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Interview mit einem Freimaurer: "Wir nehmen keine Nazis"

Bund feiert am Samstag 300-jähriges Jubiläum - 24.06.2017 06:00 Uhr

Was treiben Freimaurer in Logen, wie dem dem Fürther Tempelhaus wirklich? (Symbolbild)

03.02.2017 © Hans-Joachim Winckler


Herr Zahn, warum sind Sie am Samstag nicht in Hannover, wo die Gründung der ersten Loge 1717 in London gefeiert wird?

Hans Zahn: Wir haben in Ansbach Johannisfest. Da findet unsere Wachablösung statt. Ich bin jetzt seit sechs Jahren Meister vom Stuhl, nun übergebe ich den Hammer an meinen Nachfolger.
 
Wer ist das?

Zahn: Wir haben die Regel, dass jedes Mitglied nur von sich selbst preisgeben darf, ob er Freimaurer ist. Ich müsste also erst fragen, ob ich Ihnen den Namen nennen kann. Ich selbst gehe damit offen um, in Bechhofen weiß fast jeder Bescheid.
 
Wie wurde der neue Meister bestimmt?

Zahn: Er wurde von den Brüdern gewählt. Meistens kristallisiert er sich aber schon vorher heraus. Das ist ja auch ein Posten, den nicht jeder haben will, denn er ist mit viel Arbeit verbunden. Wir sind froh, dass wir einen Nachfolger gefunden haben.
 
Gibt es Nachwuchssorgen?

Zahn: Nein, wir liegen konstant bei etwa 40 Mitgliedern. Pro Jahr haben wir etwa drei bis vier Neuzugänge. Mehr schaffen wir auch nicht, weil jeder Neue integriert werden muss - wir wollen hier ja Brüder und Freunde bleiben. Langfristig wären aber 50 bis 60 Mitglieder schön, dann sind auch die Ämter leichter zu besetzen. Ab 80 wird es zu viel, ab dieser Größenordnung sollte eher eine neue Loge gegründet werden. Es wird sonst zu unübersichtlich, der persönliche Kontakt nimmt ab.
 
Wie alt sind Ihre Jungen?

Zahn: Mein Nachfolger ist knapp 40, das normale Eintrittsalter liegt bei etwa 35 bis 40. Die Leute sind meist beruflich und familiär etabliert, bevor sie sich für uns interessieren. 18-Jährige haben eher noch nicht die Reife, um aufgenommen zu werden. Ein formales Mindestalter gibt es aber nicht.
 
Machen Sie Werbung?

Zahn: Nein, die Interessenten müssen uns suchen und werden dann vielleicht eingeladen, uns kennenzulernen. Die Annäherung dauert mehrere Monate. Schließlich müssen sie sich aktiv um die Aufnahme bemühen und einen Antrag stellen. Wir fragen von uns aus niemanden.
 
Sie haben sogar eine Internetseite. "Geheim" wirkt das nicht.

Zahn: Es ist leichter geworden, Logen zu finden, wenn man neu in einer Stadt ist. Das Internet hilft. Zu meiner Zeit kam ich zufällig über einen Lieferanten, mit dem ich schon länger über Gott und die Welt geredet hatte, zu den ersten Treffen. Mit Facebook fange ich aber nicht mehr an, das kommt dann eventuell unter meinem Nachfolger. Möglich wäre es, nur dürfen dadurch nicht die Namen unserer Mitglieder bekannt werden.
 
Wenn man Sie denn gefunden hat - gibt es Aufnahmekriterien?

Zahn: Die Neuen müssen freie Männer sein - das heißt, sie sollten auch frei von Vorurteilen sein. Einen Nazi nehmen wir nicht.
 
Also könnte auch ein Flüchtling aus Syrien Freimaurer werden?

Zahn: Ja, freilich! Wir haben in Ansbach auch schon einen syrischen Bruder, der schon lange in Deutschland lebt. Ein Kurde ist bei uns Mitglied, ein Kroate, ein Türke ist Gast. Wir haben drei jüdische Brüder, zwei Muslime, die anderen sind katholisch, evangelisch oder konfessionslos. Religion und Parteibuch spielen bei uns keine Rolle, wir fragen auch nicht danach.
 
Trotz dieser Offenheit dürfen aber keine Frauen in Ihren Club.

Zahn: Es gibt einige  gemischte Logen und es gibt reine Frauenlogen, zum Beispiel in Fürth. Ich sage schon lange, dass wir nicht die Hälfte der Menschheit ausschließen können. Das ist mit unseren Werten, die auf der Aufklärung beruhen, nicht vereinbar. Allerdings ändert die Anwesenheit von Frauen auch die Diskussionsatmosphäre bei unseren Treffen, es wäre dann vielleicht nicht so offen. Es ist uns aber sehr wichtig, dass sich alle Brüder aussprechen können. Alles bleibt unter uns.
 
Bei Ihnen wird viel diskutiert. Was machen Sie sonst noch so?

Zahn: Wir treffen uns einmal pro Woche. An manchen Abenden machen wir sogenannte Tempelarbeit, da geht es um Rituale, um Aufnahme neuer Mitglieder oder Beförderungen. Es gibt aber auch reine Clubabende, an denen wir ungezwungen reden. Und dann gibt es Abende mit festen Themen. Aktuell sprechen wir über "Schönheit", da werden zum Beispiel Vorträge von Architekten oder Buchdruckern gehalten.

Symbole der Freimaurer: Winkelmaß und Zirkel. 1717 wurde in London die erste Loge gegründet.

07.02.2017 © Klaus-Dieter Schreiter



 
Sind das typische Freimaurer-Berufe?

Zahn: Wir haben natürlich klassische Steinmetze, aber auch normale Angestellte, Elektriker, Gärtner, Zeitungsredakteure. Einer arbeitet bei der Lebenshilfe, ein anderer ist Antennenbauer. Beamte sind auch dabei. Wir sind ein Querschnitt der Gesellschaft. Das merkt man auch bei den Diskussionen: Manche sind eher Wortführer, andere zurückhaltender. Jeder darf aber ausreden und offen seine Meinung sagen.
 
Vertreten Sie nach außen gemeinsame Positionen?

Zahn: Nur unsere Grundwerte wie Toleranz und Menschlichkeit, ansonsten sind wir als Verein unpolitisch. Jeder spricht im Alltag als einzelner Bürger. Ein aktuelles Beispiel: Wir sind uns in der Loge einig, dass man Flüchtlinge nicht im Mittelmeer ertrinken lassen oder als Menschen zweiter Klasse behandeln darf. Bei der Frage, ob und wie viel abgeschoben werden soll, gehen die Meinungen auch bei uns auseinander.
 

Bilderstrecke zum Thema

Freimaurer in Fürth: Zwischen Mystik und Humanität

Freimaurer umweht immer auch ein Hauch des Geheimnisvollen. Diese Bilder nehmen Sie mit auf einen Weg durch das Fürther Logenhaus und offenbaren viel Wissenswertes zur Freimaurerei.


Noch eine Laienfrage: Wenn Sie auf der Straße einen Freimaurer treffen, grüßen Sie sich auf spezielle Weise?

Zahn: Man sieht es den Leuten ja nicht an. Wenn ich meine Brüder treffe, grüße ich sie ganz normal. Besuche ich aber eine fremde Loge, muss ich mich schon durch bestimmte Codes als Freimaurer zu erkennen geben.

Daniel Hertwig E-Mail

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