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Samstag, 25.01.2020

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Immensen Flächenverbrauch angeprangert

Die Gegner der geplanten Umgehung von Schlungenhof bekräftigen ihre Linie mit einer Kundgebung am Ortseingang von Laubenzedel. - 13.01.2020 06:36 Uhr

Das Gruppenbild zum Abschluss gehört bei den Gegnern der Schlungenhöfer Umfahrung zur Tradition. Das Bild zeigt nur einen Teil der Teilnehmer. Auf Einladung der ÖDP waren viele zu der Kundgebung gekommen. Für den Abend war eine Informationsveranstaltung in Gunzenhausen anberaumt worden. Auch dort wurde vorsichtiger Optimismus für den Bürgerentscheid am Sonntag laut. © Wolfgang Dressler


Dazu hatte die ÖDP eingeladen. Sie hat beim Bürgerbegehren die Federführung. Auf der Kundgebung am Ortseingang und später am Bahnübergang hielten sich die ÖDP-Vertreter aber eher zurück, die Hauptreden kamen von Tom Konopka, Regionalreferent des Bund Naturschutz für Mittel- und Oberfranken, und Gerhard Meyer, dem Sprecher der IG Laubenzedel. Die Moderation übernahm Norbert Ellebracht (IG Laubenzedel und BN Gunzenhausen).

Von besonderem Interesse war, was der in Nürnberg lebende Konopka zu sagen hatte. Der Bund Naturschutz ist ein überparteilicher, professioneller Verband, der schon manche juristische Auseinandersetzung zu Straßenbauprojekten geführt hat. Auch im Fall B 13/Schlungenhof erscheint das vorstellbar. Der BN-Vertreter sprach von vermeidbarem Flächenfraß, Landschaftsverschandelung und Energievergeudung. Er lehne die Baupläne grundsätzlich ab und unterstütze das Bürgerbegehren.

Von der Größe Nürnbergs

Der Flächenfraß in Bayern sei neben der Klimakrise das größte ungelöste Umweltproblem. Jeden Tag gingen allein in Bayern zehn Hektar verloren (in ganz Deutschland 55 Hektar). Alle drei Jahre würde so im Freistaat eine Fläche von der Größe des Nürnberger Stadtgebietes verbaut und versiegelt. Haupttreiber sei der Bau von Wohnhäusern, vor allem getrieben durch den Straßenbau, weil dieser zu einer weiteren Trennung der Funktionen Wohnen/ Arbeiten/Versorgung beitrage. Die Bundesregierung wolle hier nach und nach eine Senkung auf national weniger als 30 Hektar/Tag erreichen. Alle anderen Bundesländer setzten dieses Ziel bereits um, nur Bayern stagniere auf hohem Niveau, sei weiterhin Spitzenreiter beim Flächenfraß. Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger habe zwar die Parole von maximal fünf Hektar/Tag bis 2030 ausgerufen, setze dabei auf die Freiwilligkeit der Kommunen, was schon in der Vergangenheit nicht geklappt habe. Und von staatlichen Planungen für Bundes- und Staatsstraßen sei in seiner "Flächensparoffensive" nirgends die Rede.

Tom Konopka sah Umfahrungen wie Schlungenhof, Merkendorf oder Dietfurt als völlig falsches Signal. Hier müssten die Staatlichen Bauämter "endlich umdenken". Bei der Schlungenhof-Umfahrung – Umgehung sei das falsche Wort, da niemand auf der Trasse gehen würde – liege der Flächenverbrauch bei der favorisierten Variante bei vier Hektar. Alle anderen Varianten würden noch mehr benötigen, das Landschaftsbild noch mehr verändern und alle Fahrwege erheblich länger machen. Einzig der Wille zu der Erhöhung des fließenden Verkehrs und der Zuführung von zusätzlichem Verkehr mit all seinen Problemen sei hier spürbar. Das Ziel einer zukunftsweisenden Straßenführung, die den Flächensparwillen der Politik abbilde und einen Beitrag zum Umweltschutz leiste, sei nicht erkennbar.

Der BN stehe für den Erhalt der Natur, des Artenschutzes und des Landschaftsbildes. Eine Umfahrung hätte negative Folgen für die hier typische Vogelwelt, für Flora und Fauna der Auenlandschaften und für das Touristengebiet Altmühlsee allgemein. Sie wäre "ein Anschlag auf ein Sahnestück der Region für den sanften Tourismus".

Norbert Altreuther von der BN-Kreisgruppe Ansbach ergänzte, im Landkreis Ansbach sei der Flächenverbrauch besonders hoch, und hier bestünden viele Pläne für Ortsumfahrungen, etwa im Raum Dinkelsbühl. Und im Fall von Merkendorf, wo das Planfeststellungsverfahren laufe, habe sich sein Verband gegen eine Verlegung der B 13 ausgesprochen. Dort wolle der Bund eine 2500 Meter lange neue Straße, während die jetzige Straße 750 Meter lang sei. Ein Votum der Gunzenhäuser gegen die Umgehung Schlungenhof hätte sicherlich Wirkung in den Ansbacher Raum hinein.

Die nahe Laubenzedel gezeigten Plakate ließen nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Hier wurde gegen eine Verlegung der B 13 „getrommelt“. © Wolfgang Dressler


ÖDP-Kreisvorsitzender Reinhard Ebert erinnerte an die seinerzeitigen Pläne für die Holzbauer-Trasse. Alle paar Jahre komme das Thema Schlungenhof wieder hoch. Dabei sei klar: Es gäbe wenig Nutzen für einen wahnsinnig großen Aufwand, so etwas könne er nur als krasses Missverhältnis bezeichnen. Es gelte: Was man heute an Straßen nicht baue, brauche man später nicht zurückzubauen. Im Übrigen habe die Holzbauer-Trasse eine andere Zielrichtung gehabt, nämlich über die Staatsstraße 2222 nach Pleinfeld. Norbert Ellebracht lobte Ebert dafür, dass dieser beim Bürgerbegehren einige Steine aus dem Weg geräumt habe. Das Bürgerbegehren selbst sei ein "Geniestreich", so Ellebracht.

 Gerhard Meyer, Sprecher der IG Laubenzedel, wies darauf hin, dass für eine Verlegung einer Bundesstraße klare, hohe Anforderungen gälten. Das reiche von der Erforderlichkeit über die plausible Linienführung bis zum Nutzen für die Allgemeinheit. Ein Schutz der Bürger von Schlungenhof gerade vor Lärm sei durchaus wünschenswert, da ließe sich aber auch einiges erreichen, wenn die Ortsdurchfahrt bleibe. Eine neue B 13 würde massiv den Artenschutz beeinträchtigen – da könne er nur die Note sechs vergeben. Aus dem jüngsten Vorschlag der CSU-Stadträte lese er Angst und Verzweiflung heraus. Meyer forderte die CSU auf, endlich mit der "Trickserei" aufzuhören.

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