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Kundgebung in Langlau: An Wackersdorf erinnert

Rund 300 Fahrradfahrer protestierten am Sonntag gegen Center Parcs - 26.04.2021 16:21 Uhr

Beeindruckende Kulisse: Rund 300 Center Parcs-Kritiker demonstrierten vor dem Muna-Tor gegen den Bau der Feriensiedlung auf dem seit Jahrzehnten abgeriegelten Gelände.

26.04.2021 © Foto: Jürgen Eisenbrand


Und die gab sich – wie auch die Redner – zuversichtlich-kämpferisch, die 350-Millionen-Euro-Investition verhindern zu können. Motto der Kundgebung: "Bunt und laut gegen Center Parcs und die Zerstörung des Muna-Waldes".

Von einem "schwachsinnigen Projekt" war da die Rede, und dass "wir den Wald verteidigen werden". Davon, dass man als Gegner des Feriendorfes "die Werbung von Center Parcs nicht mehr hören" könne, dass der Urlaubskonzern "nur unkritische Fragen beantworte" und die Planungen zahlreiche Widersprüche enthalte. Dafür gab es immer wieder kräftigen Beifall, mitunter empörte, gegen CP beziehungsweise die Politik gerichtete Zwischenrufe – und kurzzeitig sogar einen relativ zaghaft vorgetragenen Sprechchor: "Hopp, hopp, hopp – Center Parcs stopp!"

Erinnerungen an Wackersdorf

Angesichts dieser Szenerie fühlten sich gleich mehrere Redner um rund 35 Jahre und an den Bauzaun von Wackersdorf zurückversetzt, wo Mitte der 1980er-Jahre Großdemonstrationen gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage stattfanden – und letztlich erfolgreich waren.

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Fahrrad-Demo gegen Center Parcs

Die Bürgerinitiative "Seenland in Bürgerhand" hatte zu einer Fahrrad-Demonstration gegen die von Center Parcs geplante Ferienanlage im Muna-Wald aufgerufen und rund 300 Teilnehmer kamen. Zunächst ging es von Pleinfeld am Brombachsee entlang nach Langlau. Vor dem Haupttor zum Muna-Gelände fand dann eine Kundgebung statt. Dort lauschten die Teilnehmer - gemäß den geltenden Regeln - den Rednern mit Abstand und Maske.


Kreisrat Reinhard Ebert zeigte sich "überwältigt" von der Zahl der Radler-Demonstranten und erinnerte daran, dass damals in der Oberpfalz SPD-Landrat Hans Schuierer nach einigem Zögern "späte Einsicht" gezeigt hatte und ins Lager der WAA-Gegner gewechselt sei. Was aus dem Publikum prompt mit einem Zwischenruf quittiert wurde, dass das vom in Altmühlfranken amtierenden Landrat wohl nicht zu erwarten sei. Und der streitbare ÖDP-Politiker aus Heidenheim zitierte einen Slogan von damals, der "mir immer gut gefallen hat: ,Es kämpft sich nicht schlecht für Heimat und Recht!’"


Am 30. Mai haben die Pfofelder die Entscheidung in der Hand


Ebenfalls an den Bauzaun von Wackersdorf fühlte sich Bezirksrat Uwe Schildbach (Die Linke) erinnert: Damals allerdings seien die Bürger noch einen Schritt weitergegangen, hätten "zivilen Ungehorsam gezeigt und das Gelände besetzt". So etwas, so Schildbach, "könnte ich mir auch hier gut vorstellen". Schildbach rief die Kundgebungsteilnehmer außerdem dazu auf, am 12. Mai nach Triesdorf zu kommen, wo die CP-Pläne in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses des Bezirkstags öffentlich diskutiert werden sollen.

"Wie der Teufel das Weihwasser"

Auch wenn Corona-bedingt wohl nur wenige Zuhörer live dabei sein könnten, sollten die CP-Kritker dennoch vor den Tagungsort, das Alte Reithaus, kommen. Denn: "Politiker fürchten die Öffentlichkeit mehr als der Teufel das Weihwasser."

