Angst vor Strahlung: Stadtrat Höchstadt lehnt Plan für 5 G-Mobilfunk ab

10.3.2021, 06:00 Uhr
Der Sendemast, der bei Etzelskirchen in Nähe der A 3 steht, soll um eine 5-G-Sendeanlage erweitert werden.

Der Sendemast, der bei Etzelskirchen in Nähe der A 3 steht, soll um eine 5-G-Sendeanlage erweitert werden. © Foto: Paul Neudörfer

Mehrere Familien vermuten einen Zusammenhang mit der elektromagnetischen Strahlung. Der 45 Meter hohe Mast steht in der Nähe der Autobahn und dürfte für Telefonica vor allem deshalb interessant sein. 5 G schafft unter anderem die Grundlage für die Vernetzung von Maschinen in der Industrie und intelligenten Geräten. Sie bildet also auch die Basis für autonomes Fahren.

Die Technologie, die seit 2019 an Verbreitung gewinnt, ist etwa 100 Mal schneller als die Vorgänger-Generation (LTE). "Alle wünschen sich schnellen Mobilfunk, aber niemand will ihn vor der eigenen Haustür haben", fasst Michael Ulbrich (Junge Liste) zusammen.

Krebsrisiko - ja oder nein?

Die Auswirkungen von 5 G auf die Gesundheit sind umstritten. "Es gibt Gutachten in die eine und in die andere Richtung", sagt Bürgermeister Gerald Brehm. Während das Bundesamt für Strahlenschutz keine Belege für ein erhöhtes Krebsrisiko sieht, hat eine Organisation der Weltgesundheitsorganisation Mobilfunkstrahlung als potenziell krebserregend eingestuft. Langzeitstudien gibt es noch nicht in ausreichender Form.

Fakt ist: Je höher die Frequenz einer Strahlung, desto geringer die Reichweite. Für das 5 G-Netz braucht es also deutlich mehr Sendemasten, um dasselbe Gebiet abzudecken. Und: Die neuen 5 G-Sendestationen lassen sich in kleinen Kästen so gut wie überall montieren.

Netzbetreiber betonen, es bestehe keine Gefahr, da die geltenden Höchstwerte einen ausreichenden Schutz gewährleisten. Wissenschaftler betonen, dass sich Studien zu den alten Frequenzen nicht auf die neuen 5 G-Netze übertragen lassen.

"Wir können das nicht abschließend beurteilen und möchten deshalb mit der Ablehnung ein klares Signal geben", sagt Bürgermeister Gerald Brehm im Stadtrat. Schließlich gehe es um die Fürsorgepflicht für die Bürger.

Aber kann die Stadt überhaupt ablehnen? Laut Anschreiben bittet die Telefonica nicht um Erlaubnis, sie teilt ihre Erweiterungspläne lediglich mit. Der Bürgermeister rechnet mit einer Klage.

"Ich kann die Ängste der Bürger nachvollziehen", meint Alexander Schulz, Fraktionssprecher der CSU. Er blickt in die Zukunft: "Geplante Wohnbaugebiete werden noch näher an den Sendemast heranrücken." Der Rathauschef solle deshalb die Kritik des Stadtrats an die Firma herantragen und nach einem alternativen Standort suchen. Dieser Beschlussvorschlag findet am Ende eine Mehrheit im Gremium.

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