doch in der Abstimmung über den Antrag zur Geschäftsordnung stand Ebert alleine da.

Bürgermeister Fitz schert aus der CSU-Linie aus

Letztendlich wäre als gemeinsame Linie ohnehin nur ein "Minimalkompromiss" möglich, hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Mathias Hertlein argumentiert. Das wäre eben der Verzicht auf die sogenannte Eisenbahnüberführung. Und den gab es ja schon in Form des CSU-Antrags.

CSU-Fraktionsvorsitzender Alexander Höhn betonte vor allem, dass sich seit 2018 die Situation grundlegend geändert habe. Aus Sicht der CSU sei es wichtig, die Aspekte Sicherheit, Kosten, Nachhaltigkeit und Umwelt unter einen Hut zu bringen. Das wäre mit einer technischen Modernisierung und der Beibehaltung eines Bahnübergangs zu erreichen, so die Mehrheitsmeinung in der CSU.

Aus dieser Phalanx scherte Bürgermeister Fitz aus. Er verwies darauf, dass die Bahn plane, mehr Züge auf der Strecke fahren zu lassen. Aktuell sind es 157 am Tag. Die Bahnschranke bleibt für jeden von ihnen bis zu fünf Minuten geschlossen. Er rechnete vor, dass bei 200 Zügen und einer durchschnittlichen Schließzeit von nur drei Minuten die Schranke jeden Tag zehn Stunden unten wäre. Das sei nicht nur ein Problem für den Rettungsdienst, sondern auch für die Umwelt. Schließlich ließen die meisten Autofahrer trotz Wartezeit den Motor laufen.

Halbstundentakt geplant

FW-Fraktionsvorsitzender Josef Miehling war bekanntlich früher selbst bei der Bahn beschäftigt und versuchte einmal mehr, seinen Kreistagskollegen deutlich zu machen, dass ein bisschen neue Technik nicht automatisch die Schließzeiten verkürzen wird: "So einfach ist das nicht."

Außerdem sei geplant, die Taktung auf der Strecke zwischen Würzburg und Treuchtlingen von einer auf eine halbe Stunde zu verkürzen. Und auch der Gütervekehr soll aufgestockt werden. Das wird dazu führen, dass deutlich mehr Züge auf der Strecke unterwegs sein werden. Und zu guter Letzt erinnerte Miehling daran, dass Bahnübergänge gefährlich seien und es dort immer wieder schlimme Unfälle gebe.

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