Für den Bund Naturschutz erklomm Karl-Heinz Schork im hautengen, lilafarbenen Radlerdress die improvisierte Rednerbühne und beteuerte zunächst, dass der BN die CP-Gegner "zu 100 Prozent unterstützt". Er forderte die Zuhörer auf, "sich von den laufenden Diskussionen nicht in die Irre führen zu lassen". Es gehe nicht darum, ob es schön sei, in einer Center Parcs-Anlage Urlaub zu machen. "Sondern um die Erhaltung des Waldes, der sich hier in den vergangenen 50 Jahren entwickelt hat", so der Weißenburger. Er habe "nichts gegen Profit", aber es sei unmöglich, "100 Hektar Wald abzuholzen und dafür einen ominösen Ausgleich zu schaffen. Wir wollen das Original erhalten!".

"Miserable" Infrastuktur

Die Grünen-Kreisvorsitzende Renate Peiffer kritisierte jene, die behaupteten, die touristische Infrastruktur sei "miserabel", weshalb der Center Parc notwendig sei. "Aber das stimmt doch nicht, wir leben in einer schönen Region, die Leute kommen gern zu uns", so die Kreisrätin aus Muhr am See.


Center Parcs stellt sein Feriendorf im Muna-Wald vor


Ihr Parteifreund, der Weißenburger Stadt- und Kreisrat Maximilian Hetzner, kritisierte die Zahlen, mit denen die Befürworter der Anlage argumentieren. Demnach verlassen nur zehn Prozent der Urlauber die Ferienanlage, was für ihn die Frage aufwerfe: "Wo bleibt dann unser Benefit? Für die wenigen Leute täte es ein Parkplatz auch!"

Der 58-Jährige ist überzeugt, dass es deutlich mehr CP-Gäste an die Seen ziehen werde, "dagegen ist unser heutiger Fahrrad-Corso pillepalle, und mit dem naturnahen Tourismus ist es dann vorbei", rief er unter kräftigem Beifall der Zuhörer. Diese Zahlen, glaubt er, würden "geschönt", weil der Tourismusverband Fränkisches Seenland, der über sinkende Bettenzahlen klagt, "den Anschluss verpasst hat. Aber dafür diesen Wald zu zerstören – das geht nicht!".

Polizei lobt "vorbildliches" Verhalten

Zum Abschluss der rund einstündigen Kundgebung, der die Radler "vorbildlich" (Gunzenhausens Polizeichef Harald Eckert) unter Einhaltung von Sicherheitsabständen und mit Schutzmasken folgten, bekräftigte BI-Vorstand Johannes Riedl noch einmal, dass ein Center Parc samt "energieintensivem Spaßbad direkt neben einem See nicht in unsere Zeit passt". Der Parc bringe nicht das, was versprochen werde, "und für uns Einheimische geht der See endgültig verloren".

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Zu Besuch in Leutkirch: So könnte ein Center Parc am Brombachsee aussehen

Der "Center Parcs Park Allgäu" wurde im Oktober 2018 eröffnet und umfasst 1000 Ferienhäuser verschiedener Ausstattung und Größe. Auf über 180 Hektar erstreckt sich das Feriendorf, das 350 Millionen Euro kostete. Wie das Areal bei Langlau handelt es sich um eine ehemalige Munitionsanstalt. Auch deshalb kann man ihn als Vorbild für eine Center Parcs-Anlage auf dem Muna-Gelände am Brombachsee sehen.


Er appellierte an die Politik im Landkreis, "gemeinsam zu überlegen, was man mit dem Muna-Gelände machen könnte". Und präsentiert auch eine Idee: Wenn man im Landkreis weiterhin Wohn- und Gewerbeflächen entwickeln wolle, brauche man dafür Ausgleichsflächen. Also sollten sich, so Riedl, alle Gemeinden in Altmühlfranken zusammentun, "gemeinsam die Muna kaufen und sie zu einer gemeinsamen Ausgleichsfläche machen".


CP-Masterplan sieht 800 Häuser vor


Die BI jedenfalls werde "weiterkämpfen", bis der Center Parcs-Projektbeauftragte Jan Janssen "endlich weg ist und den Leuten keinen Schmarrn mehr erzählt".


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