Montag, 20.01.2020

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Michael Stahl hielt in Gunzenhausen ungewöhnlichen Vortrag

Mehr Rücksicht aufeinander, weniger Elektronik, mehr gemeinsames Reden und Spielen - 05.11.2014 08:00 Uhr

Die Wertschätzung des Mitmenschen steht im Mittelpunkt der Vorträge von Michael Stahl.


Schon die Homepage der Person Michael Stahl machte neugierig, denn ein überaus vielseitiges Profil ließ auf einen äußerst aktiven und vielseitigen Menschen schließen, dessen Credo die Wertschätzung des anderen, des Mitmenschen in den Mittelpunkt seiner Vorträge stellt. So ist Stahl Buchautor, ehemaliger Bodyguard großer Persönlichkeiten, jetzt Verteidigungstrainer, der gern gegen den Strom schwimmt und sich bescheiden Michael Stahl nennt. Vor kurzer Zeit wurde er mit dem Werte-Award für innovative und strukturverändernde Projekte ausgezeichnet.

Bereits im vergangenen Schuljahr begann die Organisation und Planung, um Michael Stahl an die Stephani-Mittelschule zu bekommen. Terminlich gab es einige Hürden zu meistern, ebenfalls mit der Finanzierung. Direktor Lothar Domaschka suchte Sponsoren und fand diese in der Raiffeisenbank Gunzenhausen, dem Förderverein und dem Elternbeirat der Stephani-Mittelschule.

Nach einer kurzen Begrüßung war Stahl bereits mitten im Geschehen, sprach heikle Themen wie Gewalt oder Alkohol in der Familie oder in Jugendgruppen schonungslos an, berichtete von seiner eigenen Kindheit, den Problemen mit dem Vater und dem Verlust einer engen Freundin der Familie nach einem schrecklichen Autounfall.

Mit kurzen und lustigen, scheinbar unwichtigen Nebensachen kam er immer wieder zur Grundaussage seines Vortrags: Kinder brauchen – egal ob Täter oder Opfer – Zuneigung, Geduld und wahre Werte. Sie sollen ihre eigenen Grenzen erkennen und die der anderen respektieren. „Wir wollen sie motivieren, nicht mehr wegzuschauen, sondern sich gegenseitig zu helfen“, so Stahl.
Dabei war es in der mit fast 200 Schülern der Jahrgangsstufen 7, 9
und 10 fast vollbesetzten Turnhalle mucksmäuschenstill, sodass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Die Schüler berichteten von einer Gänsehaut, die sie bei Teilen des Vortrags bekommen hätten. „Der trifft mich voll ins Herz“ oder „Der Mann ist genial“ sind nur einige wenige der vielen Schüleräußerungen, die im Anschluss an den Vortrag zu hören waren.

„Gib den Kindern einen Ball – und lass sie spielen“ – unter dieser Aussage könnte der dem Vortrag anschließende Part, das Training für die 9. Klassen, stehen. Stahl verwendete mit seiner Trainerkollegin lediglich nur kleine bunte Bälle, hocheffektiv eingesetzt und von den Schülern sofort akzeptiert. Stahl führte vor, wie sehr die Konzentration und Selbstachtung von negativen Äußerungen beeinflusst werden können. In gestellter und gespielter Weise versuchte er zunächst, zu demotivieren, wie sich sehr viele Schüler häufig selber sehen: „Ich kann das ja eh nicht“, um sie danach sofort aufzubauen und zu motivieren. Er sagte: „Ich konzentriere mich auf das, was gut ist, ich konzentriere mich nur auf den Ball, alles um mich herum ist gerade nicht wichtig.“ Wenn dies bei den Schülern klappte, dann fingen sie den Ball, der von hinten über ihren Kopf geworfen wurde.

„Für was braucht ihr die ganzen PC-Spiele und wie die Dinge alle heißen. Geht raus und spielt und sprecht miteinander. Ich wünsche mir, dass ihr heute hier rausgeht und euch selbst lieben lernt, und vor allem, schaut auch nach den anderen, jedem soll es gut gehen. Kein Mobbing und keine Elektronik als Freizeit mehr.“ Damit endete der spannende, informative und wichtige Tag mit Michael Stahl.

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