Eine Bürgermeinung: StUB sticht Aurachtal-Bahn aus

4.3.2020, 16:43 Uhr
Die Stadt-Umland-Bahn fährt dort, wo die Arbeitnehmer in Herzogenaurach hinmüssen. Zum Beispiel, wie bei der jüngsten öffentlichen Trassenbesichtigung gezeigt, zur Adidas-Zentrale. Das ist auch für Wolfgang Reichert ein ausschlaggebendes Argument.

Die Stadt-Umland-Bahn fährt dort, wo die Arbeitnehmer in Herzogenaurach hinmüssen. Zum Beispiel, wie bei der jüngsten öffentlichen Trassenbesichtigung gezeigt, zur Adidas-Zentrale. Das ist auch für Wolfgang Reichert ein ausschlaggebendes Argument.

Reichert hat im Gespräch mit unserer Zeitung die Befürchtung geäußert, dass auf die Einfachheit, mit der die Verwirklichung einer solchen S-Bahn-Trasse dargestellt wird, viele Herzogenauracher hereinfallen könnten. In seinem Berufsleben habe er aber zu lange in der Leitung großer Projekte, in seinem Fall im Kraftwerksbau, gearbeitet, um Behauptungen wie "schnelle Realisierung ohne lange Genehmigungsverfahren" so einfach zu schlucken.

Eine Bahnstrecke, auf der seit den späten 1980er Jahren kein Zug mehr zwischen Frauenaurach und Herzogenaurach gefahren ist, braucht auf jeden Fall eine neue aufwendige Beurteilung und Begutachtung, auch wenn sie planfestgestellt ist. Dessen ist er sich sicher. Schließlich stehen inzwischen auch einige Wohnhäuser nahe am alten Gleis.

Eine neue Planfeststellung wäre auf jeden Fall für die Anbindung einer "Aurach-S-Bahn" an die Hauptstrecke am Bahnhof Bruck nötig, weil dort der viergleisige Ausbau der Nürnberg-Bamberg-Strecke einen Teil der alten Einmündung der Nebenstrecke überbaut hat – auch gültig planfestgestellt.

Reichert hat alle Zweifel, ob dies alles tatsächlich schneller gehen würde, als der Bau der Straßenbahn. Zumal man nicht wisse, ob die Städte, die per Zweckverband alle Hoheit über Planung und Zeitplan der Straßenbahn haben, auch bei einem Bahnprojekt mitreden könnten, wann die Bahn es verwirklichen möchte.

Reichert hat im Gespräch deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass auch künftig die Arbeitnehmer gut, pünktlich und bezahlbar zu ihren Arbeitsplätzen kommen. Etwa 20 000 Arbeitnehmer pendeln täglich nach Herzogenaurach zur Arbeit, etwa 5500 von Herzogenaurach weg. Vor diesem Hintergrund hält Reichert sowohl die Südumgehungsstraße als auch die StUB für nötig. Und die StUB deshalb, weil sie im Gegensatz zu einer Einspur-Bahn mit 30-Minuten-Takt im Tal alle großen Unternehmen in Herzogenaurach, dazu auch den Siemens-Campus und die Uni in Erlangen direkt anfährt.

In Herzogenaurach finden sich neben Adidas, Puma, Vipa, Proleit usw. auch die wachsende Herzo Base an der geplanten StUB-Trasse, in Erlangen Büchenbach. Eine Schiene dort bringt zwangsläufig mehr Passagiere in das öffentliche Verkehrsmittel als eine im Tal.

Wenn die Bahn denn die alte Nebenstrecke wieder herrichten würde, würde bei deren Betrieb natürlich der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) bestimmen. Gleichzeitig mit einer Bahn auch parallele Buslinien zu betreiben, wäre vom VGN nicht zu erwarten. Ist die StUB in Betrieb, werden wohl die Buslinien 199 und 200 nach Erlangen eingestellt werden, bei einer Aurachtalbahn die 201. Diese aber führt mitten durch Niederndorf. Für den größten Ortsteil Herzogenaurachs brächte eine Aurachtalbahn in dieser Hinsicht einen Nachteil. Man muss, so Reichert, eben gesamtheitliche Zusammenhänge sehen. Deshalb sehe er zwar die Streckenführung durch die Rathgeberstraße als problematisch an, die StUB gleichwohl als das Verkehrsmittel der Wahl, wenn man, so Reichert, technisch und logisch klaren Argumenten folgt.