Familien auf Wohnungssuche in Höchstadt

Katrin Bayer
Katrin Bayer

Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt

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2.2.2018, 13:57 Uhr
Die Schwestern Hanna und Sara suchen dringend Wohnungen für sich und ihre Familien – möglichst in Höchstadt, weil die Kinder hier in Kindergarten und Schule gehen. Annelie Schulze-Trennnert unterstützt sie bei ihrer Suche.

© Foto: Katrin Bayer Die Schwestern Hanna und Sara suchen dringend Wohnungen für sich und ihre Familien – möglichst in Höchstadt, weil die Kinder hier in Kindergarten und Schule gehen. Annelie Schulze-Trennnert unterstützt sie bei ihrer Suche.

Wenn Annelie Schulze-Trennert von "ihren" Familien spricht, kommt sie schnell ins Schwärmen: "Hanna, Sara, ihre Männer und Kinder sind so offen und vom ersten Tag an so integrationswillig", sagt die ehemalige Mittelschul-Lehrerin, die sich für den Höchstadter Helferkreis um die Syrer kümmert, für Deutschunterricht und Hausaufgabenbetreuung vorbeikommt.

Die Familien lernen eifrig deutsch, die Männer sind in berufsvorbereitenden Maßnahmen, die älteren Kinder besuchen Kindergarten oder Schule — und: "Egal, ob bei der Apfelernte im Kindergarten, bei der Nacht der Kulturen oder beim Neujahrsempfang der Stadt, sie sind überall dabei", betont Wolfgang Kümmerth, der Vorsitzende des Helferkreises.

Und doch ist es für die beiden Schwestern und ihre Familien, die den Status anerkannter Asylbewerber haben, schwierig, eine passende Wohnung zu finden. Nach ihrer vierwöchigen teils dramatischen Flucht über das Mittelmeer und dann zu Fuß über den Balkan kamen sie im August 2015 in Deutschland an, nur wenig später zogen sie in die dezentrale Flüchtlingsunterkunft in der Höchstadter Engelgasse. Im Juli 2016 ging es für die beiden Familien dann in ein Haus mit zwei Wohnungen in der Großen Bauerngasse, wo sich jedoch bald herausstellte, dass sie hier nicht dauerhaft bleiben können.

Sie berichten von Schimmel im Schlafzimmer, in dem auch die Kinder schlafen. Auch der Kinderarzt habe deshalb bereits einen Brief aufgesetzt. Das ausgebaute Dachgeschoss sei nicht nutzbar, weil an der Wendeltreppe, die dorthin führe, kein Geländer sei. Im Zuge der Reparatur eines Waschbeckens sei dieses eine Woche nicht nutzbar gewesen — und die Liste ließe sich noch fortsetzen.

Doch der private Vermieter, so beteuern die Mitglieder des Helferkreises, ignoriere alle Beschwerden. Daran, eine andere Bleibe für die Schwestern, Ehemänner und die drei bzw. vier Kinder zu finden, scheiterten die Ehrenamtlichen bislang aber. "Wie die Helferkreise andernorts auch haben wir Probleme, Wohnungen für anerkannte Asylbewerber zu finden", sagt Kümmeth.

Man reagiere zwar sofort, wenn passende Wohnungen beispielsweise im Amtsblatt ausgeschrieben seien. "Doch wenn man dann sagt, dass die Familie drei Kinder hat, ist das Gespräch sofort beendet", hat Schulze-Trennert erfahren müssen. Oder man antworte erst gar nicht auf E-Mails, in denen sich der Helferkreis für Wohnungen interessiert. Oder die Vermieter flüchten sich in Ausreden, würden zum Beispiel ins Feld führen, die Nachbarn hätten etwas gegen ausländische Mieter.

Der Helferkreis sucht derzeit insgesamt 13 Wohnungen für anerkannte Asylbewerber aus Syrien, Äthiopien, dem Irak und dem Iran. Etwa die Hälfte dieser Wohnungssuchenden lebt als sogenannte Fehlbeleger noch in Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie von ihrem Aufenthaltsstatus her dort ausziehen könnten. Den grassierenden Vorurteilen wissen die Ehrenamtlichen des Helferkreises einiges entgegenzusetzen: "Es muss zum Beispiel keiner Angst haben, dass man sich mit den Mietern nicht verständigen kann", beschwichtigt Kümmeth. Auch wenn das Sprachniveau der Geflüchteten freilich unterschiedlich sei. Zudem hätten alle Asylbewerber "Paten" beim Helferkreis, die als Ansprechpartner da seien, in Notfällen zusätzlich auch Wolfgang Kümmeth.

Während Annelie Schulze-Trennert einen praktischen Nutzen für potenzielle Vermieter ins Feld führt ("da die Miete vom Jobcenter überwiesen wird, ist die Zahlung sicher"), schwärmt Kümmeth davon, dass man durch die Asylbewerber seinen Horizont erweitere und neue Kulturen kennenlerne.

Noch nie habe es zudem bei Wohnungen, die der Helferkreis vermittelt habe, Probleme gegeben. "Da fragen wir auch immer wieder nach", betont Kümmeth. Im Gegenteil würden sich einige Vermieter dann sogar selbst in der Flüchtlingsbetreuung engagieren.

Und es gibt auch Positivbeispiele: Nach dem ersten Aufruf, freie Wohnungen für Asylbewerber zu melden, hätten sich gleich drei Vermieter gemeldet. Und ein anderer Hausbesitzer sei mit der Wohnungsmiete auf die von der Behörde maximal akzeptierte Höhe heruntergegangen, nachdem er die zukünftigen Mieter kennengelernt hatte.

Wer für die beiden syrischen Familien oder auch für andere Asylbewerber Wohnraum zur Verfügung stellen kann, meldet sich bei Wolfgang Kümmeth unter Telefon (01 71) 3 37 87 50. Die beiden Familien brauchen derzeit darüber hinaus dringend einen Couchtisch, ein Gitterbettchen und Stühle.

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