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Für die Höchstadter: Fitness-Kurs im Wohnzimmer

Auch wenn man sich nicht mehr im Studio treffen kann, schaffen soziale Netzwerke eine Art Gemeinsamkeit beim "Workout". - 24.03.2020 11:30 Uhr

Allein mit ihren Spiegelbildern sind Sophie (l.) und Franziska Gerner derzeit im Saal des Studios. Zwei Handys übertragen den Tabata-Kurs aber live zu 40 Abonnenten.

23.03.2020 © Rainer Groh


120 Quadratmeter groß ist der Saal. Normalerweise jumpen, steppen und schwitzen darin 30 bis 40 Menschen. Jetzt herrscht gähnende Leere vor der großen Spiegelwand. Nur Sophie und Franziska Gerner bereiten sich auf den Workout vor, die beiden Trainerinnen. Dass sie trotzdem nicht alleine sporteln, das bewirken die beiden Smartphones, die die jungen Frauen aufgestellt haben, Kameraobjektiv auf sich gerichtet.

Rund 40 zum Daheimbleiben verurteilte Mitglieder schauen den Trainerinnen aus Wohnzimmern oder Küchen zu, jeweils die Hälfte über Facebook und über Instagram verbunden. Es wird live mitgeturnt. Das ist wichtig, sagt Franziska Gerner, denn Kommandos, Anfeuerungsrufe und auch die lockeren Sprüche, wie sie bei einem Training mit leibhaftiger Gegenwart durch den Saal gehen würden, sollen die Teilnehmer auch in Echtzeit erreichen. Ein Video aufnehmen und dann über Kanäle wie You Tube schicken, wäre nicht das, was ihnen vorschwebt, außerdem dem Konzept des Kursstudios nicht gerecht.

Die Schwestern wollen den Abonnentinnen und Abonnenten aber doch einen kleinen Ersatz bieten für die gezwungenermaßen ausfallenden Stunden, für die die Kunden ja auch Beitrag zahlen.

So geht an diesem Donnerstagabend pünktlich um 18.45 Uhr der Groove-Workout los, mit tanzbaren Rhythmen aus den Lautsprecher- Boxen und einer Cardio-Einheit, sprich Ausdauertraining für das Herz-Kreislauf-System. Dann lassen die Schwestern noch fünf Vierminuten-Einheiten Tabata folgen, das ist hochintensives Muskeltraining ohne Maschinen, bei dem nur das eigene Körpergewicht schweißtreibend bewegt wird – in 20-sekündigen Belastungsphasen und zehnsekündigen Pausen.

Kleingeräte werden dabei auch benutzt. Weil solche kaum jemand daheim hat, haben sich Sophie und Franziska Gerner Ersatz ausgedacht: die Couch, ein Stuhl, ein Mikrofasertuch aus der Küche. Sogar Klopapier will Franziska Gerner einsetzen: "Davon haben die Leute ja genug zu Hause."

Der Live-Workout kommt bestens an. Das beweisen die Botschaften im Chat, der jeder Einheit folgt.

Der Tenor: In der häuslichen Isolation nicht nur für den Körper gut, sondern auch für die Psyche.

Anja Stowasser bestätigt das am Telefon. Die Sparkassen-Angestellte aus Höchstadt besucht das A4-Kursstudio in normalen Zeiten vier bis fünf Mal in der Woche. Das hat die Corona-Krise abrupt beendet. Deshalb finde sie es "einfach klasse", wie schnell – schon drei Tage nach der Empfehlung daheim zu bleiben – die Trainerinnen mit ihrem Ersatz-Angebot im Netz waren. Für sie wäre es sonst "echt schwierig" geworden.

Die Studio-Betreiber, die die Zwangspause für Renovierungsarbeiten nutzen, denken des Erfolgs wegen schon an weitere Online-Angebote. Vielleicht machen die anderen Trainer ja mit und man könne den Kundenkreis gegen ein Fix-Entgelt ja auf Nichtmitglieder ausweiten. Ein paar neue Mitglieder habe der Live-Workout auch schon gebracht.

RAINER GROH

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