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Montag, 24.06.2019

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"Bauopfer?" Rätsel um Schuhfunde in Herzogenaurach

Eine Ausstellung im Stadtmuseum widmet sich Objekten, die bei Renovierungsarbeiten entdeckt wurden. - 24.05.2019 14:00 Uhr

Funde aus dem Türmersturm: Die handgenähten Kinderschuhe werden nicht restauriert, sondern in dem Zustand erhalten, in dem sie vorgefunden wurden.


Beides linke Schuhe, von Kleinkindern unterschiedlichen Alters. Der kuriose Fund landete diese Woche im Herzogenauracher Stadtmuseum, dank der Nachbarin Erika Steininger, die als Museumsmitarbeiterin ein Auge für historisch interessante Raritäten hat. Kein Zweifel: Die Schuhe sind klein und anrührend, sie sind alt und sie sind getragen. Die Absätze schief getreten, die Sohlen geflickt.

Es ist nicht das erste Mal, dass versteckte oder eingemauerte Schuhe in Herzogenaurach gefunden wurden. Im Dach des Türmersturms stieß Albert Geinzer vom städtischen Bauamt vor einigen Jahren auf zwei "Schuhmumien". In den Fehlboden des Turmdaches gelangten sie kaum durch Zufall oder weil man sie entsorgen wollte, sondern sie wurden während eines Umbaus bewusst dort deponiert.

Die handgenähten Kinderschuhe waren getragen worden, bis sie fast auseinanderfielen. Auch hier handelte es sich nicht um ein Paar, sondern um zwei einzelne Kinderschuhe in unterschiedlichen Größen, wohl aus dem 19. Jahrhundert.

Tatsächlich sieht es so aus, als ob die Herzogenauracher Funde Teil eines uralten Brauchtums sind. In den vergangenen Jahren sind Berichte über Schuhfunde in ganz Deutschland und auch in der Schweiz aufgetaucht. Das älteste Exemplar war mehr als 600 Jahre alt und wurde im englischen Winchester gefunden.

Die überwiegende Mehrzahl stammt von Kinderfüßen, warum, ist unklar. Früher wanderten diese Schuhe meist auf den Müll, die Menschen konnten nichts damit anfangen. Doch in der Zwischenzeit sind Denkmalpfleger und Hausforscher auf derartige Gebäudefunde aufmerksam geworden, die bis heute nur ansatzweise geklärt werden konnten.

Schuhe einzumauern war vom 14. bis hinein ins 20. Jahrhundert üblich, dann geriet der Brauch völlig in Vergessenheit. Es existieren keinerlei schriftliche Aufzeichnungen über dieses Phänomen, auch keine Berichte von Heimatkundlern.

Vermutlich handele es sich um einen Brauch mit abergläubischem Hintergrund, einer Art Segen oder Schutz für das Gebäude. "Bauopfer" waren weltweit verbreitet, im Fundament eingemauerte oder in Hohlräumen eingeschlossene Tiere, meist Katzen oder Hunde, werden häufiger gefunden. Bei der Freilegung einer Zimmerdecke in Stuttgart kamen gleich die Reste von drei mumifizierten Katzen ans Tageslicht. Derartige Sühneopfer sollten das Gebäude vor Dämonen schützen.

Nach Berichten des früheren Heimatpflegers Richard Tille verwendete man in der Aurachstadt zu diesem Zweck auch eingemauerte Eier. Üblich waren auch Tierknochen anstelle lebender Tiere, menschliche Skelettteile, oder eben auch "Schuhopfer", versteckt oder eingemauert.

Um dem Haus und seinen Bewohnern Glück zu bringen und sie vor Bösem zu schützen. Der Schuh als Symbol für den Menschen, vermutet die Wissenschaft. Eine Vorstellung, die mit Schutz vor bösen Geistern in Verbindung steht. Es gibt keine Schriftquellen. Die Menschen machten es heimlich, niemand sollte sie dabei beobachten.

  

IRENE LEDERER

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