Sonntag, 25.10.2020

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Ist Center Parcs nachhaltig? Die ÖDP sagt Nein

Ökopartei erneuert ihre scharfe Kritik an geplanter Ferienanlage bei Langlau - 15.10.2020 16:33 Uhr

Kilian Welser, Mitglied im ÖDP-Kreisvorstand, erläuterte das Ergebnisse seiner Recherchen in Sachen Center Parcs.

© Foto: Wolfgang Dressler


Was genau damit gemeint ist, erläuterten ÖDP-Kreisrat und -Kreisvorsitzender Reinhard Ebert (der in Leutkirch mit dabei war) und sein Kreisvorstandskollege Kilian Welser nun der Presse. Sie bezogen sich dabei auf die Darstellung von CP in einer Imagebroschüre, die an die Haushalte in Altmühlfranken verteilt wurde, und auf das, was CP im Internet zu dem geplanten Freizeitpark am Brombachsee mitteilt (www.centerparcs-fränkisches-seenland.de). Was dort an Fakten zu lesen sei, könne und dürfe man teilweise nicht so stehen lassen, betonten die ÖDP-Vertreter. So spreche Center Parcs von einem einzigartigen, ausgezeichneten und vorbildlichen Nachhaltigkeitskonzept, was durch diverse Umweltzertifikate belegt sei. Die Wirklichkeit sehe jedoch anders aus, so Kilian Welser.

Nur eine Absichtserklärung unterschrieben

Center Parcs wolle nach eigenen Angaben in mehreren Anlagen durch den WWF (World Wide Fund for Nature) und durch die DGBN (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) zertifiziert sein. Dem stehe die Aussage eines WWF-Managers entgegen, wonach der WWF selbst gar keine Zertifizierungen vergebe und mit Center Parcs nur im Rahmen des WWF-Kinderprogramms zusammenarbeite.

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Zu Besuch in Leutkirch: So könnte ein Center Parc am Brombachsee aussehen

Der "Center Parcs Park Allgäu" wurde im Oktober 2018 eröffnet und umfasst 1000 Ferienhäuser verschiedener Ausstattung und Größe. Auf über 180 Hektar erstreckt sich das Feriendorf, das 350 Millionen Euro kostete. Wie das Areal bei Langlau handelt es sich um eine ehemalige Munitionsanstalt. Auch deshalb kann man ihn als Vorbild für eine Center Parcs-Anlage auf dem Muna-Gelände am Brombachsee sehen.


Und nach Rücksprache mit der DGBN sei klar, "dass es nur einen Park gibt, der eine Vorzertifizierung hat. Der neueste Park in Leutkirch hat 2017 eine Absichtserklärung unterschrieben und hat ein Zertifikat angestrebt. Weiter geschah nichts", so die Erkenntnisse der ÖDP. Welser wie Ebert folgern, dass es im Fall von Leutkirch vermutlich nie zur endgültigen Zertifizierung durch DGBN kommen werde.

Zertifikate sind abgelaufen

Center Parcs werbe in besagter Broschüre auch mit dem Umweltstandard ISO 14001 und ISO 50001. Beide Zertifikate seien jedoch vor Kurzem abgelaufen. Der Park in Leutkirch sei noch nie zertifiziert gewesen. Welser: "Das abgelaufene Zertifikat liegt uns vor und kann gern auf Anfrage eingesehen werden." Er führte hier auch den TÜV Süd an. Die Recherchen der ÖDP hätten ergeben, dass der TÜV kein Zertifikat oder Ähnliches an CP vergeben habe.

Mittlerweile habe das Unternehmen reagiert und seine Umweltziele reduziert. Von den Ökosiegeln stehe nun nur noch das ISO-Zertifikat auf der Website, welches aktuell aber abgelaufen sei. Von einer erfolgten WWF-Zertifizierung oder einer DGNB-Zertifizierung sei auf der Homepage von Center Parcs keine Spur mehr zu finden, nur noch eine Kooperation mit den Juniorprogramm von WWF.


