Nein zu Center Parcs: BN fordert eine naturnahe Nutzung

1.12.2020, 17:01 Uhr
Sie alle eint der Wunsch, Center Parcs vom Fränkischen Seenland fernzuhalten: Karl-Heinz Schork (BUND Naturschutz, von links), Brigitte Löffler (BUND Naturschutz), Klaus Maier („Seenland in Bürgerhand“), Richard Mergner (BUND Naturschutz) und Tom Konopka (BUND Naturschutz).

Sie alle eint der Wunsch, Center Parcs vom Fränkischen Seenland fernzuhalten: Karl-Heinz Schork (BUND Naturschutz, von links), Brigitte Löffler (BUND Naturschutz), Klaus Maier („Seenland in Bürgerhand“), Richard Mergner (BUND Naturschutz) und Tom Konopka (BUND Naturschutz). © Isabel-Marie Köppel

Den Treffpunkt an einem Feldweg zwischen Rittern und Thannhausen haben die Vertreter des BUND Naturschutz (BN) gewählt, weil man von dort eigentlich einen guten Blick auf den Muna-Wald hat – wäre da nicht das Schneetreiben, das alles in eine graue Suppe getaucht hat. Die Botschaft von Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN, ist dennoch nicht minder klar: Den geplanten, ja den drohenden Verkauf der ehemaligen Munitionsanstalt bei Langlau zu stoppen.


Center Parcs in Franken: Naturschützer wollen Ausverkauf verhindern


Damit wendet sich der Naturschutzverband an das Bundesumweltministerium und an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die die Liegenschaften des Bundes verwaltet und somit auch die Muna. Denn noch sei nichts endgültig entschieden, auch wenn Center Parcs diesen Eindruck vermittle. Die Verhandlungen liefen noch.

Auf rund 150 Hektar soll eine Ferienanlage von Center Parcs entstehen. Damit handelt es sich um das aktuell größte Tourismusvorhaben in Süddeutschland. Aufgrund der Größenordnung habe das Projekt also eine bayernweite Bedeutung.

BN kritisiert geheime Verhandlungen

Massive Kritik übt Mergner an den Behörden und Politikern, die den Bürgern Beteiligung und Transparenz verwehren würden: "Solche Geheimverhandlungen kann und darf es im Jahre 2020 nicht geben." Für ihn sei es ein Skandal, dass hinter verschlossenen Türen verhandelt werde, wenn es um die regionale Entwicklung gehe.

Hier werde ein Wald privatisiert. Dabei gehöre eigentlich jedem von uns ein Stück davon, so Mergner, weil es sich um ein Grundstück des Bundes handelt. Zudem steht in der bayerischen Verfassung, dass "alle Teile der freien Natur, insbesondere Wald (...) von jedermann unentgeltlich betreten werden" darf. Im Zuge dessen sei es auch ein Grundfehler, dass keine Alternative ins Spiel gebracht werde.


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Diese aufzuzeigen, darum bemüht sich derzeit die Initiative "Seenland in Bürgerhand" (BI), erklärt deren Sprecher Klaus Maier. Bald werde die BI dazu einen Film veröffentlichen. Knapp 7000 Unterschriften hätten sie bereits gegen das Feriendorf gesammelt. Für ihn als Anwohner (Ramsberg) war es damals ein Schlag, als er im Sommer aus der Zeitung erfahren musste, welche Pläne es zu dem Muna-Areal gibt. Auch er kritisiert, dass die Bevölkerung im Dunkeln gelassen werde und "der Landrat sowie andere kommunale Spitzenpolitiker durch Passivität glänzen".

Über Alternativen diskutieren

Außerdem warnt er zusammen mit Mergner vor dem Geschäftsmodell, das Center Parcs betreibe. Der Betrieb eines Parks sei in der Regel defizitär. Deshalb agiere der Konzern zum Teil wie ein Bauträger, der die Häuser verkauft, um so einen Gewinn zu erwirtschaften. Aufgrund dieser Tatsache müsse neu über Alternativen diskutiert werden.

"Woanders kämpfen wir um einzelne Bäume", sagt Karl-Heinz Schork, Vorstandsmitglied der BN-Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen. Für ihn gilt es, den Wald als Ganzes zu wahren, egal wie viel besonders schützenswerte Arten sie dort finden sollten, damit nicht noch mehr auf die Rote Liste geraten.

Besonderen Gesprächsstoff liefert bei dem Treffen auch ein Artikel, der am Dienstag in der Süddeutschen Zeitung (SZ) erschienen ist. Darin berichtet das Blatt, dass Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zusammen mit Landrat und Bürgermeister – zu der Zeit im Amt Manuel Westphal und Reinhold Huber –, zwei Förstern sowie Mitarbeitern von Landratsamt und Zweckverband Brombachsee das Gelände besichtigten.

Hoher Besuch auf dem Muna-Areal

Für Mergner ist das ein Indiz, dass der Park auch von oben gewünscht sei. "Wenn der oberste Dienstherr sagt, ich will das, können Sie sich den Druck vorstellen, der auf den Behörden und Beamten lastet", gibt er zu bedenken. Zwar könne man den Gutachten zur Naturverträglichkeit schon vertrauen, doch wie die Ergebnisse letztlich bewertet werden, darauf müsse man ein Auge haben, sagt Tom Konopka, BN-Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken.

Bei dem geheimen Waldspaziergang war zudem PR-Unternehmer Stephan Heller dabei, der den Innenminister bereits seit Jahrzehnten kennt, berichtet die SZ. Seine Firma hat für Center Parcs bereits einen Werbefilm gedreht. Nicht gerade förderlich für das Vertrauen der Bürger, wenn ein Center-Parcs-Lobbyist mit dem Minister über die Muna spaziert, findet Mergner. Zugleich versucht die BI seit Monaten auf das Gelände zu kommen, doch die BImA verwehre es ihnen, berichtet Maier. Die Begründung: zu gefährlich, zu aufwendig.


Gastwirte wollen den Center Parc


Für den BN steht fest: Die Muna muss Natur bleiben. Wenn überhaupt könnten sie sich das Gelände als Ausgleichsfläche für andere Projekte wie den Ausbau der A6 zwischen Roth und Feuchtwangen vorstellen, wofür kaum noch Flächen vorhanden seien. Dies sei auch der Plan der BImA bis 2017 gewesen. Denkbar wäre auch eine Teilerschließung für naturnahen Tourismus.

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