Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt

17.3.2020, 18:04 Uhr
Anders als der Wappenstein mit dem Mühlrad und der Jahreszahl 1762 über dem Türstock nahelegt, ist bereits für das Jahr 1731 ein Weber als Besitzer des Anwesens Hintere Gasse 1 in Herzogenaurach belegt. Ob es sich bei dem Besitz um einen Vorgängerbau oder schon um das bestehende Wohn- und Ackerbürgerhauses handelt, ist jedoch unklar. Der zweigeschossige, traufständige Walmdacheckbau mit Aufzugsgaube entstammt dennoch eindeutig dem 18. Jahrhundert und weist auch die typische Gliederung dieses Bautyps mit Sandsteinmauerwerk im Erdgeschoss und Fachwerk im Obergeschoss auf. Text: Philipp Eichenmüller
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Herzogenaurach, Hintere Gasse 1

© Julia Krieger

Nachdem sie den stadtbildprägenden Bau 2016 erworben hatte, führte die jetzige Eigentümerin im Inneren wie am Äußeren umfassende denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen durch.
Dabei wurden aus dem schon lange leerstehenden Bau nicht nur 200 Tonnen Rückbaumaterial entfernt, sondern auch in beiden Stockwerken die ursprüngliche Steinsichtigkeit der Sandsteinfassade mit ihren reich profilierten Gewänden um Türen und Fenster wieder hergestellt. Nach der Putzabnahme mussten hierzu weite Teile des salzbelastenden Sockels sowie Fensterbänke und ein Türsturz im Bereich der Hauptstraße in passenden Sandsteinvarietäten komplett erneuert werden. Eine freigelegte historische Hausnummer belegte dabei die einstige Sandsteinsichtigkeit des Erdgeschosses. Um zukünftige Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk zu vermeiden, wurde im Erdgeschoss eine Stahlbetonbodenplatte eingefügt sowie eine Entwässerung eingebaut.
Das Fachwerk des Obergeschosses wurde nach Befund neu gefasst und unpassende Kunststofffenster durch profilierte Holz-Isolierglasfenster mit historischer Teilung ersetzt.
Im Inneren konnte die historische Holztreppe erhalten werden und auch die Wohnungstüren wurden historischen Vorbildern nachempfunden. Die Außenwände wurden innen mit Silikatplatten gedämmt und mit Kalk verputzt, jedoch nicht ohne ein Befundfenster mit Schablonenmalerei geöffnet zu halten, welches die ursprüngliche Gestaltung der Wände nachvollziehbar macht.
Eine passende Dachdeckung mit naturroten Biberschwanzziegeln sowie zwei neue Holztüren nach historischem Muster, aber mit modernster Dichtungs- und Sicherheitstechnik versehen, runden die gelungene Sanierung dieses zuvor stark renovierungsbedürftigen Wohnhauses ab. Es bietet nun fünf Mietparteien in attraktiven Wohnungen ein Zuhause. Text: Philipp Eichenmüller
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Herzogenaurach, Hintere Gasse 1

© Julia Krieger

Das „Glockenhäusla“ im Uttenreuther Ortsteil Weiher macht seinem Namen wieder alle Ehre und das nicht nur aufgrund der Glocke von 1631. Diese stammt ursprünglich aus Nürnberg und wurde für den Vorgängerbau der Uttenreuther Matthäuskirche, die Kunigundenkapelle, gegossen. Auch das ehemalige Hirten- und Armenhaus selbst hat durch die Rekonstruktion des historischen Erscheinungsbildes eine Aufwertung erfahren, die dem Ortseingang von Weiher zugute kommt.
Wie dem Türsturz zu entnehmen, wurde der eingeschossige Satteldachbau mit den beiden Treppengiebeln und hölzernem Dachreiter nebst seiner fast vierhundertjährigen Glocke im Jahre 1846 an der Stelle eines maroden Vorgängerbaus unter Wiederverwendung von Sandsteinquadern errichtet. Er beherbergte neben der Wohnung des Gemeindehirten auch eine Armenstube. Text: Philipp Eichenmüller
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Uttenreuth, Weinbergstraße 3

© Julia Krieger

Anhand historischer Photographien und Archivalien gelang es der Eigentümerin und den beteiligten Restauratoren sowie der örtlichen Heimatpflegerin, das ursprüngliche Erscheinungsbild des Baudenkmals zu rekonstruieren. Bei der anschließenden Wiederherstellung des früheren Erscheinungsbildes lag daher besonderes Augenmerk auf dem Rückbau der historischen Fensteröffnungen. Dafür mussten insgesamt sieben Fenster ausgetauscht und bei fünf Wandöffnungen die ursprünglichen Abmessungen wieder hergestellt werden. Außerdem wurden störende Rollladenkästen entfernt. Nach Restaurierung der Steinsegmentierungen konnten der historischen Fensterform entsprechende, zweiflügelige Fenster mit segmentbogigem Oberlicht und dazu passende Läden eingepasst werden. Auch die Fensterbretter wurden ausgetauscht sowie die Bögen und Laibungen im Innenbereich neu gestaltet und mit Lehmputz versehen. 
Die historisch belegte Fenstergestaltung harmoniert nun wieder bestens mit der bereits vor einigen Jahren neu verfugten Sandsteinfassade sowie der segmentbogenförmigen Tür. Die Rekonstruktion des historischen Erscheinungsbildes des lokalgeschichtlich bedeutsamen „Glockenhäuslas“ wertet das Ortsbild von Weiher entschieden auf. Text: Philipp Eichenmüller
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Uttenreuth, Weinbergstraße 3

© Julia Krieger

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