Mittwoch, 25.11.2020

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Sanfter Spott auf hohem Niveau in Niederndorf

Gelungene weihnachtliche Parodie mit dem Ensemble Rhythm&T-Bones - 23.12.2019 11:57 Uhr

Vier Posaunen, ein Piano und ein Haifisch: Die Rhythm&T-Bones ließen sich einiges einfallen, um ihren Zuhörern ein weihnachtliches Musikvergnügen zu bescheren.

22.12.2019 © Foto: Rainer Groh


Was die Musik betrifft, so setzt eine gelungene Parodie auch noch voraus, dass man sein Instrument gut spielen kann, etwa so gut wie die fünf Posaunisten Norbert Engelmann, Peter Hörner, Thomas Wendel, Sven Meschede und Veit Götz, Tubist Lukas Maier, Pianist Peter "Bodo" Willert und Schlagzeuger Julian Graf.

Diese Formation der Stadtjugendkapelle nennt sich Rhythm&T-Bones und hat am Freitagabend in der Niederndorfer Pfarrkirche St. Josef unter Einhaltung aller dieser Vorgaben dem Publikum eine gute Stunde reines weihnachtliches Musikvergnügen beschert.

Ohne Ansagen, dafür mit ein bisschen Rollenspiel gegen eingefahrene Rezeptionsgewohnheiten, denn die Stücke, die gespielt wurden, sind nur allzu bekannt. Die Dramaturgie erleichtern sich Rhythm&T-Bones dadurch, dass sie alles für vier Posaunen arrangiert haben. Ein Bläser hat immer frei und kann zum Beispiel James Lasts einsamen Hirten stoisch verkörpern, einen Haifisch-Luftballon durchs Kirchenschiff befördern oder ein Weißbier einschenken, damit die Kollegen klischeehaft altbairisch "Es werd scho glei’ dumpa" singen können.

In Faxen ist dies nie ausgeartet. Dies verhindert die oben genannte Achtung vor den Werken. Sehr angemessen und geschmackvoll haben die Musiker ihr Material und auch etwas sich selbst durch den Kakao gezogen. Immerhin haben sie gleich nach Leroy Andersons ziemlich verschlissener "Schlittenfahrt" auch "Jesus bleibet meine Freude" – des Verfassers Lieblings-Bachkantate – gespielt. Da braucht es fein dosierten Humor.

"Christmas Crackers", ein Medley mit "Rudolph, the red nosed reindeer", "White Christmas", "Let it snow" und weiteren Dauerbrennern haben sie gleich zu Beginn mit Rhythmus- und Tempowechseln so mit und gegen den Strich durchgebürstet, dass man wieder hören konnte: Das ist mehr als Kaufhaus-Rolltreppen-Klangteppich, sondern gute Musik.

Tschaikowskys Nussknacker als Blockflöten-Versuch, James Lasts "Einsamen Hirten" gepfiffen als Parodie auf den Panflöten-Kitsch – das Zuhören hat so viel Spaß gemacht, dass die Fans in der voll besetzten Kirche stehend zwei Zugaben erklatschten: "Es ist ein Ros’ entsprungen", sehr deutsch, und "Wish you all a Merry Little Christmas", sehr amerikanisch.

Ihre Freude an dem gelungenen Konzert können auch Mitbürger haben, die Unterstützung brauchen und die der Hausherr von St. Josef, Pfarrer Helmut Hetzel, kennt. Ihnen kommen die Spenden zugute, die statt Eintrittsgeld reichlich flossen.

RAINER GROH

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