Samstag, 28.11.2020

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Zeugen der Vergangenheit auch in Herzogenaurach

Grenzsteinlinie mit den Marksteinen der Hohenzollern steht jetzt unter Denkmalschutz - 20.07.2020 06:57 Uhr

Jürgen Nickel aus Zirndorf spürt in seiner Freizeit Grenzsteinen nach, ist auch Initiator des privaten Forschungsprojektes „Historische Grenze“.

19.07.2020 © Foto: privat


Für die Erhaltung dieser stark gefährdeten Kleindenkmale setzt sich ein privates Forschungsprojekt ein: "Historische Grenze" mit dem Initiator Jürgen Nickel hat es sich zum Ziel gesetzt hat, historische Grenzlinien im mittleren Franken aufzuspüren, zu registrieren und letztendlich dem Denkmalschutz zuzuführen.

Die alte Grenzsteinlinie der Hohenzollern zwischen Brandenburg-Culmbach und Brandenburg-Onolzbach ist die längste und anspruchsvollste historische Grenzlinie, die seit Gründung des Projektes "Historische Grenze" erforscht wurde. Sie umfasst eine Länge von rund 140 Kilometern, erstreckt sich heute über vier Landkreise und zwei kreisfreie Städte (Stadt und Landkreis Fürth, Stadt Erlangen, Kreis Erlangen-Höchstadt, Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Kreis Ansbach) und wurde mit 156 Marksteinen markiert.

Bei der Eckenmühle in Herzogenaurach steht Markstein Nummer 20.

19.07.2020 © Foto: Jürgen Nickel


Die Teilgrenzlinien erstrecken sich von Fürth/Vach über Herzogenaurach bis an die Grenze der damaligen Ritterschaft Wilhermsdorf. Weiter geht diese Grenzsteinlinie von Oberdachstetten bis Windelsbach, um nach einer weiteren Unterbrechung von Burgbernheim bis an die Stadtgrenze Bad Windsheim zu führen.

Die Linie ist eine über Jahrhunderte gewachsene Grenzlinie, denn sie führt entlang an Flüssen, verläuft quer durch Wälder und geradewegs über Fluren, um dann wieder die seltsamsten und ungewöhnlichsten Führungen zu nehmen.

Der Polizeibeamte Jürgen Nickel aus Zirndorf spürt in seiner Freizeit den alten Marksteinen der Hohenzollern in Franken nach und hat sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Herzogenauracher Stadtarchiv in Verbindung gesetzt.

Jahrhundertelang lag die Aurachstadt im unmittelbaren Grenzgebiet des Hochstifts Bamberg. Nicht weniger als 35,5 der 43 Kilometer langen Fraischgrenze um das fürstbischöflich-bambergische Amt Herzogenaurach stießen an Zentämter der von Hohenzollern regierten Markgrafschaften Ansbach und Kulmbach. Die Folge waren andauernde kriegerische Auseinandersetzungen mit den markgräflichen Nachbarn sowie Streitigkeiten um den Grenzverlauf.

Im Bereich der Stadt Herzogenaurach haben sich bislang fünf Marksteine dieser Grenzlinie aufspüren lassen – anhand von Hinweisen durch Heimatkundler sowie auf der Grundlage von historischen Plänen und alten Grenzbeschreibungen.

Jürgen Nickel geht davon aus, dass die Marksteine mit den Inschriften BO (Brandenburg Onolzbach) und BC (Brandenburg Culmbach) noch aus dem 16. Jahrhundert stammen, denn mit der Verlegung des Regierungssitzes von Kulmbach nach Bayreuth im Jahr 1604 wurde das Markgraftum umbenannt in Brandenburg Bayreuth.

Im Herzogenauracher Stadtarchiv wird ein sogenanntes Jurisdiktionsbuch verwahrt, das der Amtmann Valentin Cörber als eine Art Bestandsaufnahme des Amtes nach Ende des Dreißigjährigen Krieges anlegen ließ. Das Buch enthält eine genaue Grenzbeschreibung, die auch auf die Marksteine verweist.

Fortlaufende Nummern

Die Steine waren mit fortlaufenden Nummern versehen, die Nummer elf findet sich an der Südgrenze der Gemarkung Niederndorf auf Höhe Hüttendorf, die Grenze verlief dann entlang der Aurach bis zur Nummer 20 im Westen der Stadt südlich der Eckenmühle. Hier markiert ein Stein die Grenzecke, wo das ansbachische Fraischamt Cadolzburg und das bayreuthische Fraischamt Hagenbüchach mit dem Amt Herzogenaurach zusammenstießen.

Von der Eckenmühle verlief die Grenzlinie geradlinig durch den Dohnwald bis zu den Dreiecksweihern und dann nach Steinbach, wo ebenfalls zwei Hohenzoller’sche Marksteine zu finden sind, die Nummern 23 und 24. Die stehen noch an ihrem angestammten Ort, doch einen Großteil der Grenzsteinlinie, die sich von Fürth/Vach bis in den Bereich nordöstlich von Rothenburg hinzieht, sucht man vergebens ab.

Die ersten Hoheitssteine verschwanden wohl schon mit der Säkularisation und dem Ende des "Alten Reichs".

Und die in den 1970er Jahren begonnene Bereinigung der Flur erstreckte sich auch auf störende Grenzsteine, die zerstört oder in sogenannten Lapidarien gesammelt wurden. Doch selbst bis in die heutige Zeit machen ihnen Wald- oder Straßenbauarbeiten den Garaus. Dem Projekt "Historische Grenze" ist es nun gelungen, in engster Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege diese einmaligen Marksteine der Hohenzollern unter Denkmalschutz zu stellen. Sie sind nun unter der Listennummer D-5-73-123-4 im Denkmalatlas zu finden. Mit dieser Listennummer ist als Besonderheit nicht jeder einzelne Markstein einzeln, sondern die Linie als Ganzes eingetragen.

Hierauf hat "Historische Grenze" seinen besonderen Fokus gelegt, um die Bedeutung der Grenzlinie in ihrer Gesamtheit hervorzuheben. Nickel: "Natürlich ist es utopisch zu glauben, dass alle Grenzsteine seit 1753 erhalten sind. Die Verlustrate dieser Grenzsteinlinie von über 65 Prozent der Grenzsteine ist bislang ein Negativrekord."

Umso wichtiger seien Initiativen wie "Historische Grenze". Noch hat Jürgen Nickel die Hoffnung auf weitere Funde nicht aufgegeben und freut sich über zusätzliche Informationen – und vor allem auch über Hinweise zum Verbleib der Grenzsteine im Dohnwald.

Offensichtlich sind auch einige dieser historischen Steine in privaten Besitz gelangt. Auch hier bittet "Historische Grenze" Eigentümer um Kontaktaufnahme per E-Mail an: projekt@historische-grenze.de

Weitere Informationen zur Grenzlinie der Hohenzollern und zum Projekt "Historische Grenze" unter http://bo-bc-1753.historische-grenze.de

IRENE LEDERER/NN

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