NN/NZ-Klinikcheck

Herzkatheter-Eingriffe: Welche Klinik ist am besten?

Isabel Lauer
Isabel Lauer

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28.8.2021, 06:54 Uhr
Ablagerungen können die Blutgefäße rund ums Herz gefährlich einengen und im schlimmsten Fall verschließen, oder sie setzten Blutgerinnsel in Gang. Mit einem Herzkatheter lassen sich die Engstellen wieder weiten. 

© psdesign1, stock.adobe.com Ablagerungen können die Blutgefäße rund ums Herz gefährlich einengen und im schlimmsten Fall verschließen, oder sie setzten Blutgerinnsel in Gang. Mit einem Herzkatheter lassen sich die Engstellen wieder weiten. 

Unter den 19 Krankenhaus-Standorten, die im Großraum Nürnberg verengte Herzkranzgefäße mit dem Herzkatheter behandeln, liegt in unserer wissenschaftlichen Auswertung durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg das Klinikum Bamberg an der Spitze bei den Qualitätsergebnissen im NN/NZ-Klinikcheck. Auch das Klinikum Ansbach, das Klinikum Forchheim und die Klinik Neustadt/Aisch bekommen Bestnoten.

Was ist ein Herzkatheter?

Mit diesem Verfahren lassen sich die drei Koronararterien, die das Herz mit Blut versorgen, auf einem Bildschirm darstellen. Mit Hilfe eines Kontrastmittels in den Blutgefäßen zeigt sich, ob sie gut durchgängig sind oder ob sich Engstellen oder Verschlüsse gebildet haben. Diese lassen sich dann auch gleich behandeln.

Das Ranking der Kliniken in der Region.

Das Ranking der Kliniken in der Region. © FAU Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Redaktionsservice VNP

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Wie läuft diese Behandlung ab?

Der Eingriff erfolgt in einem Herzkatheterlabor, einer Art OP-Saal mit einer hochentwickelten Röntgenanlage. Die Patienten sind wach, sie erhalten eine örtliche Betäubung am Handgelenk oder in der Leiste – je nachdem, wo der Katheter eingeführt wird, erklärt Dr. Martin Braun, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Bamberg (Hauptstandort Bruderwald). Der Katheter ist ein feiner Kunststoffschlauch, der durch die Blutbahn bis zum Herzen geschoben wird.

Informationen zur Methodik finden Sie hier.

Durch den Katheter kann man Werkzeug einführen, um Engstellen mit einem Ballon aufzudehnen und um Stents einzusetzen, die dort bleiben. "Ein Stent ist ein dünnes Drahtgerüst und hält das aufgedehnte Areal dauerhaft in der Position. Die Engstelle ist in der Regel durch sogenannte arteriosklerotische Plaques entstanden, Ablagerungen an der Gefäßwand. Diese werden zurückgedrängt", schildert Braun. Ab einer Verengung von 80 Prozent werde ein Stent sehr wahrscheinlich notwendig. "Aber diese Entscheidung hängt auch von den Beschwerden des Patienten ab."

Der Klinikcheck betrachtet mangels anderer Daten nur Eingriffe bei Patienten ohne akuten Herzinfarkt. Aus welchen Gründen braucht jemand dann diese Behandlung?

"Typischerweise, wenn eine anhaltende Symptomatik von Angina pectoris besteht", sagt Braun. So heißt das Engegefühl in der Brust, das vorwiegend bei körperlicher Anstrengung auftritt, weil wegen verengter Gefäße der Herzmuskel unzureichend durchblutet wird. Es gebe aber auch Betroffene der koronaren Herzerkrankung mit spärlichen Symptomen. "Frauen zeigen öfter nur unspezifische Luftnot."

Die Grafik zeigt die Detailergebnisse der Krankenhäuser.

