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Dienstag, 16.07.2019

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A3-Ausbau: "Wird das unser Berliner Flughafen?"

Auch Bürgermeister entlang der Autobahn ärgern sich über Verzögerung - 15.06.2019 06:57 Uhr

Holz lagert an einem Parkplatz zwischen den Ausfahrten Bamberg und Höchstadt Ost. Mit dem Abholzen der Seitenstreifen hätte man nicht warten können, so die Autobahndirektion. © Foto: Ralf Rödel


Wie reagieren die Betroffenen auf diese Verzögerung? Die NN haben sich bei den Gemeinde-Chefs entlang der A 3 umgehört. Immerhin führt der überwiegende Teil der Ausbaustrecke durch das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung.

"Ein langwieriger juristischer Streit wäre wohl das Schlimmste", prognostiziert der Pommersfeldener Bürgermeister Hans Beck. Denn eine Auseinandersetzung vor Gericht – die beiden abgewiesenen Bauwerber klagen dem Vernehmen nach gegen die Autobahndirektion Nordbayern – könnte auch eine Neuausschreibung stark bremsen und die Vergabe der Arbeiten erschweren oder gar unmöglich machen.

"Rechtlich muss alles in trockenen Tüchern sein, erst dann steht auch der Autobahnbau auf stabilen Füßen", weiß der Verwaltungsprofi Beck. Für die Bürger Pommersfeldens sei die A 3 sehr wichtig, denn viele würden beruflich ins Städtekleeblatt mit Herzogenaurach einpendeln. "Und auch der Lieferverkehr kommt über die Autobahn", erinnert Hans Beck. Für den Heßdorfer Bürgermeister Horst Rehder ist derzeit Abwarten angesagt. "Als Gemeinde können wir da nichts beeinflussen", stellt Rehder lakonisch fest. Es hätten sich schon Planer die Verhältnisse in Heßdorf angeschaut.

Dass mit dem Autobahnausbau auch ein verbesserter Lärmschutz einhergehen soll, ist aus Rehders Sicht sekundär: "Uns interessiert eher, wie es mit der Park- und WC-Anlage bei Klebheim weitergeht", meint Rehder mit angesäuertem Unterton.

Immerhin bestehe die Gefahr, dass die Umwelt im Allgemeinen und der "Klebheimer See" als projektierter Vorfluter im Besonderen leide. Und dann sei da auch noch die Angst vor den Belastungen, welche die Anwohner in den nächsten Jahren aufgrund der Bauarbeiten zu (er-)tragen haben.

Eine Sorge, die Schlüsselfelds Bürgermeister Johannes Krapp teilt. "Wir sind nicht sauer auf die Autobahndirektion Nordbayern, aber doch sehr frustriert, dass sich die Autobahn-Erweiterung schon wieder verschiebt", betont Krapp. Ein Bürger habe schon provokant gefragt: "Wird das jetzt unser Berliner Flughafen?"

In Schlüsselfeld kommt im Zuge der Arbeiten eine Tank- und Rastanlage bei Heuchelheim hinzu, die bei den Bürgern keine Begeisterung auslöst. "Da ist das Planfeststellungsverfahren durch und daran ändern wir auch nichts mehr. Aber dass es sich wieder ewig zieht und wir über fünf Jahre mit Umleitungen und Unfällen im Baustellenbereich rechnen müssen, mindert einfach die Lebensqualität", erklärt Krapp grimmig.

Zudem sei der Ausbau der A 3 "längst überfällig" und hätte aus Krapps Sicht schon nach dem Fall der Ostgrenzen kommen müssen.

Die Autobahndirektion hat bekanntlich eine ihrer Aufgaben in diesem öffentlich-privaten Partnerprojekt gleich erledigt: In den zwei Wintern 2017 und 2018 hat die Behörde etwa 200 Hektar Wald beiderseits der Fernstraße abholzen lassen, um für die zusätzlichen Fahrspuren und die Brücken Platz zu schaffen.

Den Wald zeitnäher zu den jeweiligen Bauabschnitten abzuholzen, damit er seine Klimaschutz-Funktion länger hätte wahren können, sei nicht möglich gewesen, erklärt die Autobahndirektion auf die entsprechende Anfrage. Den Bauablaufplan mache das Partnerunternehmen. So werde er erst nach dem endgültigen Zuschlag an eine Baufirma bekannt. Also habe die Direktion dafür sorgen müssen, dass die gesamte Strecke bis zum ursprünglich geplanten Vertragsbeginn abgeholzt ist. 

HANS VON DRAMINSKI UND RAINER GROH

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