Leutkircher sind von Center Parcs überzeugt


Es müsse bei dieser Sachlage die Frage erlaubt sein, ob Center Parcs mit seinen Behauptungen die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger im Fränkischen Seenland täuschen wolle und so Etikettenschwindel betrieben habe. Das angeblich stimmige Bild zeige jedenfalls Risse, da könnten die CP-Manager, an der Spitze Frank Daemen, noch so smart auftreten.

ÖDP hinterfragt Klimaneutralität

Die ÖDP-Vertreter gehen weiterhin davon aus, dass ein solcher Freizeitpark mit Hunderten von Feriénhäusern und der riesigen zentralen Anlage mit einem großen Schwimmbad in der Mitte nicht nachhaltig und klimaneutral betrieben werden könne. Das gelte für Strom, Wärme, Wasser, Abwasser, Verkehr und nicht zuletzt für den gewaltigen Ressourcenverbrauch durch den Bau der Anlage.

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Center Parcs baut im Seenland: Fragen und Antworten

Der Kreistag Weißenburg-Gunzenhausen und der Zweckverband Brombachsee luden zur Infofahrt. In Leutkirchen besichtigte man den jüngsten Center Parc und bekam einige Antworten auf brennende Fragen, was die umstrittene Ansiedlung eines neuen Center Parcs am Brombachsee betraf. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie gesammelt:


Auch was die angebliche Schonung des vorhandenen Waldbestands angehe, dürfe man sich nicht täuschen lassen. CP habe angegeben, dass in Leutkirch 30 Prozent der Fläche gerodet worden seien. Er glaube nicht, dass das ausgereicht habe, unterstrich Reinhard Ebert. Man müsse, auch in Langlau, von eher dünnen stehen bleibenden Waldsäumen ausgehen, die nicht stabil seien und durch Wind und Trockenheit massiv leiden würden.


Früherer Förster halt Muna-Wald für ökologisch bedeutend


Dass ein Center Parc der entscheidende Faktor für einen Aufschwung des Tourismus im Seenland wäre, dürfe man getrost bezweifeln. Die vorhandenen Betriebe erfreuten sich einer gestiegenen Auslastung, auch das gehöre, neben der in den letzten Jahre gesunkenen Bettenzahl, zur Wahrheit. Der Tourismusverband habe mehrmals von glänzenden Zahlen berichtet. Es gebe keinen Grund, sich das Gebiet jetzt schlechtreden zu lassen. Urlaub im Seenland sei jederzeit möglich, da brauche man keine "Kunstwelt", wie es ein Center Parc darstelle. Und ob CP tatsächlich vor Ort viele Steuern zahle, das stehe wahrlich nicht fest, wenn man an die Verflechtungen des Konzerns mit seinen vielen eigenständigen Unternehmenseinheiten unter dem groen Dach von Pierre & Vacances denke.

Bürgerbegehen möglich

Welser wie Ebert deuteten an, dass sie zu gegebener Zeit ein Bürgerbegehren in der Gemeinde Pfofeld für ein wirkungsvolles Instrument halten, um einen solchen Park zu verhindern. Dass dies gelingen könne und Widerstand Erfolg habe, habe sich nun in Frankreich gezeigt. CP habe eine Anlage in Roybon in der Nähe von Lyon bauen wollen. Proteste und gerichtliche Verfahren hätten den Bau verhindert, obwohl es bereits erste Rodungen gegeben habe.

Am liebsten wäre es der ÖDP weiterhin, wenn die Bundesrepublik sich selbst um die Entfernung der Altlasten auf dem Muna-Areal kümmern würde. Der Staat sei hier eindeutig zuständig und dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen, indem er diese Aufgabe einer Privatfirma überlasse.

Den CP-Aussagen stellt die ÖDP eine eigene Website entgegen: www.stopp-centerparcs-brombachsee.de.

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