Die Grafik zeigt die Detailergebnisse der Krankenhäuser. © FAU Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Redaktionsservice VNP

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Kardiologen verfügen heute über zuverlässige Methoden, um erst einmal ohne Eingriff zu fahnden: Herz-Ultraschall unter Belastung, Computertomografie, Stress-Magnetresonanztomographie oder die Szintigraphie liefern genaue Hinweise, das Belastungs-EKG weniger. Abhängig von den persönlichen Risikofaktoren – familiäre Veranlagung, Diabetes, Blut- und Blutdruckwerte – müssen die Experten dann beurteilen, ob die Gefäßverkalkung schon gefährlich fortgeschritten ist und besser beseitigt wird. "Die Restunsicherheit der nicht-invasiven Verfahren ist mittlerweile zum Glück sehr niedrig."


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Blick ins Herzkatheterlabor des Klinikums Bamberg am Bruderwald.

Blick ins Herzkatheterlabor des Klinikums Bamberg am Bruderwald. © Konstanze Wutschig, Klinikum Bamberg

In unsere Berechnung sind nur AOK-Versicherte einbezogen, die auch tatsächlich Stents erhielten. Ausgeschlossen sind Patienten des niedergelassenen Bereichs und alle, bei denen ein akuter Herzinfarkt der Grund war. Das liegt an der Verfügbarkeit von vergleichbaren Behandlungsdaten. Laut Herzbericht 2020 der Deutschen Herzstiftung steigt die Häufigkeit der Untersuchung und Behandlung seit Jahren weiter – allerdings gibt es auch immer mehr ältere Menschen mit Koronarer Herzkrankheit.

Wie sicher ist die Behandlung?

"Es ist ein sehr etabliertes Verfahren", sagt der Chefarzt. "Man muss immer das Risiko abwägen, wenn man nichts macht und der Patient wenige Wochen später einen Herzinfarkt erleidet. Die Herzmedizin ist zuletzt sehr viel besser darin geworden, Patienten zu identifizieren, die wirklich einer Katheter-Untersuchung bedürfen." Trotzdem sind Blutungen, Thrombosen und Gefäßverletzungen denkbar, sodass ein Herzkatheter nicht vorschnell angeordnet werden darf.

Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie hier.

Ein Erfolgsfaktor bei unserer Auswertung ist neben einer geringen Komplikationsrate die Langzeitwirkung der Behandlung: dass der Patient im Jahr danach keine Bypass-OP oder einen anderen Folgeeingriff benötigt und auch keinen Infarkt erleidet. Was tut die Siegerklinik dafür?

"Nicht jede Verengung muss mit einem Stent versorgt werden", betont Braun. Von zentraler Bedeutung sei die sorgfältige Auswahl jener Patienten, die einen Nutzen von dem Eingriff haben. Dabei helfen gute Ausbildung, aber auch moderne Technik. So erleichtern seit einigen Jahren dreidimensionale Live-Röntgenbilder die Einschätzung. Unklare Engstellen werden mit der sogenannten Druckdrahtmessung überprüft. Das Klinikum Bamberg führt bis zu 1700 Herzkatheter-Eingriffe jährlich durch, bei gut der Hälfte davon kommen Stents zum Einsatz.

Was müssen Patienten nach der Behandlung beachten?

Sie brauchen dann auf Dauer blutverdünnende Medikamente. Und: "Die Patienten sollten ihren Lebensstil verändern, dazu geben wir ihnen Informationsmaterial an die Hand", erklärt Braun. "Die Verengung eines Herzkranzgefäßes ist ja eine Antwort des Körpers auf gewisse Lebensweisen des industriellen Zeitalters." Menschen mit koronarer Herzerkrankung, die sich mehr bewegen, sich mediterran ernähren, Übergewicht abbauen, nicht rauchen, Bluthochdruck und Diabetes behandeln lassen, verbessern nachweislich ihre Prognose - und vermeiden, dass im Bumerang-Effekt neue Stents nötig werden.

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Die nächste Folge des Klinikchecks am 4. September 2021 befasst sich mit Operationen bei Brustkrebs.

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